Selfie-Gates
Wie im Limmattal der Umgang mit Nackt-Selfies geregelt wird

Verwaltungen und Unternehmungen im Limmattal setzen nicht nur auf «Menschenverstand» im Umgang mit Sexting. Personalverordnungen und Social Media-Guidelines sollen Risiken der privaten Nutzung minimieren.

Senada Haralcic
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Die Risiken der privaten Nutzung von Facebook, Twitter, Whatsapp und Co. sollen mit Guidelines des Arbeitgebers minimiert werden.

Die Risiken der privaten Nutzung von Facebook, Twitter, Whatsapp und Co. sollen mit Guidelines des Arbeitgebers minimiert werden.

Pro Juventute

Stadtammann und Nationalrat Geri Müller hat angeblich Nackt-Selfies aus seinem Büro an eine junge Frau verschickt und wurde gestern vom Badener Stadtrat von seinen Aufgaben entbunden. Der Fall der Bundesangestellten, die regelmässig Nackt-Selfies von sich auf Twitter stellte, führte zu ihrer Freistellung. Dass die private Nutzung von Facebook, Twitter, Whatsapp und Co. auch Konsequenzen für die eigene Karriere sowie für das Ansehen des Arbeitgebers haben kann, wird anhand der jüngsten Beispiele deutlich. Mit diesen Vorfällen stellt sich auch die Frage, wie Limmattaler Verwaltungen und Unternehmungen ein Fehlverhalten der Mitarbeitenden in Sachen «Social Media» vermeiden wollen.

«Bei uns war es noch nie der Fall, dass ein Mitarbeitender Fotos von sich am Arbeitsplatz gemacht hat, die unserem Ansehen geschadet haben», sagt Susanne Krähenbühl, stellvertretende Leiterin des Personalsamts der Stadt Dietikon. Um auch in Zukunft solche Vorfälle zu vermeiden, halte die Stadt gewisse Hilfsmittel bereit: «Wir geben jedem Mitarbeitenden Merkblätter ab, in denen der Umgang mit sozialen Medien und die allgemeine Nutzung des Internets während der Arbeitszeit geregelt wird», so Krähenbühl. Was Mitarbeitende in ihrer Freizeit tun, liege dann in ihrem eigenen Ermessen: «Wir können nicht schriftlich vorschreiben, was bei der privaten Nutzung erlaubt ist und was nicht.» Personalamt und Vorgesetzte gingen jedoch davon aus, dass die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung wissen, wie sie mit sozialen Medien umgehen sollen.

Tipps für Arbeitgeber

David Schäfer, Jurist, Kommunikationsberater und Gründer der Social Media Akademie Somexcloud, rät Arbeitgebern anhand einer Risikoanalyse mögliche Reputationsschäden zu untersuchen, bevor den Mitarbeitenden ein Reglement über den Umgang mit Social Media vorgelegt wird. Ausserdem werde den Arbeitgebern empfohlen, die Mitarbeitenden in Sachen Social Media fit zu machen: Mit Guidelines und Schulungen können Chancen erkannt und Risiken minimiert werden.

Guidelines im Kanton Zürich

Auch Heidi Cavelti, Leiterin des Personals der Stadt Schlieren, findet, dass man Selfies und Ähnliches nicht per Reglement verbieten kann: «Ein Verbot wäre sogar lächerlich», so Cavelti. «Die Teilnahme an interaktiven Medien, insbesondere an Chatrooms zu privaten Zwecken ist während der Arbeitszeit untersagt» dies schreiben die Ausführungsbestimmungen zur Personalverordnung der Stadt Schlieren vor. Grundsätzlich seien auch Konsequenzen darin schriftlich festgehalten: «Wenn jemand der Verwaltung einen Imageschaden zufügt, muss die betreffende Person mit einem Verweis oder im schlimmsten Fall mit einer Kündigung rechnen», so Cavelti.

Sowohl die Stadt Schlieren als auch Dietikon orientieren sich bei ihrem Reglement an den Vorgaben des Kantons. Dazu sind nebst einer «Verordnung über die Nutzung von Internet und E-Mail» auch «Social Media Guidelines» von der kantonalen Verwaltung bereitgestellt worden. Darin heisst es beispielsweise, dass das Mitwirken auf sozialen Medien nicht nur die private Reputation präge, sondern indirekt auch jene des Kantons Zürich. «Wir wollen bewusst nicht mit Verboten arbeiten, sondern den Mitarbeitenden zeigen, dass es auch gewisse Risiken birgt, wenn man viel Privates im Internet von sich preisgibt», sagt Roger Keller, Kommunikationsbeauftragter der Finanzdirektion des Kantons Zürich. «Wir setzen auf den gesunden Menschenverstand unserer Mitarbeitenden. Bisher hat das gut funktioniert», so Keller.

«Aufgabe des Vorgesetzten»

Wenn es darum geht, Fotos von sich am Arbeitsplatz zu knipsen und diese dann online zu stellen, setzt auch das Limmattal Spital — als grösster Arbeitgeber in der Region — auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden. «Massstab für den Umgang mit neuen Medien ist generell der gesunde Menschenverstand», sagt Matthias Gehring, Leiter der Human Resources des Spitals Limmattal. Bei Grenzüberschreitungen sei es ausserdem die Aufgabe des Vorgesetzten zu intervenieren: «Massnahmen bei unbefriedigendem Verhalten eines Mitarbeitenden sind im Personalreglement festgelegt», sagt Gehring abschliessend.