Servietten, Sets und Serviertabletts verschwinden im Buffet in der Mitte des Raumes. Ein Staubsauger und ein paar Kisten stehen am Boden. «Wir sind schon den ganzen Tag am Einräumen. Die Getränke wurden gerade geliefert, aber auch die Beleuchtung und die Bänke für das Fest», sagt Robin Leutwiler. Der 28-Jährige strahlt trotz Stress Gelassenheit aus.

«Nervös bin ich vermutlich erst kurz vor der Eröffnung.» Der Urdorfer Koch übernimmt das Restaurant Steinerhof mit seiner Frau Cristiana. Die beiden sind bei der neu gegründeten Restaurant Steinerhof AG von Besitzerin Regina Schuler-Steiner und ihrem Mann Roger Schuler als Geschäftsführer angestellt.

Die gemeinsame Absicht ist, die Betriebsgesellschaft nach den geplanten Sanierungen in ein paar Jahren dem Paar ganz zu übergeben (die Limmattaler Zeitung berichtete).

Seit Weihnachten ist der Urdorfer Gasthof geschlossen. Morgen Samstag öffnet er wieder seine Tore für Gäste. «Wir freuen uns sehr. Damit geht ein grosser Traum für mich in Erfüllung», sagt Robin Leutwiler.

Er stammt aus einer Urdorfer Wirtefamilie. Sein Urgrossvater, seine Grosseltern, sein Vater und sein Onkel betrieben das Restaurant Frohsinn in Urdorf. «Ich bin im ‹Frohsinn› grossgeworden. Mein Ziel war es, die Tradition fortzu- führen und das Restaurant zu übernehmen.»

Keine Liebe auf den ersten Blick

Doch daraus wurde nichts. Das Gebäude wurde 2015 abgerissen. Als Leutwiler hörte, dass der «Steinerhof» frei wird, meldete er sich sofort bei den Besitzern. Denn auch mit diesem Restaurant fühlt er sich stark verbunden. «Ich habe meine Lehre als Koch hier absolviert und fast zehn Jahre im ‹Steinerhof› gearbeitet.» Viel wichtiger aber noch: Amors Pfeil traf ihn mitten ins Herz. «Ich habe meine Frau im ‹Steinerhof› kennen gelernt», sagt Leutwiler. «Er hat seine Lehre gemacht und ich war im Service tätig», ergänzt seine Frau. Doch Liebe auf den ersten Blick sei es dann doch nicht gewesen. «Ich war damals 18, er 16 Jahre alt.

Da interessiert man sich nicht für jüngere Männer», sagt Cristiana Leutwiler und lacht. Und auch ihr Mann gibt zu: «Ich wollte keine Portugiesin, doch gegen die Liebe kann man nichts machen.» Cristiana Leutwiler stammt aus Porto, ist mit 16 Jahren zusammen mit der Mutter in die Schweiz gekommen. Auch ihre Familie hat Erfahrung in der Gastronomie. «Meine Grossmutter war Köchin, meine Tante führte ein Restaurant und mein Bruder arbeitet ebenso im Service», erzählt die 30-Jährige.

Bereits der damalige Wirt und ehemalige Chef, Koni Seglias, prophezeite den Leutwilers: «Ihr werdet einmal heiraten und den ‹Steinerhof› übernehmen.» Die Prophezeiung erfüllt sich nun vollends. «Ich habe die passende Frau gefunden, mit der ich meinen Traum leben kann», sagt Leutwiler.

Es sei wichtig, dass man jemanden habe, der hinter einem stehe. «Vor allem wenn man noch zwei kleine Kinder zu Hause hat.» Auf die beiden Töchter, die drei Jahre und ein Jahr alt sind, passt Cristiana Leutwilers Mutter Maria Barradas auf. Sie unterstützt das Paar aber auch im Restaurant.

Die Wiedereröffnung des «Steinerhofs» wird mit einem Kanonenschuss durch die Knabengesellschaft Urdorf eingeläutet. Auf die Gäste warten ein Barbetrieb und Live-Musik vom Dietiker Duo «Die Entertainer». Zudem werden die Stiereschränzer auftreten. Die Urdorfer Gugge bedeutet Robin Leutwiler viel. Er ist seit zwölf Jahren Mitglied, seit drei Jahren ist er Präsident des Vereins. Doch damit ist nun Schluss. «Der Schränzerball vergangenen Samstag war mein letzter offizieller Anlass. Ich trete von meinem Amt zurück.» Das fällt ihm aber nicht leicht.

«Es tut weh, ich vermisse es jetzt schon. Mein Grossvater hat die Gugge gegründet, mein Onkel war Präsident und konnte mich damals dafür begeistern», sagt Leutwiler. Doch mit der neuen Aufgabe als Wirt sei das aufwendige Hobby nicht mehr vereinbar. «Im Leben muss man Prioritäten setzen. Ich habe schliesslich auch noch Frau und Kinder, mit denen ich meine Freizeit verbringen möchte.»

Dass dem 28-Jährigen die Urdorfer Vereine am Herzen liegen, das zeigen auch die neuen Öffnungszeiten. Der Wirtesonntag fällt neu auf den Mittwoch und nicht auf den Montag. «Vereinsmitglieder treffen sich meistens am Montag. Sie sollen danach noch die Möglichkeit haben, etwas bei uns zu trinken und zu essen», sagt Leutwiler. Zu diesem Zweck bleibe die Küche auch bis 22.30 Uhr offen.

Carbonara im Cordon bleu

Der Menü-Karte widerfahren keine grossen Änderungen. «Es wird das ganze Jahr hindurch verschiedenen Tatar-Kreationen geben. Zudem kommen ein paar neue Cordons bleus auf die Karte», verrät Leutwiler. So etwa die Älpler-Variante mit Röstzwiebeln, Raclettekäse und Kartoffeln. Besonders stolz ist er auf sein Carbonara-Cordon-bleu, das bereits seit einigen Jahren auf der Karte steht. «Ich wollte, dass beim Aufschneiden der Käse und das Eigelb schön flüssig aus dem Fleisch laufen. Ich musste nicht einmal lange pröbeln, bis es klappte.»

Freude hat Leutwiler auch am selber kreierten «Steinerhof»-Logo, das ein Freund grafisch umsetzte. Die Schrift ist zwar dieselbe geblieben, aber das O besteht nun aus dem Urdorfer Stierkopf. Begleitet wird das Ganze von einem schwarzen Scherenschnitt, der Urdorf-typische Gebäude und Wahrzeichen abbildet. So zum Beispiel die alte reformierte Kirche oder den «Steinerhof» selbst. «Wenn man das Logo anschaut, soll man gleich erkennen, dass es sich um Urdorf handelt», sagt Leutwiler.

Seine berufliche Zukunft sieht das Paar im «Steinerhof». Was es machen wird, wenn das Restaurant in ein paar Jahren für die geplanten Sanierungsarbeiten für 9 bis 18 Monate geschlossen werden muss, weiss es noch nicht. «Wir machen uns aber keine Sorgen. Irgendetwas wird sich ergeben», sagt Robin Leutwiler. «Solange wir danach den ‹Steinerhof› als Pächter übernehmen können, sind wir glücklich.»