Neben dem Teich im Bruno-Weber-Park steht ein Einhorn, das mit glitzernden Mosaiksteinen besetzt ist. Diese Skulptur dient den angehenden Geomatikern des Schlieremer Unternehmens Acht Grad Ost AG als Untersuchungsobjekt. Mit zwei modernen Vermessungsmethoden haben sie die Skulptur im Rahmen eines Ausbildungsprogramms digitalisiert.

Die erste Methode, mit der die Lernenden sich am Einhorn zu schaffen machen, sieht auf den ersten Blick nach gängiger Vermessungsarbeit aus. Wie sich herausstellt, steht auf dem Stativ aber ein neuer Laserscanner, der das Objekt vor ihm vollautomatisch abtastet. Wird ein Objekt aus mehreren Perspektiven aufgenommen, kann so ein dreidimensionales Modell des Objekts erstellt werden. Die zweite Methode sieht technisch weniger anspruchsvoll aus, ist aber nicht weniger faszinierend. Ein Computer setzt aus etwa vierzig Fotografien, die das Objekt aus verschiedenen Winkeln zeigen, ein virtuelles Modell zusammen. Diese Technologie wird Fotogrammetrie genannt.

Das ist im Alltag nicht möglich

Ein Objekt mit zwei verschiedenen Methoden zu vermessen, bietet sich auf Baustellen selten an. «Durch den Vergleich können Stärken und Schwächen der Methoden sichtbar gemacht werden. Das hat einen grossen Lerneffekt», sagt Martin Wehrli, Projektleiter der Acht Grad Ost AG. Das Besondere an diesem Programm sei, dass die Lernenden den ganzen Prozess von der Vorbereitung über die Feldarbeit bis zur Auswertung selbstständig organisieren. «Sonst sind die Lernenden meist nur bei der Messung dabei», so Wehrli.

Den Lernenden scheint das Kontrastprogramm zu gefallen: «Es macht Spass, neue Technologien auszuprobieren», sagt Stefanie Feuz, die im dritten Lehrjahr ist. Sie beteiligt sich bereits zum zweiten Mal am Programm, da die Acht Grad Ost AG alle zwei Jahre eines auf die Beine stellt. Auch Dimitri Ziefle freut sich über die Abwechslung: «Für einmal können wir in einem besonderen Umfeld Vermessungen durchführen.» 

Vermessung des Bruno-Weber-Parks

Vermessung des Bruno-Weber-Parks

Kosten wären zu hoch

Neben dem Einhorn digitalisieren die Lernenden auch ein Modell des Parks. Dazu benutzen sie einen Handscanner, der mit Infrarotlicht ein unsichtbares Streifenmuster auf das Objekt projiziert. Durch die Verzerrung der Streifen kann das Gerät ein virtuelles Abbild erfassen. In der Vermessungstechnik zählt dieses wie auch die anderen Geräte vorort zur neusten Generation. Sie stammen von der Firma Leica, die sich auf die Herstellung optischer Geräte spezialisiert hat, zur Verfügung gestellt.

Ebenfalls auf dem Programm steht eine Deformationsmessung. Die Lernenden vermessen Punkte, die im November installiert wurden, um zu schauen, ob sie sich verschoben haben. Durch die hohe Präzision können kleinste Bewegungen festgestellt werden. Dank diesen Messungen kann die Standfestigkeit der Gebäude und Skulpturen beurteilt werden. «Für uns ist es ein Glücksfall, dass Lernende im Bruno-Weber-Park Vermessungen durchführen», sagt Isabelle Cart, Stiftungsratspräsidentin der Bruno-Weber-Stiftung. Dienstleistungen wie diese könnte sich die Stiftung nicht leisten.

Geländemodell wird gesponsert

Die Acht Grad Ost AG erstellt im Rahmen eines Sponsoringvertrags zusätzlich ein Geländemodell, das als Grundlage für die Planung der Arealentwässerung dienen wird. Im Gegenzug darf das Unternehmen mit den Lernenden den Park als Spielwiese benutzen. «Hier stehen wir nicht unter Zeitdruck und können den Lernenden ein Umfeld anbieten, das fernab von Lärm und Verkehr ist», sagt Wehrli.

Die Acht Grad Ost AG, vormals SWR Geomatik AG, ist in Schlieren beheimatet und in neun Limmattaler Gemeinden für die amtliche Vermessung zuständig. Die 13 Lernenden, die an den Standorten Schlieren, Kloten und Altdorf arbeiten, dürfen sich während dreier Arbeitswochen intensiver mit einer Messmethode auseinandersetzen. Einen Tag davon haben sie im Park verbracht, um ihre Daten zu erheben. Jetzt geht es an deren Auswertung. Das vermessene Einhorn indessen wird dank 3-D-Druckern möglicherweise als Schlüsselanhänger Berühmtheit erlangen.