In einem Alter, in dem sich die Karriere vieler Sänger und Sängerinnen für gewöhnlich eher dem Ende zuneigt und viele sich von grossen Bühnenauftritten verabschieden, hat der in Dietikon wohnhafte Hans Michael Sablotny mit der Ausbildung zum Tenor gerade erst begonnen. Er war damals über dreissig Jahre alt, als ihn eine Bekannte aus der Nachbarschaft nach einem spontanen Auftritt an einem Karaoke-Abend mit Freunden zu einer professionellen Gesangsausbildung überredete. Wie steinig das Leben als freischaffender Sänger manchmal sein kann, davon kann der gelernte Maler aus Köln ein Lied singen. Bei einem Treffen in seiner Stammbeiz «Tomate» in Dietikon erzählt er mit Humor von seiner Leidenschaft und seinem vielseitigen Talent, das ihn auf die Bretter führte, die die Welt bedeuten.

Es sei wichtig, sich selber nicht zu ernst zu nehmen, aber ernsthaft bei der Sache zu sein, sagt er über die Gratwanderung in seinem «manchmal brotlosen» Job. Die Sicherung des eigenen Lebensunterhalts sei ihm ebenso wichtig wie die Möglichkeit, auf diesem Weg seine eigenen Wünsche zu erfüllen. Die Anerkennung nach einem Auftritt entschädige zwar für vieles, aber von Luft, Liebe und Applaus könne man nun mal schlecht leben, scherzt er und findet dann klare Worte: Die aktuelle Situation für Sänger und Schauspieler sei katastrophal. Man könne sich ausrechnen, wie viele grossartige Talente um die wenigen vakanten Festanstellungen – etwa in Theatern und Opernhäusern – kämpfen. Und auch Agenturen, die unzählige Musiker und Sänger verzeichnen, bringen dem einzelnen Künstler sehr wenig.

Wegen Schluckauf verhindert

Sablotny hat in seinem Beruf schon viele chaotische bis lustige Situationen erlebt: «Wenn du mit Pamina aus dem Stück ‹Die Zauberflöte› mit verbundenen Augen auftreten sollst und sie aufgrund eines Schluckaufs am Bühnenrand nicht neben mir auftaucht, dann ist das schon erst mal ein Problem», sagt er lachend. Bei einem Film sei dies wesentlich einfacher: Werden Böcke geschossen, wird einfach nochmals gedreht. «Auf der Bühne geht das natürlich nicht und wir sind Menschen auf der Bühne, da kann man so gut proben, wie man will». So musste Sablotny bei einer Probe auch schon vier Rollen gleichzeitig übernehmen, weil alle Protagonisten krankheitshalber abwesend waren.

Während er über sein Leben erzählt, schlägt er zwischendurch seine gekonnten hohen Töne an und gibt mit bewusster Variation in seiner Stimme bereits eine kleine Kostprobe seines bemerkenswerten Repertoires, das von Klassik über Jazz bis zu Pop reicht. Seine Engagements in der Schweiz, Deutschland und Österreich sind dabei so vielfältig, wie sein Können es ihm erlaubt. Auftritte in der Region seien bis jetzt zwar eher selten gewesen, sagt er. Aber in letzter Zeit sei in Dietikon viel mehr los und so gebe es immer mehr Plattformen, die auch von regionalen Künstlern genutzt werden können. Zu verdanken sie dies auch der Kulturkommission Dietikon, fügt er an. Es sei auch immer wieder spannend, zu erfahren, welche Künstler in der Region leben – er schätze den Austausch sehr.

Eines ist für Sablotny auf seinem spannenden Lebensweg klar: «Ohne den eigenen Willen und die eigene Überzeugung, diesen Weg als Sänger zu gehen, ist es sehr schwer. Aber das, was einem wirklich hilft, ist die Unterstützung der Menschen, die einem am nächsten sind – die müssen manchmal leider mehr aushalten, als man selbst», sagt er. Und ab und zu gehöre auch einfach Glück dazu. Er selbst hätte zu Beginn seiner Karriere niemals geglaubt, einmal als Solist im Musiktheater- oder Kirchenmusikbereich mitzuwirken oder gar mit Gesang sein Geld zu verdienen. «Ich glaube, dass viele, die zu meinen unterschiedlichen Auftritten kommen, zunächst die Neugier bewegt – sie wollen einfach wissen, was der Sablotny da schon wieder macht», sagt er und grinst.