Bergdietikon
Wie ein neuer Lebensraum entsteht

Der Kanton Aargau und Limmattaler Bauern haben die Natur für die Erholungsnutzung aufgewertet.

Florian Schmitz
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Eine Delegation des Pilotprojekts «Landschaftsqualität Limmattal» lud zur Flurbegehung in Bergdietikon ein, um die ersten Resultate zu begutachten. FLO

Eine Delegation des Pilotprojekts «Landschaftsqualität Limmattal» lud zur Flurbegehung in Bergdietikon ein, um die ersten Resultate zu begutachten. FLO

Als der Bus zehn Minuten vor dem Empfang in Kindhausen ankommt, hat sich bereits ein stattliches Grüppchen zusammengefunden. Der Bergdietiker Gemeinderat und Vizeammann Urs Vogel (SVP) heisst daraufhin alle Interessierten willkommen und übergibt das Wort an Andreas Bosshard vom Büro für Ökologie und Landschaft. Gemeinsam mit einer kleinen Delegation des Kantons Aargau und zwei Landwirten ist er hier, um der Bevölkerung zu demonstrieren, wie die Landschaft in der Region während der letzten zwei Jahre aufgewertet wurde. Dann marschiert die Truppe los in Richtung Wald.

Die Gemeinden Bergdietikon, Neuenhof, Killwangen, Spreitenbach, Wettingen und Würenlos wurden vom Bund als Beispiele für eine dicht besiedelte Landschaft des Mittellandes ausgewählt, um am Pilotprojekt «Landschaftsqualität Limmattal» teilzunehmen. In den vergangenen zwei Jahren schloss sich der Kanton Aargau mit den Landwirtschaftsbetrieben und einer Begleitgruppe aus der Region zusammen, um Kulturland und Erholungsgebiete innerhalb der dicht besiedelten Agglomeration besser zu vereinen und die Landschaft aufzuwerten. Für die Mühen auf ihrem Land werden die Bauern finanziell entschädigt. «Zu Beginn dachten wir, die Bauern hätten kein Interesse an dem Projekt», erzählt Urs Vogel. Doch schnell engagierten sich über zwei Drittel der gut 60 Betriebe aus der Region.

Gemeinsam wurden praktische und leicht umsetzbare Massnahmen zur Landschaftsverbesserung ausgearbeitet: neue Blumenstreifen am Wegrand, Baumpflanzungen, Neuansaaten oder Sitzbänke. «Statt vom Schreibtisch aus zu planen, sind wir zusammen mit den Bauern raus ins Feld gegangen und haben uns vor Ort überlegt, wo welche Verbesserungen Sinn machen», erklärt Bosshard. Dabei sollten nicht nur die menschlichen Anwohner von den Aufwertungen profitieren, auch für Tiere sollte Lebensraum geschaffen werden.

Am Wegrand fällt nun ein bewusst gestalteter Steinhaufen auf. Anita Weibel von der Naturschutzgruppe Bergdietikon beschreibt die Reptilienburg als gemütliche Sonnenterrasse mit guten Versteckmöglichkeiten für Eidechsen. Auch Asthaufen, gestapeltes Holz und ungemähte Wiesenstreifen bieten Vögeln, Insekten und Kleintieren neuen Lebensraum. Vor allem in grossen Weiden seien solche Schutzräume wichtig für eine hohe Biodiversität.

Die Grillen zirpen, die Frösche springen vergnügt umher

Weiter geht es zu einer neuen Holzbank, die von einem Bergdietiker gefertigt wurde. Die Aussicht ist bereits jetzt einladend, doch bis der frisch gepflanzte Baum daneben Schatten spendet, wird noch viel Zeit vergehen. «Viele Neuansaaten werden erst in einigen Jahren richtig sichtbar sein», sagt Sebastian Meyer von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau. Doch bereits jetzt sind einige kleine Details erkennbar und auf dem Spaziergang springt immer wieder ins Auge, wie lebendig die Natur ist. Im hohen Gras zirpen die Grillen, bei den neu angelegten Weihern springen die Frösche vergnügt umher. Landwirt Ruedi Vogel erinnert sich: «Weiter hinten haben wir früher noch Eishockey gespielt.»

Bis 2017 wird das Projekt «Landschaftsqualität Limmattal» weiter beaufsichtigt; dann wird eine finale Bewertung vorgenommen. Die Zwischenbilanz fällt laut Bosshard aber bereits positiv aus: «Die Zusammenarbeit lief sehr gut und wir haben unsere Ziele schon jetzt übertroffen.» Beim abschliessenden Apéro überzeugt auch das letzte Argument: Die vielfältigen Öko-Wiesen werden als Futter für die Rinder von Martin Eichenberger genutzt. Beim Probieren der leckeren Mostbröckli festigt sich die Überzeugung, dass die gute Ernährung auch ihren Teil dazu beiträgt.