Dietikon
Wie ein Handwerker zum Drogendealer wurde: Die Miete liess er sich mit Kokain bezahlen

Wie ein Handwerker mit eigenem Betrieb nach einer «tiefen Lebenskrise» zum Drogenhändler wurde und hinter Gitter endete.

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Schuldig des qualifizierten Handels mit und des Konsums von Betäubungsmitteln hatte er den Strafantrag des Staatsanwaltes akzeptiert.

Schuldig des qualifizierten Handels mit und des Konsums von Betäubungsmitteln hatte er den Strafantrag des Staatsanwaltes akzeptiert.

Keystone

41-jährig, das kurz geschnittene Haar schon stark ergraut, modische Brille, schwarzes Hemd mit feinen weissen Streifen, Jeans, sportliche hohe Schuhe: Rund drei Monate hatte dieser flotte Kerl hinter Gittern verbracht. Sieben weitere Monate stehen ihm noch bevor. Darüber hinaus hängt das Damoklesschwert von 26 weiteren Monaten – bedingt erlassen mit einer zweijährigen Probezeit – über ihm.

Schuldig des qualifizierten Handels mit und des Konsums von Betäubungsmitteln hatte er den Strafantrag des Staatsanwaltes akzeptiert. Gestern hat – in einem sogenannten abgekürzten Verfahren – das Gericht unter Vorsitz von Stephan Aeschbacher den Vorschlag des Anklägers überprüft und zum Urteil erhoben.

Die bisher 106 Tage in Haft habe er körperlich gut überstanden, erklärte der 41-Jährige. «Aber geschäftlich hat es mir extrem geschadet.» Als selbstständiger Automechaniker hätten ihm nur einige wenige der vielen langjährigen Kunden die Treue gehalten. Für seinen Lebensunterhalt hatte er aus seinem Betrieb monatlich rund 5000 Franken erwirtschaftet. Die 600 000 Franken, die er in seiner Steuererklärung als Vermögen auswies, resultierten hauptsächlich aus seiner Liegenschaft, aus der er monatlich brutto rund 3600 Franken Mietzins einnimmt.

Wie kommt ein flotter Kerl mit gesicherter Existenz dazu, mit 37 Jahren zum Drogenhändler zu werden? Er habe nicht geahnt, dass einer seiner Mieter Grossdealer war. Als Schuldner habe der ihm eines Tages – statt den geschuldeten Betrag zurückzuzahlen – ein Säckli Koks in die Hand gedrückt.

Wies weiterging, ist in der Anklageschrift zu lesen: Innerhalb von zweieinhalb Jahren hatte der Vermieter vom Mieter 440 Gramm Kokaingemisch bezogen und 380 Gramm davon ohne namhaften Gewinn weiterverkauft: die restlichen 60 Gramm hatte der der Vermieter selber konsumiert, ebenso Marihuana und Haschisch.

Nach der Verhaftung des Automechanikers hatten zwei polizeiliche Hausdurchsuchungen an dessen Wohnort in Dietikon Kokaingemisch, entsprechend knapp 100 Gramm reinem Kokain, sowie gut drei Kilogramm Cannabis entdeckt. Ferner wurden in einem Hohlraum unter einer Betonbodenplatte, abgedeckt mit einer Metallplatte, rund sieben Kilogramm Marihuana, 3065 Ecstasy-Tabletten sowie gut zwei Kilogramm MDMA-Pulver sichergestellt.

Der Verhaftete legte schliesslich ein umfassendes Geständnis ab. Er habe in einer tiefen Lebenskrise gesteckt: Die Partnerin mit den zwei gemeinsamen Kindern und einem Stiefsohn habe ihn verlassen gehabt. Die 1800 Franken Alimente zahle er selbstverständlich pünktlich. Die Kinder sehe er glücklicherweise regelmässig und das Verhältnis zur Ex sei freundschaftlich. Was er getan habe, tue ihm sehr leid; dies sei die dunkelste Phase seines Lebens gewesen. «Wir werden ganz sicher nie mehr hier zusammenhocken so wie jetzt», versichert der Verurteilte dem Richtergremium.

Dieses erhob den Antrag zum Urteil: «Die Strafzumessung für qualifizierte Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz reicht von einem bis 20 Jahre», so Präsident Aeschbacher. Die 36 Monate teilbedingt plus 1000 Franken Busse seien in diesem Fall angemessen, habe der Kokainhandel doch den Kilogramm-Bereich nicht erreicht gehabt und die Gewinnmarge sei gering gewesen. «Umso schwungvoller war der Handel mit Cannabis.»

Da bei einer teilbedingten Strafe von bis zu 36 Monaten der unbedingte Teil in Halbhaft verbüsst werden kann – tagsüber bei der Arbeit, nach Feierabend im Gefängnis –, machte Aeschbacher dem Verurteilten Mut, dass er innert absehbarer Zeit wieder ein geregeltes Leben führen kann – so wie er es bis 2015 gelebt hatte.