Dietikon
Wie die Schulstunden-Jongleure die neuen Einsatzpläne heraustüfteln

Kein Französisch direkt nach Englisch, Turnen nur am Dienstagnachmittag, weil nur noch dann die Halle frei ist – Priska von Arx und Kaspar Lauffer knobeln jedes Jahr über 180 Stunden lang an den neuen Stundenplänen.

Katja Landolt
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Priska von Arx und Kaspar Lauffer erledigen einen Teil der Stundenplanung noch auf altherkömmliche Art: an der Wandtafel.

Priska von Arx und Kaspar Lauffer erledigen einen Teil der Stundenplanung noch auf altherkömmliche Art: an der Wandtafel.

.Katja Landolt

76 Lehrpersonen, 29 Schulklassen, 5 Kindergärten, 4 Küchen und 2 Turnhallen, verteilt auf höchstens 9 Lektionen pro Tag, auf 5 Tage die Woche – damit müssen sich die Stundenplaner der Dietiker Schuleinheit Zentral, Priska von Arx und Kaspar Lauffer, arrangieren. Gemeinsam brüten die beiden derzeit in jeder freien Minute über den Stundenplänen für das nächste Schuljahr.

Gerade stehen von Arx und Lauffer vor der Wandtafel. Mit Kreide ist ein Stundenplan aufgezeichnet, im Raster hängen bunte Zettelchen. Darauf stehen Fächer wie «Handarbeit textil», «Accessoires» oder «Informatik», darunter die Namen der Lehrer. Einen Teil der Planung erledigen die beiden nach altherkömmlicher Art und studieren die Zimmerbelegung und Stundenverteilung vor der Wandtafel. Die Hauptarbeit aber geschieht am Computer.

Egal, ob Computer oder Wandtafel – für den Laien sieht die Planerei nach Chaos aus. Aber für von Arx und Lauffer ist die Sache sonnenklar. Kein Wunder, von Arx plant seit neun Jahren, Lauffer seit acht. «Unser Wissen nützt uns mehr als jeder Computer», sagt von Arx. Dieser sei aber sehr wichtig, um allfällige Doppelbuchungen auszumerzen. «Ist ein Zimmer doppelt belegt oder ein Lehrer zeitgleich eingetragen, reklamiert das Programm.»

Die Stundenplanerei ist ein nervenaufreibender Job: Zu den fixen Vorgaben kommen die steigende Zahl Teilzeit arbeitender Lehrpersonen, die vielen Wahl- oder Freifächer und der Schwimmunterricht, der mit drei weiteren Schuleinheiten koordiniert werden muss. «Das Haupt-Nadelöhr sind aber die Turnhallen, wir haben mehr Klassen als Platz», sagt von Arx; die beiden Hallen sind komplett ausgebucht. Dazu kommt, dass die Mädchen und Buben auf der Oberstufe nicht gemeinsam turnen sollten. Weitere Knacknüsse seien die Belegung von Singsaal, Werkraum und Küche.

Mit diesen Knacknüssen fangen von Arx und Lauffer denn auch an; die anderen Stunden werden darum herum platziert. Erst werden die Wünsche der Lehrer mit Teilpensen berücksichtigt, zum Schluss die der «Vollzeitler». «Wir müssen jeweils aufpassen, dass die Vollzeitler nicht schlechter behandelt werden als die Teilzeitler», sagt von Arx. Die Teilzeitler würden gerne ihre Lektionen auf wenige Tage komprimieren, was wiederum den Vollzeitlern nicht passt. «Wir können glücklicherweise auf den grossen Rückhalt der Schulleitung und der Lehrerkollegen zählen», sagt von Arx. Die Kollegen würden darauf vertrauen, dass die beiden Planer ihre Sache gut machen. «Sie sind kulant und froh, dass wir das Planen übernehmen.»

Die Stundenplaner beginnen mit ihrer Arbeit vor Weihnachten. «Im Dezember verteilen wir die Umfragen an die Lehrpersonen, in denen sie die Pensenwünsche oder Weiterbildungen melden können», sagt Lauffer. Ab Januar können die Schüler ihre Wahl- und Freifächer angeben.Die Monate März und April sind die heisse Phase; jetzt geht es um die Wurst. Jedes Wochenende wird gearbeitet, jede Zwischenstunde und mancher Feierabend gehen für die Planerei drauf. Rund 180 Stunden haben die beiden aufs Jahr gerechnet zur Verfügung. Doch das reicht hinten und vorne nicht. «Dieser Job braucht viel Goodwill», sagt Lauffer. Und von Arx ergänzt: «Nach stundenlangem Planen sehe ich manchmal nur noch Raster.» Auch die eine oder andere bissige Bemerkung falle jeweils, wenn die Nerven besonders blank lägen. Aber das gehöre dazu, sei nicht weiter schlimm und schnell wieder vergessen. «Wir vertrauen uns gegenseitig völlig und harmonieren gut», sagt von Arx.

Warum tun sie sich diesen Krampf an? «Das fragen wir uns manchmal auch», sagen die beiden, schauen sich an und lachen. Dann winkt Lauffer ab: «Ich mache das gern; Knobelaufgaben finde ich total spannend, mir liegt das.» Von Arx freut sich auf die Zeit danach: «Dann gönnen wir uns jeweils mit unseren Partnern zu viert einen schönen Kinoabend mit allem Drum und Dran.»