Reisebericht

Wie die Reise zweier Limmattaler weitergeht, steht in den Sternen

Romy Müller und Miro Slezak

Romy Müller und Miro Slezak

Die Limmattaler Romy Müller und Miro Slezak brauchen im indischen Ladakh starke Nerven - und werden belohnt. Atemberaubende Landschaften und gefährliche Abhänge. Lesen Sie, was die beiden Abenteurer erlebt haben.

Als Shangri-La, das Paradies, wird Ladakh oft bezeichnet. Doch schon beim Zoji-Pass, dem Tor zur Provinz Ladakh, stellen wir fest, dass dies wohl hauptsächlich eine romantische Vorstellung von uns Touristen ist. Für die Bewohner «des Landes der hohen Pässe», was Ladakh übersetzt heisst, ist das Leben hart und beschwerlich.

Stundenlang blockiert uns ein Erdrutsch. Auf der Passhöhe hat das indische Militär eine schmale Schneise in den Schnee gebaggert. Links und rechts des Durchganges erheben sich die Schneewände fünf bis sechs Meter hoch. Auf einer der spektakulärsten Bergstrassen des Himalayas geht es in atemberaubenden Serpentinen hinunter. Diese Strecke ist definitiv nichts für Reisende mit schwachen Nerven.

Auf der einen Seite der schmalen, löchrigen Schotterpiste geht es mehrere Hundert Meter in die Tiefe, auf der anderen Seite ragen die Felswände nicht weniger hoch in den Himmel. Es gibt nur wenige Ausweichstellen. Da wir auf der dem Abgrund zugewandten Seite fahren müssen, wird das Kreuzen jedes entgegenkommenden Fahrzeuges zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit, die uns trotz der Kälte hier oben den Schweiss aus den Poren treibt.

So wenig Regen wie in der Sahara

Weiter unten in 3000 Metern Höhe treffen wir auf die ersten kleinen Felder. Dem mageren Boden, der während acht Monaten im Jahr steinhart gefroren ist - die Temperaturen fallen bis minus 40 Grad - und die restlichen vier Monate der sengenden Sonne ausgesetzt ist, können die Menschen nur das Allernötigste abringen. Die Hochgebirgssteppen Ladakhs zählen zu den der trockensten Gebieten der Erde. Jährlich fallen nur 120 Millimeter Niederschläge, das ist ungefähr so viel wie in der Sahara. Nur dank des Schmelzwassers, das in Kanälen auf die Felder geleitet wird, ist eine einzige Ernte Gerste möglich. Das geröstete Gerstenmehl, zusammen mit Buttertee, bildet die Hauptnahrung der Bewohner.

Und doch hat Ladakh etwas Paradiesisches. Die Landschaft ist atemberaubend schön, vor allem die Strecke nach Zanskar. Erst seit 1978 gibt es eine Strasse. Aber auch heute noch ist die Gegend von Oktober bis Juni von der Aussenwelt abgeschnitten. Dann führt der einzige Zugang in einem siebentägigen Fussmarsch über den zugefroren Zanskarfluss. Wir brauchen für die 240 Kilometer nach Padum, wo die Strasse endet, volle zwei Tage. Die Rüttelpiste ist ruppig und schüttelt uns gehörig durch. Doch wir werden für die Strapazen fürstlich belohnt. Nach jeder Kurve taucht ein noch grandioseres, noch spektakuläreres Panorama auf.

Wir fahren durch das Surutal, welches genau zwischen der Zanskar- und der Himalayakette liegt. Die durchwegs mit Schnee bedeckten Berge sind bis zu 7000 Meter hoch. In der glasklaren Luft scheinen die schroffen Gipfel den tiefblauen Himmel zu berühren. Dazwischen zwängen sich Gletscher von gewaltigem Ausmass in die Tiefe. Bis 3800 Meter passieren wir einige Dörfer, die in leuchtend grünen Oasen liegen. Bald überqueren wir den ersten Pass von 4450 Metern. Ab und zu unterbrechen gut genährte Murmeltiere, über die Piste hoppelnd, die Einsamkeit. Adler ziehen ihre Kreise am Himmel und tief in der Schlucht tost ein reissender Gebirgsfluss.

Menschen begegnen wir nicht vielen auf diese Strecke. Sie sind zurückhaltend, fast scheu. Wenn wir ihnen zuwinken, breitet sich ein Lachen auf ihrem Gesicht aus und sie rufen uns den ladakhischen Gruss «Julee, Julee» zu.

Weg durch Tibet fällt weg


Um von Ladakh wieder ins Tiefland von Indien zu gelangen, werden wir die zweithöchste Gebirgsstrasse der Welt mit Pässen von über 5300 Metern überqueren. Wie es für uns von Indien nach Südostasien weiter geht, steht noch in den Sternen.

Von den ursprünglich drei Möglichkeiten, der Strecke durch Tibet, derjenigen über Myanmar, unserer favorisierten Variante, oder der Verschiffung, ist diejenige durch Tibet bereits definitiv weggefallen, weil die Chinesen zurzeit keine Einreisebewilligungen erteilen. Aber auch unsere Hoffnung, die ersten Ausländer zu sein, die mit dem eigenen Fahrzeug durch Myanmar reisen dürfen, schwindet immer mehr. Die Regierung hat uns die Durchreisebewilligung verweigert, weil die Strecke nach Thailand durch das Rebellengebiet der Karen führt. Aber noch geben wir nicht auf, suchen nach Alternativen. Der Weg ist das Ziel

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