Corona-Virus
Wie die Limmattaler Apotheken mit dem grossen Ansturm umgehen

Der nationale Notstand stellt die Limmattaler Apotheken vor grosse Herausforderungen.

Florian Schmitz
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Manche Apotheken verspüren eine Verdoppelung der Kundenzahl.

Manche Apotheken verspüren eine Verdoppelung der Kundenzahl.

Keystone

Die Auftritte des Bundesrats am Freitag und Montag haben auch viele Limmattalerinnen und Limmattaler endgültig den Ernst der Lage erkennen lassen. Apotheken und Drogerien zählen neben Lebensmittelläden wegen ihrer Grundversorgungsfunktion zu den wenigen Geschäften, die trotz Notstand weiter geöffnet haben. In der Region haben sie in den letzten Tagen einen starken Kundenanstieg verzeichnet.

«Wenn eine Verschärfung ange­kündigt wird, spüren wir das zwei ­Stunden später», sagt Thomas Döss­egger, Geschäftsführer der Löwen-­Apotheke in Dietikon. Seit Freitag sei der Andrang in der Apotheke deutlich höher als sonst im Alltag, ganz be­sonders am Samstag und Montag.

Die Apothekerinnen und Apotheker ­erhalten laut Dössegger immer noch am meisten Anfragen wegen Schutzmasken und Händedesinfektionsmitteln. Schutzmasken sind schweizweit ausverkauft und wegen der Knappheit und mangelnden Wirkung im Alltag ­raten das Bundesamt für Gesundheit und Experten dazu, dass nur ­Gesundheitspersonal und Erkrankte solche ­tragen.

Desinfektionsmittel ist aber weiterhin erhältlich bei der Löwen- und der ­City-Apotheke, die beide der Dietiker Max Ruckstuhl AG gehören und den Rotpunkt-Apotheken angeschlossen sind. Die Löwen-Apotheke gehört zu denjenigen, die wegen der Ausnahmesituation befristet bis Ende August in ihrem eigenen Labor mit erleichterten Auflagen Desinfektionsmittel herstellen. «Wir geben unser Bestes, um die Nachfrage immer erfüllen zu können», so Dössegger. Bisher sei dies gelungen, er könne aber nichts garantieren. Sollte das Desinfektionsmittel zwischendurch ausgehen, werde innert kurzer Zeit für Nachschub gesorgt. «Wir suchen laufend neue Lieferanten, um genug Alkohol und Gefässe zu erhalten, damit wir durchgehend Desinfektionsmittel herstellen können», sagt er.

Viele Medikamente für ­chronische Erkrankungen

Auch viele chronische Kranke seien in den letzten Tagen vorbeigekommen, um ihre Dauermedikationen für die nächsten Monate zu erhalten. Und die Nachfrage nach Grippemitteln habe deutlich zugenommen. Es mache sicher Sinn, ein Mittel gegen Schmerzen und zum Fiebersenken zu Hause zu haben, sagt Dössegger. Aber man solle auf keinen Fall Medikamente horten. «Es ist und bleibt am wichtigsten, dass man sich an die Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit hält», sagt er.

Die Drogerie Locher mit Standorten in Dietikon und Geroldswil erlebte ebenfalls einen Kundenandrang. «Am letzten Freitag und Samstag war es extrem. Gefühlt jeder zweite Kunde wollte ein Fieberthermometer haben, viele Schmerzmittel wurden gekauft und natürlich nach wie vor Desinfektionsmittel», sagt Jessica Locher, Geschäftsführerin der Dietiker Filiale. Auch nach Masken werde noch ab und zu gefragt. Mittlerweile sei es wieder ein bisschen ruhiger geworden. «Viele Kunden sind nicht sicher, ob wir als Drogerie noch geöffnet haben», sagt sie.

Bereits über 1000 Liter selbst produziertes Desinfektionsmittel habe man in den letzten Wochen verkauft. «Bis anhin konnten wir die Nachfrage gut abdecken, jedoch fehlt es zurzeit an passenden Flaschen und Rohstoffen. In den kommenden Tagen erwarten wir Nachschub», sagt Locher. Deshalb sei der Verkauf von Desinfektionsmittel derzeit auf eine Flasche pro Person beschränkt und man biete Kunden an, ihre mitgebrachten Flaschen wieder aufzufüllen. Um den Mehraufwand zu bewältigen, kann die Drogerie auf die Unterstützung ihrer Lernenden zählen, weil die Berufsschule ausfällt.

Auch online nehmen Bestellungen zu

Die Amavita-Apotheke im Oberengstringer Zentrum habe von Freitag bis Montag fast eine Verdopplung der Kundenfrequenz verzeichnet, sagt ein Mediensprecher der Mutterfirma Galenica auf Anfrage. In der Apotheke wird ebenfalls eigenes Desinfektionsmittel hergestellt, um die hohe Nachfrage abdecken zu können. Die Dropa-Apotheken, die im Urdorfer Spitzacker eine ­Filiale betreiben, beantworten wegen der angespannten Lage keine Presseanfragen. «Wir konzentrieren uns momentan mit aller Kraft auf unsere Mitarbeitenden und unsere Kunden», schreibt ein Mediensprecher.

Schweizweit steigen derzeit Online-Bestellungen stark an. Das kriegen auch Apotheken zu spüren, wie eine Anfrage bei der auf den Onlinehandel fokussierten Apotheke Zur Rose zeigt: «Die Nachfrage nach rezeptpflichtigen und nicht rezeptpflichtigen Medikamenten sowie Gesundheitsprodukten hat deutlich zugenommen.»