Geroldwil
Wie die Jugendfeuerwehr eine herausfordernde Übung meistert

Ein Brand, mehrere eingeschlossene Personen und ein verunfallter Gaffer: Junge Feuerwehrleute zeigen ihr Können in Geroldswil.

Oliver Graf
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Der Brand in der Attikawohnung Warten auf den Rauch: Bevor die Übung startet, wird in einer Abbruchliegenschaft an der Limmattalstrasse in Geroldswil ein Feuer entfacht.
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Zum Einsatz Mitglieder der Atemschutzgruppe der Jugendfeuerwehr eilen schwerbeladen das Treppenhaus hoch.
Einsatzübung der Jugendfeuerwehr Bezirk Dietikon
Die Rettung Die jungen Feuerwehrleute retten aus der Attikawohnung eine Person in einem Rollstuhl.
Der Gaffer Abseits des Brandes beschäftigt ein verunfallter Autofahrer die jungen Feuerwehrleute.
Die Einsatzgeräte Nach der Ausbildung sind die Mitglieder der Jugendfeuerwehr vollwertige Feuerwehrleute: Sie üben denn auch mit den Fahrzeugen und Hilfsmitteln der «Grossen».
Die Übungspuppe Vor Beginn der Übung wartet die zu rettende «Person» bereits auf Hilfe.
Die Reinigung Bevor die Schläuche wieder aufgerollt werden können, müssen sie nach der Übung zunächst noch gereinigt werden.

Der Brand in der Attikawohnung Warten auf den Rauch: Bevor die Übung startet, wird in einer Abbruchliegenschaft an der Limmattalstrasse in Geroldswil ein Feuer entfacht.

Limmattaler Zeitung

Am Ende der Einsatzübung ist Ausbildungschef Michal Felt zufrieden: «Herzlichen Dank für Euren tollen Einsatz, Ihr habt Gas gegeben.» Nur gerade 45 Minuten vorher waren die rund 30 Mitglieder der Jugendfeuerwehr es Bezirks Dietikon am Schadenplatz eingetroffen.

Das Übungsszenario, auf das die 13- bis 17-jährigen Feuerwehrleute an der Limmattalstrasse in Geroldswil trafen, hatte es in sich: Brand in einer Attikawohnung, mehrere eingeschlossene Personen im Mehrfamilienhaus sowie ein Autofahrer, der beim Gaffen in einen Hydranten gefahren war.

Motorspritze, Tanklöschfahrzeug und Wärmebildkamera

Rasch besammelten sich die fünf verschiedenen Klassen der Jugendfeuerwehr. Nachdem die Rettungsbefehle ausgegeben waren, brachte eine Gruppe gleich die Motorspritze in Stellung, um genügend Wasser bereitzustellen, eine andere legte die Leitung zum Tanklöschfahrzeug. Und nach wenigen Minuten drang eine Atemschutzgruppe in die Attikawohnung vor, in der die Sicht im dichten weissen Rauch einer Rauchmaschine und eines im Cheminée lodernden Feuers keine zehn Zentimeter betrug. Mit Hilfe der technischen Hilfsgeräte der Feuerwehr – etwa einer Wärmebildkamera – stiessen die jungen Feuerwehrleute rasch auf eine Person in einem Rollstuhl und retteten sie über den Balkon. Kurz darauf trafen weitere Atemschützler mit der schweren Sauerstoffflasche auf dem Rücken in der Wohnung ein; zunächst mit dem grossen Feuerwehrschlauch, danach mit einer feineren Eimerspritze löschten sie die Flammen.

Am Samstag hätte eigentlich der Wettkampf der Zürcher Jugendfeuerwehren in Dielsdorf stattfinden sollen. Er musste aber wegen den Coronawirren abgesagt werden. Da die Jugendfeuerwehr Bezirk Dietikon in diesem verrückten Jahr von April bis Juni drei ihrer acht geplanten Übungen nicht durchführen konnte, wurde nun eine zusätzliche Übung eingeschoben.

Am Ende sind sie vollwertige Feuerwehrleute

Denn die Jugendfeuerwehr soll zwar Spass machen. Aber sie bereitet die Jugendlichen auch vor: Die Ausbildung ist über mehrere Jahre so ausgelegt, dass jeder beim Übertritt in die ordentliche Feuerwehr von Beginn an ein vollwertiger Feuerwehrsoldat, eine vollwertige Feuerwehrsoldatin ist. Weitere Kurse sind für den Eintritt nicht mehr erforderlich, da auch der fünftägige Soldatengrundkurs während der Zeit in der Jugendfeuerwehr absolviert wird. «Es ist deshalb wichtig, dass die Jugendfeuerwehr regelmässig zusammenkommen kann», sagt Michal Felt. Ansonsten gehe das Wissen verloren und die Handgriffe würden nicht mehr richtig sitzen.

Auch wenn die Bilanz der Einsatzübung am Samstag positiv ausfiel, ein paar Kritikpunkte fand Felt dennoch. Das ist aber nicht weiter schlimm: «Wir üben, um zu lernen und uns zu verbessern.» So begab sich etwa eine Atemschutzgruppe in die Wohnung, ohne mit einer Wasserleitung gesichert zu sein. «Die Rettung einer Person hat immer Priorität», sagte Felt. «Aber oberste Priorität hat der Eigenschutz.» Zudem barst während der Übung ein Schlauch. Nach einer kurzen Pause übten die jungen Feuerwehrleute deshalb noch einmal, wie eine Leitung rasch und sauber gelegt wird.