Nachdem die Kirchenglocken den dritten Advent eingeläutet hatten, erklangen in der alten reformieren Kirche von Schlieren sanfte Lautenklänge des Komponisten Silvius Leopold Weiss. Fein gezupft hatte sie Reymond Huguenin Dumittan. Der Urdorfer Musiker gehört zum Ensemble «Perle Baroque» mit Claire Genewein (Traversflöte), Simone Flück (Violine), Martin Zeller (Gambe), Naoko Matsumoto (Cembalo).

Der deutsche Komponist Weiss war der bedeutendste Lautenvirtuose. Die fröhliche Triosonate von Carl Philipp Emanuel Bach, dem zweitältesten Bachsohn, erwärmt vor der Pause die Herzen der rund achtzig Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Triosonate in G-Dur und das Duo für Flöte und Violine lassen sich am ehesten dem galanten Stil zuordnen. Und auch das Gewitter «Jupiter» mit Blitz und Donner des Franzosen Antoine Forqueray war ganz auf den exzellenten Dietiker Gambisten Martin Zeller zugeschnitten, sind diese Stücke doch etwas vom Schwierigsten, was man für Gambe komponierte.

Höhepunkt des Barockabends war dann die Triosonate in c-Moll von Carl Philipp Emanuel Bach, der heuer seinen 300. Geburtstag feiern könnte. Bei dieser Sonate für Traversflöte, Violine und Basso continuo handelt es sich um das einzige Stück Programmmusik in der ganzen Geschichte der Triosonate, nämlich der Darstellung eines Wettstreits zweier Temperamente.

So wird der melodisch-flüssige «galante» Stil der Zeit durch abrupte Stimmungsumschwünge aufgebrochen. Exzentrische, sperrige und kantable Linien wechseln einander ab, gut hörbar eben in dieser Triosonate «Gespräch zwischen einem Sanguineo und Melancholico». Der Sanguiniker versucht, den Melancholiker auf seine Seite zu ziehen, was ihm am Ende des zweiten Satzes gelingt. Im dritten Satz finden schliesslich beide zu einheitlichem Musizieren mit gemeinsamen Gedanken. Die Geigerin Simone Flück und die Traversflötistin Claire Genewein spielten dabei voll aus der Seele – so ganz im Sinne von Carl Philipp Emanuel Bach.

Das Ensemble «Perle Baroque» tritt mit seinem Programm am nächsten Sonntag, dem 21. Dezember, auch in der katholischen Kirche Urdorf auf (17 Uhr) Der Eintritt ist frei. (Mu)