«Wir haben den Kurs damals ins Leben gerufen, um zwischen Hundehaltern und Nichthaltern sowie den Bauern Verständnis zu fördern», erklärt Martin Büchi, Bereichsleiter Verwaltung, Sicherheit und Gesundheit, die Überlegungen der Gemeinde. Anstelle von Repression wie Bussen oder Strafen habe man Zeichen setzen wollen. Deshalb habe man einen Kurs zum Familienhund angeboten. Begleiten worden war die Einführung der Kurse von einer öffentlichen Informationsveranstaltung. «Wir konnten so das Verständnis zwischen Hundehaltern und Nichthaltern fördern. In Urdorf sind keine massgeblichen Probleme mit Hundehaltern feststellbar», urteilt Büchi, «sondern gegenseitiges Verständnis.» Die Gemeinde subventioniert den 90Franken teuren Kurs mit 50Franken pro Hund, womit dem Hundehalter noch 40Franken an Kurskosten verbleiben.

Podiumsgespräch im April 2011

Der Kurs wird auch nächstes Jahr wieder angeboten. «Solange das Interesse besteht, tun wir das. Die Zielsetzungen sind anders als bei den gesetzlichen Kursen. Das gibt uns mehr Gestaltungsspielraum.» Die Gemeinde wird zudem erneut ein Podiumsgespräch mit Fachpersonen anbieten. Dieses wird am 7.April durchgeführt und richtet sich wiederum an Hundehalter sowie auch Nichthalter.

Leiterin der Hundekurse ist die Urdorferin Regula Ungricht. Sie ist tierpsychologische Beraterin IET, spezialisiert auf Hunde, Hundeinstruktorin mit Zusatzausbildung im Welpenbereich, SKN (Sachkundenachweis)-Ausbildnerin, also berechtigt für den offiziellen eidgenössischen Hundekurs, sowie Inhaberin einer Hundeschule. «Wir lernen zuerst den Grundgehorsam aufzubauen, trainieren, die Hunde an der Leine laufen zu lassen, sie aus dem Freilauf abzurufen sowie Kommandos wie ‹sitz!› oder ‹platz!›, also die gängigen Kommandos.» Die Ausbildung sei spielerisch und nicht sporthundemässig. Auch das Gesellschaftliche sei wichtig. Die Hundehalter sollten sich am Kurs kennen lernen. Man habe Halter unter den Kursteilnehmern, die ansonsten nie an Kurse gehen würden, bestätigt Regula Ungricht.

Die Idee für die Hundekurse kam einst von Ruedi Gutknecht, langjähriger Chefabwart der Urdorfer Schulhäuser und als Militär- und Katastrophenhundeführer ein absoluter Hundefachmann. «Es lief damals eine Kampagne wegen Beissunfällen. Die einen wollten Leinenzwang, die anderen Rassehundeverbote. «Da bin ich mit der Idee an die Gemeinde gelangt, die Hundehalter auszubilden. Der Kurs musste unter der Ägide der Gemeinde laufen, damit die Leute wissen, dass kein Hundeklub dahinter steckt. Viele Leute wollen dort nicht Mitglied werden.» Regula Ungricht ergänzt, dass der Austragungsort Tyslimatt ebenso wichtig sei, weil die Leute wüssten, dass dies kein offizieller Hundeausbildungsplatz eines Vereins ist. Man sei überrascht gewesen übers Echo, nicht nur von der Teilnehmerzahl her, sondern auch von der Beachtung, welcher der Kurs fand. Es hätten sogar andere Gemeinden angefragt, ob man den Kurs auch bei ihnen durchführe, sagt Gutknecht.

Ausbildung anders als früher

Von einem besonderen Erlebnis weiss Ruedi Gutknecht zu berichten. Es sei innerhalb der zehn Kursjahre lediglich ein einziges Mal zu einer Rauferei zwischen zwei Hunden gekommen, danach nie mehr: «Das ist eindrücklich.»

Mit ein Grund für diese positiven Zeichen sei der Umstand, dass man heute Hunde allgemein anders ausbildet als früher, als man noch den Wehr- oder Beutetrieb geschult hatte, so Gutknecht.

Regula Ungricht erklärt es am Kommando «sitz!» Früher habe man an der Leine gezogen und den Hintern des Hundes runtergedrückt. «Neu arbeiten wir über positive Bestätigung. Man hält ein Biskuit über den Kopf, sodass der Hund nach unten ausweicht und automatisch absitzt. In dem Moment sagt man ‹sitz!›. Alles ohne Zwang! Schon in der Welpenausbildung legt man Wert auf positive Bestätigung.» Für Ruedi Gutknecht bewahrheitet sich ohnehin ein alter Leitspruch über das Duo Hund/Herrchen: «Wie der Meister, so der Hund.»