Während seines Studiums sei ihm dauernd eingetrichtert worden, dass Verdichtung und ein haushälterischer Umgang mit Siedlungsflächen das Hauptthema in der Raumplanung sei, sagte Beat Suter.

Der Raumplaner und Geschäftsführer der Firma Metron sprach am Mittwochabend anlässlich der Delegiertenversammlung der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) in Dietikon. Er räumte jedoch ein, dass er nach Abschluss seines Studiums 1984 bald gemerkt habe, dass die Realität oft anders aussehe: Die Gemeinden hätten tendenziell eher Expansionen angestrebt.

Von «pubertär» bis «gereift»

In seinem Referat zum Thema Innenentwicklung versuchte Suter aufzuzeigen, wie eine optimale Siedlungsplanung sowohl auf mehr Dichte als auch auf mehr Qualität setzen kann. Gerade für Boomregionen wie das Limmattal ist das Thema zentral.

Suter unterschied mit Bezug auf die Dichte einer Region drei Kategorien: Rund 60 Prozent der Flächen im Mittelland nannte er «halbwüchsigen oder pubertären Siedlungsraum» – da dieser mit 20 bis 40 Einwohnern pro Hektare noch stark entwicklungsfähig ist.

Regionen mit etwa 80 Einwohnern pro Hektaren gelten als verdichtet und sind laut Suter bereits in die Wechseljahre gekommen: Sie entwickeln sich vom Dorf zur Stadt. Suter zählt grosse Teile der Region dazu. Lebensräume mit mehr als 100 Einwohnern pro Hektaren schliesslich gelten als «gereifte städtische Lebensräume»: Dort zeige sich eine «gefragte Urbanität».

Lösungen für den Zwischenraum

Die Frage ist bloss: Wie kommt man vom einen zum anderen? «Uns interessiert beim Verdichten vor allem das, was zwischen Dorf und Stadt liegt», sagte Suter. «Wir suchen in diesem Zwischenraum nach Lösungen.»

Er betonte, dass auch eine scheinbar bereits vollständig überbaute Fläche durchaus noch wandlungsfähig ist: «Städtischer Siedlungsraum ist viel dynamischer als wir meinen.» Generell sei Siedlungsraum nie fix: «Es geschehen laufend Veränderungen.»

Steuerungsinstrument ist nötig

Betrachte man ein typisches Quartier, wirke dieses zwar auf den ersten Blick so, als gäbe es kein Potenzial für Verdichtung, sagte Suter: «Es ist ja schon alles gebaut.» Jedoch würden durchschnittlich jedes Jahr 2 Prozent der Häuser saniert, was auch eine Chance für die Verdichtung sei.

Durch das Aufstocken von Gebäuden und geschickte Umbauten könne man eine Transformation einleiten, die in rund 40 Jahren ihr Potenzial entfalte. Zudem werde auch das kürzlich angenommene Raumplanungsgesetz dabei helfen, die Zersiedlung zu bremsen und die Verdichtung zu fördern.

Ein Balanceakt

Da es jedoch um eine Balance zwischen mehr Dichte und mehr Qualität gehe, brauche man zwingend ein passendes Instrument, um die Entwicklungen zu steuern, betonte Suter. Dies sei eine Herausforderung für Gemeinden, da eine blosse Überprüfung von Regeln einer qualitativen Beurteilung weichen müsse.

Dazu könnte man Verdichtungszonen definieren, gekoppelt mit Qualitätsanforderungen. Selbstverständlich sei das Ganze kein Projekt, dass von einem auf den anderen Tag umgesetzt werden könne, sagte Suter: «Es ist ein Prozess.»