Coronavirus

Wie Brauer dank Kurierdienst über eine Durststrecke kommen

Haben investiert, nun bremst sie das Coronavirus etwas aus: Doch die Darkwolf-Brauer Salome Baumann und Stephan Troxler geben nicht auf.

Haben investiert, nun bremst sie das Coronavirus etwas aus: Doch die Darkwolf-Brauer Salome Baumann und Stephan Troxler geben nicht auf.

Die Idee entstand aus der Not - doch sie hilft den Dietiker Darkwolf-Inhabern Salome Baumann und Stephan Troxler vorerst über die Runden: Die Brauer bringen ihr Bier direkt zu den Kunden.

Es war ein dringender, fast verzweifelter Aufruf: «Bitte helft uns», schrieben Salome Baumann und Stephan Troxler unter anderem auf dem Facebook-Auftritt ihrer Dietiker Darkwolf-Brauerei. «Bitte stockt Eure flüssigen Vorräte auf. Sagt es Freunden und Verwandten.»

Baumann und Troxler, die neben ihren Teilzeitjobs in der Informatikbranche seit Jahren The Darkwolf Brewery als Aktiengesellschaft führen, sahen sich wegen des Coronavirus unvermittelt mit wegbrechenden Absätzen konfrontiert. «Da Bars und Restaurants geschlossen werden mussten, blieben von einem Tag auf den anderen die Bestellungen aus», sagt Salome Baumann. Zudem hätten einige Gastronomen bereits erhaltene Lieferungen vorerst nicht mehr bezahlen können. Dies brachte die Brauerei ebenfalls in finanzielle Bedrängnis.

Gratislieferungen nach Hause

Auch bei anderen lokalen Brauereien brach der Umsatz ein: «Uns trifft das Coronavirus hart», heisst es beispielsweise beim Brausyndikat. «Wir machen uns Gedanken ums Überleben.» Die Dietiker GmbH hat nun einen Lieferdienst auf die Beine gestellt; ab einem Pack mit 24 Flaschen Bier erfolgt im Limmattal und im gesamten Kanton Zürich eine kostenlose Zustellung. «Wenn Du also gerne unsere Biere trinkst, dann unterstütze uns.»

Denselben Aufruf machten die beiden Darkwolf-Inhaber: «Um in dieser schwierigen Zeit wenigstens vorläufig noch die Miete für unsere Brauerei im Silbern-Gebiet zahlen zu können, haben wir aus der Not heraus entschlossen, Euch ab sofort zu Hause mit Bier zu beliefern.» Die Lieferung ist gratis, es gilt ein Mindestbestellwert von 60 Franken.

«Wir haben daraufhin eine riesengrosse Solidarität zu spüren gekriegt», sagt Salome Baumann. Die Nachfrage habe ­dabei ungeahnte Ausmasse ­erreicht. Alleine über das Online-Formular sind in kurzer Zeit über 100 Bestellungen eingegangen. Hinzu kamen weitere Anfragen über Instagram, Facebook und andere Kanäle. «Den Gesamtüberblick haben wir noch gar nicht.»

Vorerst sei es darum gegangen, alle Bestellungen abzuarbeiten, sagt Baumann. Denn auf einen solchen Ansturm seien sie gar nicht vorbereitet gewesen. Die Bestellungen konnten nur dank freiwilligen Helfern bewältigt werden: «Es haben sich dabei Leute gemeldet, die wir gar nicht kannten.» So schrieb einer in einer Nachricht, dass er abends privat in den Aargau fahre – ob er dabei gleich noch ein paar Flaschen ausliefern soll? «Es sind verrückte Zeiten», sagt Baumann. «Einerseits prügeln wir uns in Geschäften um WC-Rollen, andererseits helfen wir uns selbstlos in der Freizeit aus.»

Etwas Zeit und Ruhe gewonnen

Beim Brausyndikat hatte der Aufruf ebenfalls geholfen. Die Einnahmen durch die Direktlieferungen würden zwar die entstandenen Ausfälle nicht kompensieren, wie Oliver Zemp sagt. Sie decken aber immerhin die laufenden Kosten. «Das hilft uns einfach einmal über die Runden. Bleiben die Bestellungen bis zum Ende der Krise, dann schaffen wir das.» Es bleibe einfach zu hoffen, dass sich das Ganze nicht weit bis in den Herbst hineinziehe.

Auch die Brauerei Darkwolf ist trotz des grossen Ansturms noch nicht langfristig gerettet. «Wir haben jetzt aber immerhin etwas Zeit gewonnen», sagen die Brauerin und der Brauer. So müssten sie sich den Kopf nun vorerst nicht mehr wegen der nächsten Mieten zerbrechen. Dies lasse etwas Zeit und Raum, um sich weitere Gedanken über die Zukunft zu machen, wobei ungewiss sei, wie lange die Einschränkungen noch gelten.

Dabei hatten die beiden für dieses Jahr bereits Pläne geschmiedet. Im vergangenen Herbst hatten sie in eine neue Abfüllanlage investiert, die nicht nur mit Halbliter-Flaschen, sondern auch mit den kleineren 3,3-Deziliter-Fläschli umgehen kann. Damit wollten sie einem vor allem von Laden- und Restaurantbesitzern geäusserten Wunsch nachkommen. Die Investition schien sich auch wegen eines grösseren Auftrages im Rahmen der Eishockey-WM in Zürich und Lausanne zu rechnen. Doch wegen des Coronavirus wird in diesem Mai nicht mehr übers Eis geflitzt– und der Auftrag ist damit natürlich auch weg.

Das Getränkebusiness mit seiner zeitintensiven Knochenarbeit zu geringen Margen sei auch unter normalen Umständen nicht einfach, sagt Salome Baumann. Derzeit sei es aber gar nicht mehr planbar. Doch die Reaktion auf ihren Aufruf macht den beiden Darkwolf-­Inhabern Mut: «Wir sind noch nicht bereit aufzugeben.»

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