Der süssliche Duft von Eichenholz liegt in der Luft. Unter einem Dach geschützt, liegen in unterschiedliche Dicke geschnittene Holzbretter. Aufeinandergestapelt trocknen sie an der frischen Luft. «Dieser Prozess ist zwar langwierig und arbeitsintensiv, aber er lohnt sich. Das Holz, das hier bis zu zehn Jahren liegt, ist danach ruhiger und spannungsfreier», meint Mathias Metzler. Sein Urgrossvater Jakob Metzler gründete die Firma Metzler Orgelbau 1890 im Kanton Graubünden. Sein Sohn holte das Unternehmen in den 1930er-Jahren nach Dietikon, wo es heute noch an derselben Stelle steht. Heute führt Mathias Metzler zusammen mit seinem Bruder Andreas das Unternehmen in der vierten Generation.

Erzählt er von den alten Traditionen des Betriebs, von den vielen einzelnen Schritten, die es braucht, damit aus einem Stück Holz ein perfektes Gehäuse wird, von der speziellen Mischung aus Blei und Zinn, die den perfekten Klang einer Pfeife ausmacht, so schwingt Stolz in Mathias Metzlers Stimme mit. Er selbst war 15 Jahre alt, als er die Lehre als Orgelbauer im Betrieb seines Vaters begann. «Ich kann mich erinnern, dass wir als Kinder unsere Ferien hier in Dietikon verbracht haben. Den ganzen Tag in der Werkstatt zu sein, war für uns das Grösste», meint er schmunzelnd und führt durch eine Tür, hinein in die hauseigene Schreinerei.

Pfeifen aus der eigenen Giesserei

Laut ist es dort. Ein Mitarbeiter zersägt Eichenholz in Stücke. Dass die 20 Angestellten des Betriebs von der Holzverarbeitung bis zum Giessen der Orgelpfeifen alle einzelnen Teile jeder Orgel in mühsamer Handarbeit selbst anfertigen, basiert auf der Idee der dritten Generation, Oskar junior und Hansueli Metzler. Von der Epoche der Romantik geprägt, besannen sie sich auf das Ursprüngliche zurück, auf den alten, bewährten, mechanischen Orgelbau. Sie hatten den Anspruch, alles selbst herzustellen, zu verarbeiten und zu produzieren. «Von den Orgelbauern, die es heute weltweit noch gibt, macht das fast keiner mehr auf diese Weise», so Mathias Metzler.

Treppenstufen führen in den Keller in die Giesserei, dem Geburtsort der Orgelpfeifen. Links in der Ecke steht der Ofen, wo Zinn und Blei zusammengeschmolzen werden. Je mehr Blei die Mischung enthält, umso weicher werden die Töne der Pfeifen. «In Europa sind wir die Letzten, die auch alle Orgelpfeifen selbst herstellen», sagt Mathias Metzler. Vielen sei dieser Aufwand zu gross. Denn die Anfertigung der Pfeifen dauert etwa 2000 Arbeitsstunden, was einem Drittel des Gesamtaufwandes für den Bau einer Orgel von mittlerer Grösse entspricht.

«Haben die Metallplatten die richtige Dicke, werden sie zu Pfeifen geformt. Alles ist Handarbeit und jede Pfeife ein Unikat», betont Mathias Metzler. Während er ausgelehrter Orgelbauer ist und hauptsächlich in der Werkstatt arbeitet, kümmert sich sein Bruder, Andreas Metzler, um den Klang der Orgel. Nach deren Herstellung intoniert er alle Pfeifen eigenhändig in seiner Werkstatt. Dort bringt er sie auf einen sauberen Klang und die richtige Tonhöhe.

Die eigene Holzverarbeitung, interne Pfeifenproduktion und die rein mechanische Verbindung zwischen den Orgeltasten und den Pfeifenventilen machen den eigenen Stil der Firma Metzler Orgelbau aus, für den sie international bekannt ist. Trotz dieses Ansehens kämpft Mathias Metzler mit der schwierigen Situation auf dem Wirtschaftsmarkt. Darum findet er es nötig, dass man sich auch mit modernen Macharten des Orgelbaus auseinandersetzt. «Die Aufgabe der vierten Generation im Unternehmen ist es, einen Weg zu finden, wie wir dem Modernen Rechnung tragen können, ohne vom Bewährten abzukommen.» Die Tradition solle auf eine eigene Art dem Beispiel der Firmenväter folgen, die Gegenwart aber miteinbezogen werden.

Wird immer schöner

Im Montagesaal steht das fertige Gehäuse einer Orgel. Mathias Metzler streicht mit der Hand über das Eichenholz. «So etwas bringt man nur mit Lufttrocknen zustande.» Pro Jahr baut die Werkstatt durchschnittlich drei Orgeln, die zwischen 500 000 und 600 000 Franken kosten. Einen Teil des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen auch mit Aussendiensteinsätzen in der Pflege, Revision und Reparatur von ihren Instrumenten.

Andächtig steht Mathias Metzler vor dem grossen Musikinstrument. «Diese Orgel wird Jahrhunderte halten. Und jedes Jahrzehnt wird sie noch schöner werden.»