Bergdietikon
Wie aus einer anderen Welt: Die Vernissage in der Kunstgalerie Bachlechner

Die Kunstgalerie Bachlechner lud zur Vernissage der «Horizont»Bilder von Rainer Oberhänsli-Widmer und der Skulpturen «Stille Mitbewohner» von Barbara Schärer-Barbieri.

Ly Vuong
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Kunst aus einer anderen Welt Bergdietikon
13 Bilder
Von links: Harry und Barbara Schärer-Barbieri, Hanns und Béatrice Bachlechner, Rainer und Gabrielle Oberhänsli-Widmer.
Die Vernissage regt an zu Gesprächen.
Besucherin Madeleine Grendelmeier aus Dietikon sieht die Skulptur «Autunno» (Herbst) im Eingangsbereich ihrer Wohnung, die sie empfängt, wenn sie heimkommt. Es sei dann jemand da und doch nicht, denn die Figur ist aus einer anderen Welt. Grendelmeier kauft «Autunno» für 1200.-, ein sehr guter Preis, denn Kunst, die berührt, sei unbezahlbar.
«Aus einem ausrangierten Tisch wurde ‹Dono› (Geschenk). Eine Figur, die sich selbst als Abstellfläche anbietet. Die Gesten seiner Hände sollen dazu einladen, ihn mit Dingen aus dem Alltag zu ‹belasten›», erzählte die Künstlerin Barbara Schärer-Barbieri.
Kunstgaleristin Béatrice Bachlechner informierte über die Galerie selbst, die einen Kunstsalon gründen möchte, bei der man sich mit Leuten aus verschiedenen Berufen austauschen kann. Die Jahresmitgliedschaft kostet 1000.- und bietet einiges.
Rainer Oberhänsli-Widmer (ganz rechts) im Gespräch mit Besucher. Oberhänsli-Widmers Inspirationsquellen sind die Landschaften der Nordsee, Blick aus dem Flugzeug.. aber vor allem die Betrachtung des Himmels zu jeder Tageszeit.
Besucherin Ursula Berger (sitzend) mit Freundin Marianne Matter, beide aus Berikon. Berger: «Ich demonstriere, dass man wirklich darauf sitzen kann». Sie sitzt auf der Skulptur «Governo».
Besucherin Brigitta Kitamura aus Zürich sagte: «Der Aufmerksamkeitsfokus muss nicht unbedingt der Horizont sein. Hier in diesem Bild ist es der gelbe Farbstreifen unten».
Nicht selten machten Besucherinnen und Besucher ein Foto der Bilder und Skulpturen, die an der Vernissage in der Kunstgalerie Bachlechner zu sehen sind.
Gitarrist Daniel Erni mit Tochter Julia. Ernis Auftritt ist ein Geschenk an seinen Freund Rainer Oberhänsli-Widmer. Erni spielt klassische Stücke von Augustin Mangore Barrios aus Paraguay.
Öl auf Leinwand: «Hiob» von Rainer Oberhänsli-Widmer. Es geht nicht um Hiob als Person, deshalb ist er in dunkelblau, sondern um das Thema: Leiden wie Hiob, was gibt einen das für einen Horizont? Das Bild ist bereits verkauft.
Die ausgestellten Werke von Barbara Schärer-Barbieri haben «Stille Mitbewohner» zum Thema. Hier sitzt die Künstlerin auf «Sagittario» (auf Deutsch: Schutz). Die Figur gibt der sitzenden Person Rückendeckung.

Kunst aus einer anderen Welt Bergdietikon

Ly Vuong

Die Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon eröffnete ihre neue Ausstellung zu den «Horizont»-Bildern des Dietikers Rainer Oberhänsli-Widmer und den Skulpturen «Stille Mitbewohner» der Künstlerin Barbara Schärer-Barbieri. Gekommen sind am Samstag mehr als über 100 Kunstinteressierte.

Die Horizont-Bilder waren Öl auf Leinwand gemalte, abstrakte Landschaften. Die verschiedenen Farbstreifen könnten Wasser oder Nebel sein, die auf einen Horizont, wie etwa angedeutete Berge, hinweisen. Die Besucherin Brigitta Kitamura aus Zürich lobte: «Die Farbkompositionen sind traumhaft, so etwas habe ich noch nie gesehen».

Galerist Hanns Bachlechner sagte: «Die Horizont-Bilder lassen Farbklänge erklingen, dort, wo Rationalität nicht mehr greift, nur noch Kunst, Poesie, Musik und Mystik, also Erkenntnisweisen, die die spirituelle Potenz der Menschen herausfordern.»

Als Religionslehrer habe Oberhänsli-Widmer sich intensiv mit Jenseitsmythen verschiedenster Kulturen auseinandergesetzt. «In diesen Mythen gibt es archetypisch das Wasser, das die Seele des Verstorbenen überqueren muss, um ins Jenseits, an den Ort des letzten Aufgehobenseins zu gelangen», so Bachlechner.

Oberhänsli-Widmers Lieblingsbild ist ein Bild in Gelb- und Grüntönen, das ihn an Flüchtlinge erinnert, die Land erblicken und Hoffnung auf neue Geborgenheit finden. Auch er selbst begann einen neuen Lebensabschnitt: Die aktuelle Ausstellung ist ein Geburtstagsgeschenk der Galerie an ihn, der dieses Jahr 65-jährig wurde.

Einige klassische Stücke von Augustin Mangore Barrios spielte Gitarrist Daniel Erni an der Vernissage als Geschenk für Oberhänsli-Widmer, den Erni seit über 30 Jahren kennt.

Kunst, die berührt

Nicht viel Freude hatte der international bekannte Mailänder Künstler Arrigo Barbieri, als seine 2-jährige Tochter barfuss über die noch nassen Bilder am Boden spazierte. Freude hatte er, als er das künstlerische Talent in ihr entdeckte, so stellte Bachlechner die heute 56-jährige Künstlerin Barbara Schärer-Barbieri vor, die auch für die Lichteffekte bei «Art on Ice» zuständig ist.

Totgesagte Dinge führe sie zu neuem Dasein. Ein ausrangierter Tisch wird zu «Dono» (auf Deutsch: Geschenk). Eine Figur, die sich selbst als Abstellfläche anbietet. Die Gesten seiner Hände laden dazu ein, ihn mit Dingen aus dem Alltag zu «belasten».

Die Besucherin Madeleine Grendelmeier aus Dietikon verguckte sich in die bunte Figur «Autunno». Sie sehe, wie er sie im Eingang ihrer Wohnung empfange. Es sei dann jemand da, aber doch nicht, denn die Skulptur, die auf einem Schemel sitzt, sich nach vorne beugt und sich nur mit einem Finger abstützt, sei wie von einer anderen Welt. Das Objekt kostet 1200 Franken, was Grendelmeier einen guten Preis fand. Kunst, die berührt, sei unbezahlbar.