Dietikon

Wie auf Klängen getragen - die Klangmassage im Selbstversuch

Ein Klangbett löst keine Knoten im Rücken und ist trotzdem höchst entspannend. Der Selbstversuch ist ein Erlebnis.

Wem schon einmal an einem Konzert der Bass in den Magen geboxt hat oder eine verzerrte Gitarre durch Mark und Bein gefahren ist, der weiss: Schallwellen machen sich nicht nur im Gehör, sondern gelegentlich am ganzen Körper bemerkbar. Klänge können deshalb auch gezielt eingesetzt werden, um den Körper zu stimulieren. Etwa bei einer Klangbettmassage, wie sie Tanzlehrerin und Therapeutin Manuela Krah in ihrer «Praxis für Energiebehandlungen» in Dietikon anbietet. Schon im Treppenhaus des St. Josefzentrums kündigt sich die angepriesene Tiefenentspannung dieser eher seltenen Massage-Art durch den Duft einer Kräutermischung an; im Eingangsbereich der Praxis stimmen Kerzen darauf ein. «Die Klangmassage soll die Harmonie im Körper wieder herstellen», sagt Krah, bevor sie mich bittet, aufs Klangbett zu liegen. Dieses unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht merklich von einer normalen Massageliege. Erst auf den zweiten Blick erkenne ich den bauchigen Resonanzkörper unter der Liegefläche, über den vom Kopf- bis zum Fussende 55 lange Saiten gespannt sind.

Selbstversuch: Redaktor Tobias Hänni auf dem Klangbett.

Selbstversuch: Redaktor Tobias Hänni auf dem Klangbett.

Als Manuela Krah anfängt, zunächst sachte an diesen Seiten zu zupfen, erfüllen tiefe, volle Klänge den Raum. Es sind Klänge, die an die indische Sitar erinnern und nur schon vom Zuhören äusserst entspannend wirken. «Viele schlafen auf dem Klangbett ein» wird mir Krah nach der Massage erzählen. Kein Wunder.

Die Stimme schwingt mit

Nach einem Weilchen – und auf Nachfrage – schlägt Krah die Saiten etwas stärker an. Nun erfüllen die Klänge auch den Körper. Vor allem dort, wo ich aufliege, spüre ich ihre Schwingungen: An den Fersen, am Gesäss, an den Schulterblättern. Doch die Vibrationen erfassen den ganzen Körper. Das merke ich, als ich versuchsweise zu singen beginne und meine Stimme mit den Saiten mitschwingt. Brustkorb und Bauchhöhle werden bei der Klangmassage offenbar ebenfalls zum Resonanzkörper. Das könnte auch erklären, weshalb sich das Klangbild verändert, als der Kollege, der den Selbstversuch auf Kamera bannt, den Raum verlässt: Erst dann kann ich mich gänzlich auf die Massage einlassen und meinen Körper und damit das Zwerchfell völlig entspannen. Das fällt auch Therapeutin Krah auf. «Erst da hast du dich richtig fallenlassen.»

Je länger die Massage dauert – und das tut sie mit 30 Minuten nicht lange genug – desto tiefer sinke ich hinein in den warmen, monotonen Klangteppich. Wellenförmig branden die Klänge an meinen Körper, schwappen schliesslich in meinen Kopf und lullen mein Bewusstsein ein. Die Glieder werden leicht, die Augen schwer und die Atmung ruhig. Ein Gefühl des Schwebens stellt sich ein. Und obwohl das Bett nur mit einer dünnen Matratze gepolstert ist, spüre ich die Härte des Holzes je länger je weniger. Nach einer Weile scheint mein Körper von Klängen und nicht mehr vom Bett getragen zu werden.

Der Schwebezustand und die leichte Benommenheit halten auch an, als das Monochord, wie der Schweizer Hersteller das Klangbett nennt, längst verstummt ist, und die Töne nur noch in Kopf und Körper nachklingen. Fazit nach der halbstündigen Beschallung: Die Verspannungen in meinem Rücken wurden nicht gelöst. Wer seine Muskeln richtig durchgeknetet haben will, ist etwa mit einer klassischen Massage besser bedient. Doch den Anspruch, mit dem Klangbett grössere Verspannungsprobleme lösen zu können, erhebt Manuela Krah auch gar nicht: «Ich ersetze nicht den Arzt oder Physiotherapeuten.» Für die geistige Entspannung und das körperliche Wohlbefinden eignet sich der Kurztrip auf dem Klangbett aber ausgezeichnet.

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