Zum Krafttraining kam Werner Kieser durch einen Unfall. Mit 17 Jahren zog er sich im Boxtraining eine Rippenfellentzündung zu, sein Arzt empfahl ihm eine mehrmonatige Trainingspause. Doch ein spanischer Boxer meinte durch das Training mit Gewichten würde die Genesung schneller voranschreiten. Kieser glaubte dem Sportler und wurde nicht enttäuscht. Schon nach sechs Wochen konnte er wieder trainieren. Er macht mit dem Krafttraining auch dann noch weiter, als seine Mutter sich gar nicht begeistert zeigte vom muskulösen Körper ihres Sohnes. Heute gehören zu der Franchise-Kette «Kieser Training AG» über 130 Fitnessstudios in acht Ländern.
Mit seinem Erfolg hat Werner Kieser den Wissenschaftsjournalisten und Biologe Beat Glogger schwer beeindruckt.

Dieser hat Kieser nun zusammen mit 60 weiteren Pionieren im Buch «Zürcher Pioniergeist» ein Denkmal gesetzt. Vorgestellt werden Zürcher Persönlichkeiten und ihre bahnbrechenden Ideen. Unter ihnen ist auch der Limmattaler Fitnesspapst Werner Kieser. Zwar wisse man nicht, ob Kieser wirklich der Erste war, der die Vorteile des Krafttrainings entdeckte, aber er war es, der die Idee durchzog. Und das mache eben einen Pionier aus, sagt Glogger gegenüber der Limmattaler Zeitung. Dieses Durchhaltevermögen habe die Autoren bei fast allen Pionieren beeindruckt. «Man merkt, dass diese Leute wissen, was sie geleistet haben, und dies nicht mehr an die grosse Glocke hängen müssen.»

Aller Anfang ist schwer

Kieser ist 1940 geboren und in Bergdietikon aufgewachsen. Heute gilt er als Vater des therapeutischen Krafttrainings. 1958 richtete er sich im ehemaligen Trockenraum seines Elternhauses seinen ersten Trainingsraum ein. Die Gewichte dafür bastelte der gelernte Tischler aus Altmetall, das er für 40 Rappen pro Kilo bei der Firma Neomontana in Altstetten kaufte. 1963 eröffnete er sein erstes Fitnessstudio in Dietikon, das aber fast ausschliesslich von seinen Freunden benutzt wurde. Nach einem Jahr musste er wieder schliessen, da der Sohn der Vermieterin eine Autofahrschule einrichten wollte.

1966 eröffnete er schliesslich sein erstes richtiges Studio. Seine Freunde blieben ihm weiterhin treu, doch das reichte nicht zum Überleben. Kieser musste nebenher in einem Waffenladen arbeiten, was seinem Vater gar nicht gefiel. Zu dieser Zeit verliess ihn auch seine erste Frau Gerda mit dem gemeinsamen Sohn Ketill. Trotz des Gegenwindes liess sich Kieser nicht beirren und gründete 1967 die Kieser Training AG. Aber nicht nur ein Teil seiner Familie stellte sich quer, für seine Idee brauchte es viel Überzeugungsarbeit und etwas Glück. Denn erst nach der Mondlandung fand das Krafttraining öffentliche Beachtung. Ab diesem Moment habe plötzlich jeder fit sein wollen. Immer wieder während seiner Karriere traf Kieser Entscheidungen entgegen alle Empfehlungen, wie er gerne erzählt, und war damit erfolgreich.

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Es gibt keine Hanteln mehr

Seit der Anfangsphase von Kiesers Fitness-Imperium hat sich einiges verändert, Hanteln zum Beispiel finden sich keine mehr in seinen Trainingsräumen. Denn 1972 wurde er auf den Amerikaner Arthur Jones aufmerksam, der neue Maschinen für ein optimales Krafttraining entwickelt hatte. Diese Geräte bieten in jedem Gelenkwinkel den richtigen Widerstand und machen das Training effizienter. Da Kieser sich die Geräte von Jones nicht leisten konnte, baute er sie selbst nach. Doch schnell wurde ihm bewusst, dass er dafür die Originale brauchte. Für rund 100 000 Franken, die er sich von Familie und Freunden pumpte, holte er sich 1978 die gesamte Produktepalette von 22 Maschinen. Jones entwickelte später Maschinen, die von Rückenproblemen befreien sollten. Kieser sei von dieser Idee nicht recht überzeugt gewesen. Anders sah das Gabi, Kiesers dritte Frau und bis heute an seiner Seite. Die Ärztin riet ihrem Mann zum Kauf. Bald darauf eröffneten sie die erste Arztpraxis für medizinische Kräftigungstherapie. Da die Leute von ihren Schmerzen befreit wurden und weitertrainieren wollten, beschlossen sie Reha und Training in einer neuen Art von Fitnessstudio zu kombinieren. Heute entwickelt die Kieser Training AG ihre eigene Maschinen, auch solche, die sonst niemand baut.

Die Erkenntnis, dass Fitness in vielen Fällen den Arzt ersetzen kann, ist für Kiesers Arbeit bis heute zentral. Der 74-Jährige weist gerne auf eine Untersuchung hin, die gezeigt habe, dass fast 90 Prozent aller Patienten, die eine Rückenoperation gebraucht hätten, nach dem Training auf Kiesers Maschinen darauf verzichten konnten.

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