Pandemie

Wider das Lädelisterben: Dietikon trotzt der Coronakrise und verzichtet auf Mietzinse

Etwas weniger Corona-Sorgen: Die Stadt erliess unter anderem der Buchhandlung «Scriptum» den Mietzins.

Etwas weniger Corona-Sorgen: Die Stadt erliess unter anderem der Buchhandlung «Scriptum» den Mietzins.

Die Stadt Dietikon verzichtet auf Mietzinse. So kommt der Stadtrat seinen Mietern unkompliziert entgegen.

Eigentlich erging es ihnen wie allen anderen – und doch können in der Stadt Dietikon unter anderem die Buchhandlung Scriptum, das Gleis 21 und die Taverne zur Krone etwas unbekümmerter und unverkrampfter auf die vergangenen acht Wochen zurückblicken. Sie mussten zwar wie unzählige andere Betriebe ihre Türen schliessen, doch fiel bei ihnen auch ein grosser Posten Fixkosten weg: Ihre Vermieterin, die Stadt Dietikon, erliess ihnen wegen der Corona-Pandemie die Miete.

Über diese Hilfe sei sie «extrem froh», sagt Scriptum-Inhaberin Corinne Frischknecht. Sie habe zwar trotz der Schliessung über Online-Bestellungen Bücher verkaufen können. Dabei habe sie auch eine gewisse Solidarität gespürt; so hätten in den vergangenen Wochen Personen Lieferungen gewünscht, die bislang in ihrer Kartei noch nicht vermerkt gewesen seien. Aber die Umsätze seien natürlich dennoch weit hinter normalen Monaten zurückgeblieben.

Dass in dieser Zeit die Buchhandlungs-Buchhaltung nicht durch Mietzinse belastet wurde, habe ihr sehr geholfen, sagt Corinne Frischknecht. «Die Stadt ist dabei unkompliziert vorgegangen», erklärt die Scriptum-Inhaberin.

So sei der Mieterlass mit keinen Auflagen verknüpft gewesen. Zudem habe sie beispielsweise auch nicht umständlich beweisen müssen, dass sie nicht arbeiten könne. Die Stadt habe vielmehr in einem zweiten Schreiben einfach festgehalten, dass die Buchhandlung wegen den bundesrätlichen Vorgaben nun ja vorerst weiter geschlossen bleibe, weshalb sie für einen weiteren Monat keine Miete zahlen müsse.

Die Stadt und ihre Verantwortung

«Die beiden erlassenen Monatsmieten decken genau die acht Wochen ab, in denen wir im Scriptum keine Kundinnen und Kunden bedienen konnten», sagt Corinne Frischknecht. Dass sie damit Glück hatte, ist ihr bewusst: «Andere Geschäfte und Betriebe müssen mit ihren Vermietern um jeden Franken feilschen und finden dabei offenbar nur selten Gehör.»

Die Stadt Dietikon nehme ihre Verantwortung wahr, begründet Hochbauvorstand Anton Kiwic (SP) das Programm. Das Lädelisterben werde ja seit Jahren immer wieder thematisiert. «Wir wollen das unsrige tun, damit das Coronavirus nicht zu einer weiteren Konsolidierung des Angebots in der Stadt führt.» Ob ein lokales Geschäft bestehen kann, soll der Markt entscheiden, aber nicht derartige Krisen.

Die Liegenschaftenverwaltung habe von sich aus abgeklärt, welche Unternehmen, die in städtischen Liegenschaften eingemietet sind, sicher von Corona-Einschränkungen betroffen seien.

«Diesen haben wir einen vollständigen Mieterlass gewährt», sagt Kiwic. Die Zahlung sei damit nicht bloss aufgehoben, sondern die Stadt erhebe auch später keine Forderungen. «Es handelt sich um eine Corona-Hilfe für lokale Gewerbetreibende, und nicht um einen rückzahlbaren Kredit.»

Die Stadt überprüft nun von Monat zu Monat, ob diese Hilfe weiter benötigt wird oder nicht. Deshalb sind gemäss Kiwic beispielsweise zwei Coiffeursalons bereits nach anderthalb Monaten aus dem Programm entlassen worden. «Sie konnten ihren Betrieb schon mit dem ersten Lockerungsschritt wieder aufnehmen, weshalb wir es bei ihnen bei sechs Wochen Mieterlass belassen haben.»

122'000 Franken Mietzinserlass bewilligt

Den beiden Restaurants – neben der «Krone» ist auch das «Peace House» am Bahnhof in einer städtischen Liegenschaft eingemietet – kommt Dietikon trotz erfolgter Öffnung am vergangenen Montag weiterhin entgegen. «Sie erhalten vorerst einen Mietzinserlass von 40 Prozent», sagt Hochbauvorstand Kiwic. «Sie kämpfen ja mit Distanzregeln und können nicht alle Plätze voll nutzen.»

Der Dietiker Stadtrat hatte an seiner Sitzung Ende März auf Antrag der Liegenschaftenverwaltung einem Mietzinserlass von insgesamt 122'000 Franken zugestimmt. Im April, dem ersten Monat des Programms, verzichtete die Stadt auf rund 27'000 Franken Mieteinnahmen. Insgesamt zehn verschiedene, in städtischen Liegenschaften tätige Betriebe profitieren vom Erlass – wobei drei bereits im laufenden Monat Mai wieder die volle Miete zahlen.

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