Sie sitzt barfuss, in ein weinrotes Kopftuch gehüllt, auf der Empore beim Hinterausgang des Bahnhofs Bremgarten. Um den Hals trägt sie ein Schild mit der Aufschrift «Schicksal». Bevor man sich ihr nähern darf, muss man bei einer Frau in einem Karton-Kasten anstehen. Sie ist die «Wander-Polizei» und nimmt Fingerabdrücke auf kleinen, weissen und rosafarbenen Zettelchen auf. Danach geht es zurück zum «Schicksal». Einmal würfeln, eine geheimnisvolle Karte entgegennehmen und der Besucher ist als Mit-Wanderer registriert.

Hinter dem «Schicksal» und der «Wander-Polizei» verbergen sich Melina Mallát und Shpresa Jashari von der «Aktion bewanderte Schweiz». Die Gruppierung hatte bereits letztes Jahr als Antwort auf die Masseneinwanderungs-Initiative zum demonstrativen Wandern aufgerufen. Ihr Ziel ist es, sich für eine offene Migrationspolitik einzusetzen. «In der linken Politik geht es bei der Diskussion um Migration vor allem um wirtschaftliche Aspekte. Wir wollen eine Stimme sein, die Migration als Ganzes zum Thema macht», so Melina Mallát.

Der Kern der Gruppe besteht aus ehemaligen WG-Kollegen und Einigen, die immer noch zusammen wohnen. Sie alle zapften ihre Netzwerke an und schafften es für diesen Samstag 80 bis 100 Mitstreiter zu mobilisieren, die gemeinsam von Bremgarten nach Dietikon wandern.

Verschiedene Aktion eingestreut

An vorderster Front des Wanderzugs tragen zwei Wanderer ein Transparent mit dem Logo der Gruppe und dem Schriftzug: «Für eine offene und weitsichtige Migrationspolitik». Dahinter dürfen Junge und Alte, Familien und Hundebesitzer, ganz in ihrem eigenen Tempo laufen. Das erste Ziel ist der Egelsee in Bergdietikon, dort gibt es Mittagessen, bevor sich der Zug zur Endstation Dietikon aufmacht.

Auf der rund fünfstündigen Wanderung hat sich die Gruppe einiges an Aktionen einfallen lassen. So kommt es zwischen Heinrüti und Widen plötzlich drauf an, was für einen Zettel einem die Wanderpolizei ausgehändigt hat. Auf einigen steht «Arbeitsvertrag» geschrieben, auf anderen nicht. Diejenigen mit dem Arbeitsvertrag dürfen nun an vorderster Stelle mitwandern – sie werden bevorzugt, wie im richtigen Leben.

Als es zum Hasenberg hochgeht, hält der Trupp erneut. Lautsprecher werden vom Leiterwagen genommen und eine Radiosendung von 1961 abgespielt. Eine Reporterstimme fragt: «Haben Sie Mühe mit den Italienern, die sich im Dorf aufhalten?» Eine Damenstimme antwortet: «Ja schon». Der Reporter fragt nach: «Wieso denn?» Die Dame entgegnet: «Ja so allgemein, sie sind etwas frech». Gelächter schallt über die steinige, abgelegene Strasse.

In Dietikon angekommen, findet der Schlussevent statt. Juso-Präsident Fabian Molina und Surprise-Kolumnistin Shpresa Jashari richten Worte an das Publikum, «Baba Uslender» und «Who’s Elektra» sorgen für Musik.