EKZ-Wahlen
Wettler tritt verärgert aus der SP aus – weil die ihn nicht bestätigen wollte

Die SP setzt im Verwaltungsrat der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich auf neue Kräfte – und nicht auf den bisherigen Verwaltungsrat, Energiefachmann und Parteimitglied Peter Wettler. Der spricht von einem «Affront».

Oliver Graf
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Noch-EKZ-Verwaltungsrat Peter Wettler: «Warum ich ein Jahr vor dem Erreichen der Alterslimite in die Wüste geschickt werde, weiss ich nicht. Es gab null Komma null Kritik.»

Noch-EKZ-Verwaltungsrat Peter Wettler: «Warum ich ein Jahr vor dem Erreichen der Alterslimite in die Wüste geschickt werde, weiss ich nicht. Es gab null Komma null Kritik.»

Limmattaler Zeitung

Ende Februar suchte die Zürcher SP in einem Inserat nach Interessenten für einen Verwaltungsratssitz der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ). Seither liegen sich Petter Wettler und seine – inzwischen ehemalige – Partei in den Haaren.

Denn Wettler sitzt seit 2003 für die SP im EKZ-Verwaltungsrat. Und er ging davon aus, dass er in diesem Monat, wenn die 13 durch den Kantonsrat zu wählenden Mitglieder des Verwaltungsrates bestimmt werden, wieder bestätigt werden würde. Doch die SP, Wettlers – eben jetzt ehemalige – Partei, hat ihren Dietiker Vertreter nicht mehr auf die Liste gesetzt.

Für Wettler stellt dies ein Affront dar. Denn normalerweise ist ein EKZ-Verwaltungsrat unbestritten, bis er mit 70 Jahren wegen der vorgegebenen Alterslimite zwingend aus dem Gremium ausscheiden muss. Man müsse schon mit der Portokasse durchbrennen, um früher hinausgeworfen zu werden, sagt Wettler, der im nächsten Jahr 70 wird. «Ich weiss nicht, warum ich ein Jahr, bevor diese Altersguillotine niedergeht, in die Wüste geschickt werde», sagt Wettler. In den vergangenen zwölf Jahren sei «null Komma null Kritik» an seiner Arbeit im EKZ-Verwaltungsrat aufgekommen. «Es kann mir keiner sagen, was ich falsch gemacht habe.»

Bei der SP des Kantons Zürich klingt die Geschichte anders: Der Verwaltungsratssitz von Peter Wettler sei parteiintern ausgeschrieben worden, nachdem dieser seinen Rücktritt auf diesen Sommer, auf das Ende der Amtsperiode, mitgeteilt habe, sagt Parteipräsident Daniel Frei. Deshalb habe die Partei das ordentliche Verfahren für die Kandidatensuche eingeleitet. Später habe Wettler seinen Rücktritt aber wieder zurückgezogen und von einem Missverständnis gesprochen.

Wettler glaubt an Retourkutsche

Peter Wettler sieht hingegen die erfolgte Nichtnomination als Retourkutsche dafür an, dass er im vergangenen Jahr nicht vorzeitig zurückgetreten war. Dies sei ihm damals von der Parteispitze nahegelegt worden, sagt der Dietiker. So hätte noch Ende 2014 eine jüngere Kraft den dritten SP-Sitz im Verwaltungsrat übernehmen können – da die Mandate zwar anhand der Parteienstärke verteilt werden, bisherige Mitglieder aber nicht abgewählt werden, hätte die Partei diesen dritten Sitz selbst bei einer Niederlage bei den Kantonratswahlen in diesem Frühling auf Jahre hinaus behalten können. Wettlers Sitz wäre indes – wegen der Alterslimite – nur bis 2016 sicher in SP-Händen gewesen. «Auf einen solchen Kuhhandel wollte ich mich nicht einlassen», sagt Wettler. Zumindest nicht, solange es sich nicht um einen Fraktionsentscheid handle. «Denn diese hatte mich einst ja auch nominiert.» Doch diese sei im vergangenen Jahr von der Parteileitung gar nicht erst über den geforderten vorzeitigen Rücktritt informiert worden.

Wettler geht davon aus, dass die Nicht-Nomination für die nun bevorstehende ordentliche, alle vier Jahre stattfindende Wahl des EKZ-Verwaltungsrates die Folge davon ist, dass er nicht zurückgetreten sei. SP-Fraktionspräsident Markus Späth hatte diesen Vorwurf schon früher in der NZZ zurückgewiesen: «Bei uns gibt es keine Strafaktionen.» Und Parteipräsident Daniel Frei betont, dass der Entscheid, Wettler nicht mehr zu nominieren, am Ende von der Fraktion gefällt worden sei. Und dieser Entscheid sei sehr klar und im Wissen aller Umstände gefällt worden. So habe Wettler, wie alle anderen Kandidaten auch, seine Position darlegen können. Die Fraktion habe also gewusst, dass der Dietiker, anders als zuvor kommuniziert, eine neuerliche Kandidatur anstrebe. «Aber in der Fraktion hat die Meinung geherrscht, dass nach zwölf Jahren die Zeit für einen Wechsel richtig ist.»

Inzwischen ist Peter Wettler aus der SP ausgetreten. Verärgert, wie er sagt. Und vor allem enttäuscht: «Mein Gerechtigkeitssinn ist verletzt.» Denn hätte es Gründe gegeben, die für einen Austritt aus dem EKZ-Verwaltungsrat gesprochen hätten, hätte er durchaus mit sich reden lassen, sagt Wettler. Aber es sei «hintenrum gemauschelt» worden.

Der Streit zwischen den beiden Trennungspartnern wird auch öffentlich ausgetragen. So fährt Wettler der SP-Spitze etwa auf seinem allgemein zugänglichen Facebook-Konto ziemlich an den Karren.

Im Verwaltungsrat der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich haben 15 Personen Einsitz. Zwei Vertreter des Regierungsrates sind jeweils automatisch dabei. Die 13 weiteren Mitglieder wählt der Kantonsrat jeweils für eine Periode von vier Jahren. Die Parteien teilen die Sitze aufgrund ihrer Wählerstärke untereinander auf.

Wettler ist auf dieser Liste nicht mehr vertreten. Im Dietiker Parlament will er sich weiterhin politisch engagieren – nun neu als Parteiloser.