Die Kindergärtner und Kindergärtnerinnen seien überlastet, hatte die Dietiker EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann in einer Interpellation festgehalten. Deshalb regte sie in ihrem Vorstoss an, dass die Lehrpersonen «eine Verstärkung» erhalten sollten.

Die Schulpflege und der Stadtrat bestätigen nun die Beobachtungen der Gemeinderätin: Die Belastung der Kindergartenlehrpersonen sei wesentlich gestiegen, heisst es in der schriftlichen Antwort. Dies zeige sich unter anderem darin, dass sie mehr Unterstützungsanträge stellen würden.

Die Kindergartenkinder sind drei Monate jünger

Dass sich der Druck im Kindergarten erhöht hat, führen Ehmann sowie die Schulpflege und der Stadtrat darauf zurück, dass die Kinder jünger werden. Der Stichtag, der für die Einschulung gilt, wird im Zuge der Harmonisierung der obligatorischen Schulzeit vereinheitlicht.

Im Kanton Zürich rückt dieser nun seit 2014 jedes Jahr um einen halben Monat vor. Auf das in fünf Wochen beginnende Schuljahr 2019/2020 wird der definitive Stichtag 31. Juli erreicht, wie er in 19 weiteren Kantonen gilt. Damit sind die jüngsten Kinder, die schulpflichtig werden, vier Jahre alt (Geburtstag: 31. Juli 2015). Sie sind damit drei Monate jünger als früher.

Der Eintritt in den Kindergarten sei schon immer «eine spannende Phase» gewesen – sowohl für die Kinder und deren Eltern als auch für die Kindergartenlehrpersonen, halten die Schulpflege und der Stadtrat in ihrer Antwort fest.

Viele Kinder seien zum ersten Mal von ihren Eltern getrennt und müssten sich an neue Bezugspersonen und Abläufe gewöhnen. «Dass dies mit Turbulenzen und Anstrengungen verbunden ist, liegt in der Natur der Sache.» Dessen seien sich die Kindergartenlehrpersonen aber bewusst. «Der Start und das Eingewöhnen verlaufen bei den meisten Kindern problemlos.»

Dies hat sich aber offenbar verändert: «Es zeigt sich, dass die veränderte Situation im Kindergartenbereich, also die frühere Einschulung der Kinder, viel grössere und schwerwiegendere Auswirkungen auf den Unterricht und die Situation der Kindergartenlehrperson hat als angenommen», heisst es in der Antwort auf die Interpellation. Dies führe dazu, dass die bestehenden Angebote und Konzepte überprüft werden müssten.

So konnten die Kindergartenlehrpersonen bislang das Unterstützungsangebot der Schulsozialarbeit nicht in Anspruch nehmen. Deren Auftrag ist nun ausgeweitet worden; sie wird jetzt in den Kindergärten ebenfalls präsent sein.

«Hier sind einerseits präventive Angebote geplant, andererseits soll die Schulsozialarbeit auch bei schwierigen Fallsituationen einbezogen werden.» Ein Schulsozialarbeiter könnte beispielsweise bei einem Elterngespräch beigezogen werden.

Beim Kindergartenstart bereits vorbereitet

Bereits bewährt hat sich eine im Schuljahr 2018/2019 in zwei Schuleinheiten eingeführte Neuerung: Im Rahmen der Projekte «Qualität in multikulturellen Schulen (Quims)» wurde auf den Kindergartenstart der Einsatz einer Klassenassistentin im Voraus geplant. Vom ersten Schultag an stand damit bei Bedarf eine Unterstützung zur Verfügung. Der Einsatz war auf die ersten vier Wochen beschränkt.

Für das bevorstehende Schuljahr sei geplant, dass «das Quims-Projekt für die Unterstützung in den ersten Kindergartenwochen auf möglichst alle Schuleinheiten» ausgeweitet werde, heisst es in der Antwort. Zudem soll geprüft werden, ob nicht jeder Schuleinheit zusätzlich ein Budget für Klassenassistenzen zur Verfügung gestellt werden kann, damit diese autonom, effizient und unbürokratisch handeln könnten. Für Gemeinderätin Ehmann wäre dies «eine denkbare Möglichkeit, um die Kindergartenlehrpersonen noch mehr unterstützen zu können», wie sie auf Anfrage sagt.

Grundsätzlich besteht nicht nur zu Schulbeginn, sondern während des gesamten Schuljahres die Möglichkeit, dass Lehrpersonen auf weitere Kräfte zurückgreifen könnten. Die Schule Dietikon setzt – neben den Klassenassistenten – auch auf Zivildienstleistende und Senioren im Klassenzimmer. Deren Einsatz sei aber im Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern nur ein bedingt wirkungsvolles Unterstützungsangebot, heisst es in der Antwort. Denn hier sei pädagogisches Geschick vorausgesetzt, zudem sei in diesem Fall vorübergehend hohe Präsenz und Konstanz nötig.

Der Fokus sollte nicht nur auf verhaltensauffällige Kinder gerichtet sein, meint Ehmann. «Es geht auch um Kinder, die einfach noch zu jung und unselbstständig sind und somit sehr grosse Aufmerksamkeit brauchen.» Der vermehrte Einsatz von Zivis und Senioren stellt für sie daher ein sehr wirkungsvolles Unterstützungsangebot dar.

Die Früherkennung wird wichtiger

Aufgefallen war Gemeinderätin Ehmann, dass der schulpsychologische Dienst in der Vergangenheit bei verhaltensauffälligen Schülern rascher Abklärungen vorgenommen hat als bei Kindergartenkindern. Dass dem so ist, bestätigt der Stadtrat. Er begründet dies damit, dass Kindergartenkinder bei ihrem Eintritt zum ersten Mal mit pädagogisch ausgebildeten Personen in Kontakt kommen. Da müsse das Kind zunächst wahrgenommen, beobachtet werden. Es dauere länger, um sich ein Bild zu machen und abzuklären, welche Massnahme nun die geeignete sei. Ein Kind, das in die erste Klasse eintrete, sei demgegenüber kein unbeschriebenes Blatt.

Hier sieht der Stadtrat Handlungsbedarf: Gerade weil die Kinder im Kindergarten jünger werden, sei es wichtig, einerseits die Erwartungen an die Kinder anzupassen, andererseits aber auch die Früherfassung professionell aufzubauen. «Die Umsetzung des Legislaturziels Frühförderung wird zusätzlich zur schnellen Erkennung von besonderen pädagogischen Bedürfnissen bei Kindergartenkindern beitragen.»

In seiner Antwort zählt der Stadtrat weitere mögliche Massnahmen auf, um die Kindergartenlehrpersonen zu entlasten. Er verweist etwa auf die Anstellung von weiteren Sozialpädagogen oder auf spezielle fachliche Weiter- und Ausbildungen der Lehrpersonen. Diese Möglichkeiten müssten aber noch «geplant, konzeptionell ausgearbeitet und finanziell unterstützt werden».

Grundsätzlich zeigt sich der Stadtrat aber überzeugt, dass heute «jede hilfesuchende Lehrperson Unterstützung erhält». Allerdings sei es möglich, dass es sich dabei nicht immer um jene Hilfe handle, die sich die Betroffene vorstelle. «Die Schulleitungen müssen die Dringlichkeit der verschiedenen Anträge abwägen und ein verstärktes Augenmerk auf die immer beschränkten Ressourcen legen.»

Aus diesem Grund habe sie auch ihre Interpellation eingereicht, hält EVP-Gemeinderätin Manuela Ehmann fest. Dass zuwenig Ressourcen vorhanden seien, sei eine Tatsache. «Es macht mich hilflos, mit anzusehen, dass die geforderte oder erhoffte Hilfe nicht eintrifft.» Die Kindergartenlehrpersonen müssten wahrgenommen werden. «Nur so können wir unsere Lehrpersonen in Zukunft in Dietikon halten und ein attraktiver Arbeitgeber sein.»