Er sei innerlich schon ein wenig zerrissen, sagt Benjamin Bühler. In der Brust des Oetwiler Bauern schlagen derzeit nämlich zwei Herzen. Als Vorstandsmitglied der Orts-SVP sollte er gegen die Umsetzungsvorlage der Kulturlandinitiative ankämpfen, über die das Zürcher Stimmvolk am 27. November befindet. «Primär bin ich jedoch Landwirt. Und als solcher kämpfe ich für diese Vorlage.» Dies tue er nicht nur, weil auch der Zürcher Bauernverband, in dessen Vorstand er einsitzt, sich dafür aussprach, sondern aus Überzeugung.


Vier Jahre nach Annahme der Kulturlandinitiative haben die Zürcher erneut über Landschaftsschutz zu befinden. Die aktuelle Vorlage kam zustande, weil die Initianten mit der Umsetzung der Zürcher Regierung nicht zufrieden waren. Regierungs- wie auch Kantonsrat waren der Ansicht, dass der Bestrebung der Initiative mit dem revidierten Richtplan und den Änderungen im Planungs- und Baugesetz ausreichend Folge geleistet wurde.

Das Bundesgericht sah dies hingegen nicht so und pfiff die beiden Räte zurück. Im vergangenen Februar nahm der Kantonsrat die ausgearbeitete Umsetzungsvorlage an, woraufhin die SVP, FDP und CVP das Behördenreferendum ergriffen.

 Nur mit der neuen Vorlage könne der Schutz von Landwirtschaftsflächen – täglich würde eine Fläche von rund acht Fussballfeldern überbaut – verbessert werden, wie es vonseiten der Initianten heisst. So sollen die rund 680 Hektaren Kulturland im Zürcher Siedlungsgebiet nur überbaut werden dürfen, wenn entweder eine gleich grosse Fläche ausgezont oder der abgetragene Humus zur Bodenaufwertung benutzt wird.


In den Augen der Gegner ist genau dies eine der radikalen Forderungen. So müsste der Bauherr auf eigene Kosten Ersatz finden und diesen gegebenenfalls mit «sinnlosem Humustourismus» aufwerten. Die Kernanliegen der ursprünglichen Initiative seien erfüllt.

Befürworter nennen Bohnächer


Auf ihrer Website schreiben die Initianten, dass der langfristige Schutz des Kulturlandes nur mit der Umsetzungsvorlage im Gesetz festgeschrieben werde. Eine Liste von akut bedrohten Landwirtschaftsflächen soll die Dringlichkeit illustrieren. Der Rebberg im Zürcher Weinland läuft ebenso Gefahr, überbaut zu werden, wie es das Gebiet «Chessler» in Stammheim oder ein grosser Acker in Marthalen tut. Auf besagter Liste findet sich auch der Bohnächer in Oetwil, der, «wie der Name schon sagt, hervorragendes Ackerland ist», schreiben die Initianten.


«Es steht ausser Frage, dass der Bohnächer hervorragendes Kulturland ist», sagt der Oetwiler Gemeindepräsident Paul Studer (FDP), der sich heute wie auch 2012 gegen den verschärften Schutz von Kulturland einsetzt (siehe Kontext). Doch dürfe Oetwil nicht zu einem zweiten Freiluftmuseum Ballenberg werden.

«Heute sind lediglich 16 Prozent der Fläche Oetwils Siedlungsgebiet. Neben innerer Verdichtung ist die Bebauung des Bohnächers die letzte Chance der Gemeinde auf Wachstum», so Studer.

Eine Umzonung des rund 3,5 Hektaren grossen Gebiets östlich der Mutschellenstrasse sei derzeit zwar nicht geplant. «Mit der geforderten Einzonung oder Aufwertung von Land woanders im Kanton würden die Preise des darauf erstellen Wohnraumes aber derart in die Höhe schiessen, dass sich eine Bebauung finanziell gar nicht mehr lohnt», sagt Studer.


Die Aussicht, dass der Bohnächer überbaut werden könnte, schmerzt Bühler derweil. Die Entwicklung in den Gemeinden werde keineswegs gebremst, sagt er. «Bevor wir unsere schönen, fruchtbaren Flächen überbauen, sollten wir das bestehende Siedlungsgebiet verdichten.» Ihn persönlich würden Hochhäuser keineswegs stören, sie seien ihm jedenfalls lieber als der Verlust von Kulturland. Zumal guter Boden nicht unbegrenzt vorhanden sei.


Das Argument, dass Bauern mit dem Verlust von Kulturland die Lebensgrundlage entrissen wird, will Studer nicht gelten lassen. «Landwirte verkaufen den Boden, der auch gutes Geld bringt. Sie werden keineswegs übers Ohr gehauen.» Der grösste Teil des Kulturlandes liege ohnehin in der Landwirtschaftszone und bleibe den Bauern zur Nutzung erhalten, so Studer.

Zwar sei der Bohnächer an der Richtplandebatte – wie auch die Geroldswiler Werd – in Siedlungsgebiet umgezont worden. «Für eine definitive Einzonung des Gebiets bräuchte es aber noch den Segen der Gemeindeversammlung», so Studer. Diesen würde sie derzeit wohl nicht erteilen, mutmasst er.