Spektakulär sei der Unfall nicht gewesen, sagt Werner Steiner. Es ist jetzt eineinhalb Jahre her, seit der Birmensdorfer Gemeindepräsident beim Skifahren stürzte. Doch mit den Folgen habe er noch heute zu kämpfen, sagt er. Er werde schnell müde, habe manchmal Mühe mit der Konzentration. In seinem Geschäft, der Metzgerei an der Zürcherstrasse, trat er schon nach dem Unfall kürzer. Nun tritt der 68-Jährige per kommendem April auch von all seinen Ämtern zurück, wie er in einem Brief an Betroffene mitteilt. Darunter sind die Zürcher Planungsgruppe Limmattal, die örtliche Kulturkommission, die Betriebskommission des Gemeinschaftszentrums Brüelmatt, das Präsidium des Forstreviers und die Baukommission. Auch verabschiedet er sich vom wichtigsten seiner Ämter, dem Gemeindepräsidium.

Höchstens für sechs Jahre

Somit steht fest, dass an den Gesamterneuerungswahlen am 15. April 2018 zwei Sitze im Birmensdorfer Gemeinderat frei werden. Bereits länger bekannt war, dass Werner Haab (SVP) nicht mehr antreten wird. Ein möglicher Nachfolger für Steiner steht bereit. Auf Anfrage gibt Bauvorstand Bruno Knecht (parteilos) bekannt, dass er sich für das Präsidium zur Verfügung stelle, sofern man keinen anderen Kandidaten finde. «Da ich bereits 62 Jahre alt bin, würde ich das Amt für vier bis sechs Jahre ausführen», sagt er. Ein jüngeres Mitglied des Gemeinderates hätte in dieser Zeit die Möglichkeit, sich einzuarbeiten und dann das Präsidium zu übernehmen. «Sollte sich jedoch bereits für die Wahlen 2018 ein Anwärter oder eine Anwärterin finden lassen, werde ich nur als Gemeinderat kandidieren», so Knecht. An einer Kampfwahl ums Präsidium werde er sich nicht beteiligen.

Aktuell sieht es aber nicht danach aus, als ob ihm jemand das Präsidium streitig machen würde. Die Gemeinderäte, die erneut kandidieren, Ringo Keller (SVP), Annegret Grossen Gabriel (FDP), Barbara Puricelli (FDP) und Paul Gähler (CVP) winken ab. Auf Anfrage bekunden sie kein Interesse am Amt.

«Sicher nicht aus der SVP»

Auch bei den Ortsparteien stehen alle Zeichen auf Gemeindepräsident Knecht: Stefan Gut, Präsident der SVP und Sohn des früheren Gemeindepräsidenten Jakob Gut, stellt unmissverständlich klar: «Werner Steiners Nachfolger kommt nicht aus den Reihen der SVP. So viel ist sicher.» Seiner Ansicht nach müsse das Präsidium mit einem aktuellen Gemeinderat besetzt werden. Aber: «Die SVP wird für ihre zwei frei werdenden Sitze im Gemeinderat zwei Kandidaten stellen», sagt Gut. Für einen der beiden Sitze kandidiert er selber. «Den zweiten Anwärter stellen wir im November der Öffentlichkeit vor.»

Bei der örtlichen FDP finden in den kommenden Wochen Gespräche darüber statt, ob man die zwei frei werdenden Sitze der SVP angreifen wird. Präsident Ruben Mangold sagt, dass ein paar wenige Personen angefragt worden seien. Es sei aber noch alles offen. Und für das Präsidium? Die Wahrscheinlichkeit, dass man nach der Absage der beiden FDP-Gemeinderätinnen an eine Kandidatur jemanden portiere, sei sehr gering, sagt Mangold. «Wir denken, das Präsidium sollte mit jemandem besetzt werden, der bereits im Gemeinderat einsitzt.»

Besitzstandswahrung gilt auch bei der CVP: Präsident Martin Missfelder bestätigt, dass Paul Gähler erneut gewählt werden wolle. «Wir stellen aber niemanden für einen zweiten Sitz auf.» Auch die örtliche SP portiert für die Wahlen niemanden, wie Sprecherin Susanna Stähelin Eglin sagt.

Ein Jungsozialist kandidiert

Trotzdem haben die Wähler im April eine linke Alternative zum bürgerlich dominierten Kandidatenfeld. Der Jungsozialist Samuel Wenk stellt sich für einen Platz in der Exekutive zur Verfügung. Der 19-Jährige studiert in Zürich Rechtswissenschaften und wohnt seit seinem sechsten Lebensjahr in der Gemeinde. «Ich erachte es als wichtig, dass auch eine Stimme der jungen Generation im Gemeinderat vertreten ist», sagt er auf Anfrage. Wie seine Chancen, gewählt zu werden, stehen, lasse sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Seine Kandidatur wird von der SP Birmensdorf unterstützt. Die SP Sektion Limmattal werde das Thema noch besprechen, sagt Stähelin Eglin.

Der Wunsch ist nicht neu

Mit dieser Ausgangslage wisse er, dass seine Gemeinde in guten Händen sein werde, sagt Steiner: «Denn als Gemeindepräsident ist man ein Stück weit der Vater von allen.» Im Dorf werde er oft angesprochen. «Vorwiegend von Senioren, die sich mehr Sitzbänke wünschen», sagt er schmunzelnd. Doch beabsichtigte er schon länger, seine politische Karriere zu beenden. «Nach genau 20 Jahren im Gemeinderat, davon 8 Jahre als Gemeindepräsident, habe ich nun lange genug im Dienst der Allgemeinheit gestanden», sagt er. Der Skiunfall habe ihn in seinem Wunsch, kürzerzutreten, nur noch bestärkt.