Wenn Werner Hogg (FDP) über seinen Rücktritt aus dem Dietiker Gemeinderat spricht, dann benutzt er das Wort «Abnützungserscheinung». Bereits bei seiner Abschiedsrede an der Sitzung von vorletzter Woche sagte er: «Mir ist mit der Zeit bewusst geworden, dass mir die Politik nicht mehr so viel Spass macht.»

Beim Kaffee ein paar Tage später erklärt Hogg, wieso ihm dieser abhandengekommen ist: «Gewisse Fragen und Diskussionen wiederholen sich im Rat immer wieder.» Für ihn ein wenig zielführendes Vorgehen, sondern eines, mit dem sich einzelne Gemeinderäte zu profilieren versuchten. «Viele Vorstösse sind fürs Publikum gedacht«, ist Hogg überzeugt.

Dabei nimmt er seine eigene Fraktion nicht von der Kritik aus. «Wenn wir wussten, dass die Medien über einen Vorstoss berichten, haben wir ein Votum dazu verfasst. Auch wenn wir dazu nichts zu sagen hatten.»

Auch der Unauffällige stichelt

Doch es ist nicht nur die «populistische Aufmerksamkeits-Politik», die sich aus Hoggs Sicht in den letzten Jahren durch die sozialen Medien akzentuiert hat und sein Verhältnis zur Politik etwas kritischer werden liess. «Früher wurde auch sachlicher politisiert», sagt er. Das kompromisslose Festhalten an der Parteilinie, persönliche Angriffe auf den politischen Gegner, das war nicht Hoggs Art, was ihm auch seine politischen Gegner hoch anrechnen. «Der Werni Hogg blieb immer sachlich und anständig», sagt SP-Gemeinderat Manuel Peer. Man habe mit ihm gute Streitdiskussionen führen können.

«Mir war immer wichtig, nicht zu fest an der Parteidoktrin festzuhalten, sondern das Wohl der Stadt zu verfolgen», sagt Hogg. Er habe sich auch schon auf die Seite der SP geschlagen, wenn diese einen vernünftigen Vorschlag in den Gemeinderat eingebracht habe. Mit bloss vier von 36 Sitzen im Rat ist die FDP auf Allianzen angewiesen. Und auch wenn es für Hogg «auf nationaler und kantonaler Ebene etwas anders aussieht», so habe die Zusammenarbeit mit der SVP in der Lokalpolitik durchaus Sinn gemacht. «Die CVP wäre der naheliegendste Partner, aber die war nicht immer zuverlässig», sagt Hogg.

Trotz seiner unauffälligen, fast schon schüchternen Art — nach 13 Jahren im Gemeinderat versteht auch er sich auf politische Sticheleien. Und auch wenn er nicht frustriert auf seine Zeit im Rat zurückschaut, kennt er das Gefühl, wenn Ideen an den Mehrheitsverhältnissen in der Legislative scheitern. «Grossen Frust» habe er verspürt, als er in einem Postulat die externe Überprüfung der Sozialabteilung gefordert habe. «Das Postulat wurde abgewiesen. Drei Jahre später hat der Gemeinderat den Stadtrat dann trotzdem damit beauftragt», sagt Hogg.

Als besonders positiv bleibt dem 63-Jährigen hingegen das Jahr als Gemeinderatspräsident in Erinnerung. Nicht wegen der Leitung der Sitzung, bei denen der Präsident ständig so tun müsse, als habe er alles im Griff. «Aber ich habe Menschen kennen gelernt, denen ich sonst nicht begegnet wäre.»

Zurück in die Schule

Bevor Hogg 2002 in die städtische Legislative gewählt wurde, war er acht Jahre Mitglied der Schulpflege. Und das Thema Schule, das liegt ihm auch jetzt noch am Herzen. So sei er fünf Stunden pro Woche in der Klassenbegleitung tätig, helfe Oberstufenschülern bei den Hausaufgaben, gebe ihnen Deutsch-Nachhilfe oder unterstütze sie bei Bewerbungen. Und auch vom Parkett der Dietiker Lokalpolitik wird Hogg nicht völlig verschwinden.

Er bleibt Präsident der FDP-Ortspartei. Dabei werde er sich mit der Gewinnung neuer Mitglieder beschäftigen, sagt Hogg. Das Amt des Präsidenten sei mit relativ viel Aufwand verbunden, gerade während der Wahlen. Von denen stehen in Dietikon die nächsten 2018 an. «Wenn der derzeitige Erfolg der FDP anhält, können wir allenfalls einen zusätzlichen Sitz im Rat gewinnen», sagt Hogg und in seiner Stimme schwingt der Reiz am politischen Spiel mit, der doch noch nicht ganz erloschen scheint.