Limmattal

Wer nicht spurt, muss an die Leine

Freddy Schär und Ralph Braun: Warten bis es los geht.

Freddy Schär und Ralph Braun: Warten bis es los geht.

Bei einem Hundespaziergang im Rudel suchen die einen Freiraum für ihren Vierbeiner mit Aggressionsproblemen, die anderen die besondere Herausforderung.

Luna will los. Ihre Augen betteln. Aber noch muss sie warten. Die schwarze Hündin ist einer der neun Vierbeiner, die sich zum traditionellen Sonntagsspaziergang des Hundedressurvereins Altstetten/Schlieren eingefunden haben. Sie sind schwarz oder braun, gross oder klein, sie winseln, bellen und jaulen und sie wollen alle nur das Eine: Endlich von der Leine und lostollen durch den Wald und über die Wiesen.

Streitereien unter den Vierbeinern seien selten, sagt Madeleine Eggenschwiler, Aktuarin des Vereins. Sie hat den Sonntagsspaziergang ins Leben gerufen. Je besser sich die Hunde kennen, desto ruhiger sei es, sagt sie. Sowieso seien Konflikte sehr selten – sei es mit Spaziergängern oder anderen Hunden, aber auch mit Velofahrern. Trotzdem müssen die Hundehalter gut aufpassen, wenn Velofahrer auftauchen. Immer wieder heisst es «Velo!» und die Hunde werden bei Fuss gerufen. Sie folgen brav.

Eskapaden haben Konsequenzen

Plötzlich dann doch ein lautes Gebell. Nala und Luna haben sich kurz in der Wolle. Der Streit ist aber schnell und ohne Einmischung der Zweibeiner geklärt. Ralph Braun ist immer wieder überrascht, wie ein Rudel Hunde absolut friedlich zusammen unterwegs sein kann. Seine Luna, die er als gesellig beschreibt, hat ihre ersten Lebensjahre in der Drogenszene verbracht. «Als sie zu uns kam, versteckte sie sich in den dunkelsten Räumen», erzählt er. Auch ihr Geruchssinn sei sehr schlecht. Ob das wohl stimmt? Nur kurz hat ihr Meister nicht aufgepasst, und schon hat Luna den Picknick-Platz einer Familie aufgespürt. Schwanzwedelnd macht sie sich über ein unbewachtes Sandwich her. Die Familie nimmt es gelassen. Sie hatten auch einmal einen Hund und daher grosses Verständnis. Aber für Luna haben die Eskapaden Konsequenzen: Jetzt heisst es, an der Leine zu gehen.

Auch Simba darf nicht frei laufen. «Er meint, er wäre ein paar Nummern grösser», sagt seine Besitzerin Elke Müller. Der Dreikäsehoch hat ein Aggressionsproblem und deshalb suchte Elke Müller eine Gruppe, wo ihre beiden Hunde Freiraum haben. Im Hundedressurverein hat sie optimale Bedingungen gefunden und darum ist ihr selbst der Weg von Oberägeri nicht zu weit.

Die Sonne brennt vom Himmel, Zeit für ein Bad in der Reppisch. Und natürlich schüttelt man sich als richtiger Hund danach nicht irgendwo, sondern am liebsten neben den Beinen seines Herrchens. Auch Deep weiss, wie das geht. Er ist die Nachwuchshoffnung von Raphael Gmür, der mit seinen Hunden Agility trainiert. Seine Zora hat bereits an Europameisterschaften teilgenommen und wurde Vierte an Schweizermeisterschaften. Für ihren Besitzer sind die Spaziergänge eine besondere Herausforderung, weil er vier Hunde hat: «Es ist mir wichtig, sie trotzdem unter Kontrolle zu haben und das ist im Rudel doppelt schwierig. Wenn ich sie rufe, müssen alle vier kommen.»

Bei den Militärattrappen im Reppischtal angekommen, dürfen die Hunde endlich loslegen. Sie tollen über die Wiese, jagen sich, kugeln übereinander. «Wie die Kinder – bis einer zu heulen beginnt», sagt Madeleine Eggenschwiler lachend. Rocky ist das alles langsam zu viel. 15 Jahre hat er auf dem Buckel und für ihn und seine Kumpanen Cicago und Luna heisst es darum diesmal: nur die kurze Runde und dann wieder Richtung Heimat. Die Drei scheinen nichts dagegen zu haben. Sie haben für diesen Tag die Schnauze voll.

Hundespaziergang jeden 1. Sonntag im Monat. Treffpunkt beim Parkplatz Aldi, Reppischhof in Dietikon

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