Glace verkaufen im Freibad, Gestelle auffüllen beim Grossverteiler, Putzen im Krankenhaus oder im Schulhaus – wer während der Sommerferien erste Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln will, muss sich sputen. So kurz vor den Ferien sind die Jobs rar.

«Die Suche läuft gerade sehr rege», sagt Benno Kästli, Geschäftsführer der comperio.ch AG, die vor 13 Jahren die Website www.ferienjob.ch lanciert hat. «Viele Jugendliche suchen auf den letzten Drücker einen Job.» Viel zu spät: Wer einen Ferienjob auf sicher haben will, sollte laut Kästli nach Ostern mit der Suche beginnen. Derzeit sind auf der Website 250 Jugendliche registriert, die einen Ferienjob suchen – während nur gerade 70 Unternehmen einen Job anbieten. Bei den Anbietern handle es sich hauptsächlich um KMU, sagt Kästli: «Die Angebote bleiben meist nur ein, zwei Tage aufgeschaltet. Dann haben die Firmen bereits so viele Anfragen, dass sie die Anzeigen wieder vom Netz nehmen.»

Gute Referenz und Sackgeld

Beim BIZ Urdorf, dem Berufsinformationszentrum für die Bezirke Dietikon und Affoltern, hält sich die Nachfrage nach Ferienjobs in engen Grenzen. «Ferienjobs sind ein Randthema, wir haben nur vereinzelt Jugendliche, die sich danach erkundigen», sagt Leiterin Christine Viljehr. Während Ferienjobs früher nahezu Tradition hatten, hätten Jugendliche heute meist anderes vor. «Heute gibt es vermehrt Freizeitangebote wie beispielsweise den Ferienpass.»

Dabei sei der Vorteil von Ferienjobs nicht zu unterschätzen: «Wer bereits einmal Arbeitsluft geschnuppert hat, hat andere Erfahrungen», sagt Viljehr. Ferienjobs, egal welcher Art, seien eine gute Referenz für die spätere Lehrstellensuche. «Es zeigt unter anderem, dass der Jugendliche aktiv sein wollte und Initiative gezeigt hat. Das kommt sehr gut an.»

Für die Suche nach einem Ferienjob rät Viljehr, sich im engeren Umfeld umzuhören und nicht via Internet zu suchen. «Die Jugendlichen können bei Betrieben im Dorf nachfragen, bei Verwandten und Bekannten.» Auch sollte man sich bei grösseren Unternehmen nicht scheuen, direkt beim Filialleiter oder beim Geschäftsführer anzufragen.

Heugabel statt Minigolfschläger

Ferienjobs der etwas anderen Art bietet der Verein Agriviva an – hinter dem modernen Namen versteckt sich der gute alte Landdienst. Die Jugendlichen leben für eine bestimmte Dauer bei einer Bauernfamilie und unterstützen diese bei den alltäglichen Arbeiten. Dafür bekommen sie nebst Kost und Logis ein Taschengeld von 12 bis 20 Franken pro Tag. «Agriviva ist kein klassischer Job zum Geldverdienen», sagt Geschäftsleiterin Karin Schäfer. Vielmehr gehe es darum, den Bauernalltag zu erleben, sich in eine Familie zu integrieren und in der Natur mit Tieren zu arbeiten.
Das Interesse an Agriviva ist noch immer sehr gross. Im letzten Jahr wurden über 300 Jugendliche aus dem Kanton Zürich vermittelt; schweizweit waren es sogar 2500. «Es läuft sehr gut, oftmals ist die Nachfrage der Jugendlichen grösser als das Angebot an Stellen», sagt Schäfer. Einer der Gründe dafür ist die Terminierung der Schulferien. Schäfer: «Die Bauern haben meist im September sehr viel zu tun und wären froh um jede helfende Hand; die Herbstferien beginnen aber erst im Oktober.»