Das strahlende Wetter hält die Nachwuchsschauspieler des Kinder- und Jugendtheaterkurses nicht davon ab, voller Freude in den Singsaal im Schulhaus Steinmürli in Dietikon zu strömen. Während die einen am Klavier herumklimpern, blasen andere in die Posaune oder tauschen sich mit ihren Theaterkollegen und -kolleginnen über den Start ins neue Schuljahr aus.

Als dann alle eingetroffen sind, versammelt sich die noch ein bisschen übermütig wirkende Gruppe auf der Bühne. Zuerst müssen alle ihre gestreiften Kostüme anziehen. Anschliessend stehen Konzentrationsübungen auf dem Programm. Plötzlich lachen alle lautstark heraus – in der nächsten Sekunde ist es wieder ganz still. Auch wütend sind sie einen Moment lang und dann wieder ganz schüchtern. Nach rund 15 Minuten sind alle bereit für ihre drittletzte Probe vor dem grossen Auftritt. Jeder weiss genau, wohin er stehen muss und alle stimmen routiniert das erste Lied an.

Zum Theater gehört auch Singen: Das machen die Kinder besonders gerne

Zum Theater gehört auch Singen: Das machen die Kinder besonders gerne

Unter der Leitung von Stefan Baier und Heidi Christen von der Theateria Dietikon werden die Kinder heute im Rahmen des Freilufttheatertags in Dietikon ihre Vorstellung «Sachen zum Lachen» aufführen. Veranstaltet wird der bereits 26. Freilufttheatertag vom Verein Theater Dietikon in Zusammenarbeit mit der Theateria. Nebst der Aufführung vom Kinder- und Jugendtheaterkurs werden auch andere Künstler wie Michael Huber mit seinem Figurentheater, Linaz und die A-cappella-Gruppe «The singing Pinguins» auftreten. Am Abend können gewandte Wortakrobaten sich beim ersten Jazz-Slam messen – mit musikalischer Begleitung einer Live-Jazz-Band.

In 18 Stunden zum Theaterstück

Für die letzte Sommerferienwoche konnten sich Jugendliche und Kinder ab fünf Jahren, die Spass am Theaterspiel haben, für den von der Theateria organisierten Kinder- und Jugendtheaterkurs einschreiben. Sie probten jeden Morgen drei Stunden. «Es ist immer wieder eine Herausforderung, in nur 18 Arbeitsstunden ein Theaterstück auf die Beine zu stellen», sagt Baier. «Professionelle Theaterspieler haben teilweise drei bis vier Monate Zeit, um sich vorzubereiten.» Schon seit 19 Jahren wird der Kurs jedes Jahr durchgeführt – und er ist immer wieder sehr beliebt. Dieses Jahr sind 22 Kinder mit dabei, die Jüngste ist erst vier Jahre alt. «Einige kommen jedes Jahr wieder und kennen sich schon super aus», sagt Baier.

Fast wie eine Dompteuse im Zirkus.

Fast wie eine Dompteuse im Zirkus.

Stefan Baier und Heidi Christen haben keine Zweifel, dass am grossen Auftritt alles klappen wird. «Ich bin nicht nervös, ich freue mich sehr darauf und habe ein gutes Gefühl», so Baier. Dieses Jahr seien viele neue Gesichter zu sehen, aber auch die Neuen seien sehr motiviert und konzentriert.

«Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten, ihre Spielfreude motiviert mich immer wieder aufs Neue», sagt Baier. «Sie erinnern mich an meine Kindheit – so bleibt das Kind in mir wach.» Er fühle sich immer wieder an ein Zitat von Max Reinhardt erinnert: «Das Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.»

Obwohl die Jungdarsteller beim Proben meistens konzentriert seien, gäbe es auch laute und zerstreute Momente, sagt Baier. «Sie sind dann aber schnell wieder auf das Wesentliche fokussiert.» Wichtig sind ihm und Heidi Christen beim Proben nicht nur Konsistenz, sondern auch spontane Änderungen. «Gestern haben wir noch eine kleine Szene eingebaut – das hält die Spannung und vor allem die Konzentration der Kinder hoch», so Baier.

Nicht nur am jährlichen Freilufttheatertag beteiligt sich die Theateria. Während des ganzen Jahres führt sie Projekte durch, an denen teilweise bis zu
40 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Doch vorerst freuen sich Stefan Baier und Heidi Christen auf die Begegnung mit dem Publikum heute Nachmittag.

«Sachen zum Lachen»

Samstag, 27. August, um 14.30 Uhr
Stadthausplatz Dietikon.