FC Religionen

Wenn Pfarrer mit Imamen tschutten: Der FC Religionen vereint Konfessionen

Pfarrer, Imame und Rabbiner auf dem Rasen: Der FC Religionen an einem Spiel in Zürich Wipkingen im Jahr 2018.

Pfarrer, Imame und Rabbiner auf dem Rasen: Der FC Religionen an einem Spiel in Zürich Wipkingen im Jahr 2018.

In der Mannschaft spielen Angehörige unterschiedlicher Religionen gegen Teams aus Gesellschaft und Politik und fördern so den interreligiösen Dialog.

Fussball verbindet — und das nicht nur Menschen, sondern auch Religionen. Das zeigt der FC Religionen. Die Mannschaft besteht aus Angehörigen verschiedener Konfessionen, darunter Pfarrer, Pfarrerinnen, Rabbiner und Imame. Zwei bis vier Mal jährlich spielen sie gegen Teams aus Gesellschaft und Politik. Am Dienstag tritt die Equipe anlässlich der Aktion «Woche der Religionen» gegen den FC Bosna an. Die beiden Teams spielen auf der Sportanlage Juchhof 2 in Zürich. Auch der FC Bosna hat einen religiösen Hintergrund. Die Mannschaft wurde 1996 in Schlieren von Fussballern gegründet, die gleichzeitig Mitglied in der Bosnischen Moschee in Schlieren waren.

«Unser Ziel ist es, zu gewinnen. Der FC Bosna wird aber ein harter Gegner sein, denn er trainiert im Gegensatz zu uns regelmässig», sagt Felix Reich. Der 42-Jährige ist Chefredaktor der evangelisch-reformierten Zeitung «reformiert» und kickt für den FC Religionen. Er organisiert jeweils die Spiele und Trainings. «Weil wir kein Verein sind, haben wir keinen fixen Platz. Manchmal dürfen wir im Letzigrund spielen», sagt Reich. Man habe bereits gegen verschiedene Teams gespielt. So etwa gegen den Gemeinderat der Stadt Zürich, den Kantonsrat, Sportjournalisten oder gegen Mitarbeitende des FC Zürich.

Die Idee, ein multireligiöses Fussballteam auf die Beine zu stellen, hatte Christoph Sigrist. Der Pfarrer am Grossmünster in Zürich rief das Team anlässlich der Fussballeuropameisterschaft 2008 ins Leben. «Als ich 2012 dazu stiess, war die Sache etwas eingeschlafen. Ich war auf Anhieb begeistert und gemeinsam mit Christoph Sigrist suchte ich nach neuen Spielern und Teams, gegen die wir antreten konnten», erzählt Reich.

Felix Reich, Chefredaktor von «reformiert», organisiert die Spiele des FC Religionen seit 2012.

Felix Reich, Chefredaktor von «reformiert», organisiert die Spiele des FC Religionen seit 2012.

Den Spielplan auf religiöse Feiertage abstimmen

Teilweise reisen die Spielerinnen und Spieler des FC Religionen von weit an. «Damian Pfammatter ist Jugendseelsorger in Visp. Für einen Match nimmt er insgesamt vier Stunden Weg in Kauf», sagt Reich. Das zeige, dass den Mannschaftskameraden die Sache am Herzen liege. Die Koordination der Spielzeiten ist für Reich nicht immer ganz einfach. «Seitdem ich die Spiele organisiere, kenne ich sehr viele religiöse Feiertage», sagt er und lacht. Am Samstag könne man zum Beispiel nie spielen, weil dann der jüdische Ruhetag Sabbat ist. Auch der Freitag sei in Sachen Fussball schwierig, da dann das muslimische Freitagsgebet, das wichtigste Gebet der Woche, stattfinde. Zudem sollte ein Spiel nicht in die Zeit des Fastenmonats Ramadan fallen. «Das ist für unsere muslimischen Teamkollegen mühsam.» Und auch Pfarrerinnen und Pfarrer seien manchmal verhindert, weil sie etwa Konfirmationsunterricht geben müssten. «Wir sind daher froh, wenn wir etwa 15 Personen für ein Spiel zusammenbringen. Es kann nicht jeder an jedem Match dabei sein, aber auf einen Spielerstamm von 12 Leuten kann man zählen.»

Speziell ist nicht nur die Zusammensetzung des FC Religionen, sondern auch dessen Trikots. «Wir alle tragen die Nummer 7 auf dem Rücken. Das ist zum einen taktisch praktisch, weil wir unsere Gegner so verwirren können, zum anderen ist die 7 eine heilige Zahl in diversen Religionen», sagt Reich. In der christlichen Zahlenmystik zum Beispiel steht die 7 für die Summe der göttlichen 3 und der 4, die das Menschliche symbolisiert, oder im Judentum hat der heilige Leuchter, die Menora, 7 Arme.

Gegen den FC Bosna werden nur Männer kicken können. «Unsere Pfarrerinnen sind derzeit verletzt», sagt Reich. Ihn reizt am FC Religionen, dass man anders mit verschiedenen Religionsvertretern ins Gespräch komme, als wenn man zum Beispiel an einen Vortrag zum interreligiösen Dialog eingeladen sei. «Zudem entwickelt man ein Vertrauensverhältnis zu seinen Mitspielern. Das hilft, Glaubensfragen auf eine viel empathischere Art zu diskutieren», sagt Reich. «Der FC Religionen ist ein Juwel, weil er genau dies ermöglicht.»

Weniger Hemmungen, heikle Fragen zu stellen

Das heisse aber nicht, dass man derselben Meinung sein müsse. «Aber gerade das auf dem Spielfeld gewachsene Vertrauen hat dazu geführt, dass ich viel weniger Hemmungen habe, auch einmal eine vermeintlich heikle Frage zu stellen», sagt Reich. Auch deshalb ist ihm das Zusammensein nach dem Spiel wichtig. Wenn man in diesem Rahmen zusammenkomme, merke man — so unterschiedlich die Ansichten manchmal auch seien —, dass alle Glaubensgemeinschaften oft vor ähnlichen Herausforderungen stünden. «Wir richten unseren Blick auf das, was uns verbindet, und das ist sehr viel.»

Auch Muris Begović begrüsst den sportlichen Austausch zwischen den Religionen. Für den Spieler des Teams FC Religionen ist der Match am nächsten Dienstag ein besonderer. Begović war von 2005 bis 2016 Imam in der Bosnischen Moschee in Schlieren und kennt einige der Spieler im Gegnerteam. «Der FC Religionen bildet unseren Alltag und unsere Gesellschaft ab», sagt der Geschäftsstellenleiter der Vereinigung der Islamischen Organisation Zürich. Man bewege sich in einem Rahmen, in dem es Regeln gebe, an die sich alle unabhängig von Überzeugungen, religiösen Ansichten oder Weltanschauungen halten müssten. «Für jeden gelten die gleichen Regeln und jeder hat das gleiche Ziel.»

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Autor

Sibylle Egloff

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