Birmensdorf
«Wenn niemand etwas tut, laufen die Atomkraftwerke noch lange»

Auf dem Hof des Landwirtepaares Dubs findet eine Solarbauern-Tagung statt. Ziel der Veranstaltung: Bauern sollen mehr Strom erzeugen. Die Dubs gehen mit gutem Beispiel voran. Ihre Dächer sind fast vollständig mit Solarzellen bedeckt.

Florian Niedermann
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Anita Dubs installierte auf dem Dach ihrer Scheune eine Photovoltaik-Anlage, die jährlich fast 100000 Kilowattstunden Strom liefert.

Anita Dubs installierte auf dem Dach ihrer Scheune eine Photovoltaik-Anlage, die jährlich fast 100000 Kilowattstunden Strom liefert.

fni

Der Bauernhof der Familie Dubs in der Birmensdorfer Lehrbreite fällt einem von weitem auf: Das Dach der Scheune ist spiegelglatt und von dunkelblauer Farbe. Die 722 Quadratmeter Dachfläche sind fast vollständig mit Solarzellen bedeckt. Es sei ihnen wichtig, einen Beitrag zum Atomausstieg zu leisten, sagt Anita Dubs: «Wenn niemand etwas tut, laufen die Atomkraftwerke noch lange.» Die Philosophie ihres Hofs sei es, möglichst alles selbst zu produzieren – zu Gemüse, Obst, und Milchprodukten sei nun der Strom dazugekommen, sagt Dubs.

Vor einem Jahr, als ihr Onkel, Walter Dubs, als Elektriker pensioniert wurde, ging die Familie an die Planung der Photovoltaik-Anlage auf ihrer Scheune. Seit Mitte November ist sie in Betrieb. Das Solardach soll künftig jährlich rund 99 828 Kilowattstunden Strom produzieren, zu Spitzenzeiten über 112 Kilowatt. Zum Vergleich: Eine vierköpfige Familie in einem Einfamilienhaus verbraucht durchschnittlich zwischen 4200 bis 5200 Kilowattstunden pro Jahr.

Zuschläge erhöt

Das Schweizerische Energiegesetz sieht seit 2009 kostendeckende Einspeisevergütungen (KEV) für Photovoltaik-Anlagen vor. Solaranlagen mit einer maximalen Leistung zwischen 10 und 30 Kilowatt werden heute entweder während eines begrenzten Zeitraums mit einem Beitrag des Bundes für jede verkaufte Kilowattstunde Strom oder einer Einmalvergütung von maximal 30 Prozent der Investitionskosten unterstützt. Anlagen mit einer Leistung unter 10 KW werden seit Anfang Jahr nur noch über Einmalvergütungen unterstützt, jene mit über 30 KW nur noch über KEV. Die Beiträge finanziert der Bund über einen Zuschlag auf jede verkaufte Kilowattstunde Strom von maximal 0,6 Rappen für die Bezüger, was jährlich 320 Millionen Franken entspricht. Der Nationalrat beschloss 2013 eine Erhöhung der Zuschläge auf 1,4 Rappen/kWh. (fni)

Die Familie Dubs setzt sich auch für die Verbreitung von Solarstrom-Anlagen ein. Am 8. Februar findet auf ihrem Gehöft eine Tagung statt, bei der Landwirte und andere Interessierte sich über alle technischen und finanziellen Aspekte der Solarstrom-Produktion informieren können. Vor Ort werden Fachleute und Nationalrat Bastien Girod (Grüne) als Kenner der Energiepolitik ihr Wissen weitergeben und Fragen beantworten.

Solarstrom soll Gewinn bringen

Die Tagung ist Teil des Projekts «Solarbauern» der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) und wird vom Oberengstringer Max Meyer geleitet. Das Projekt hat neben der Förderung der erneuerbaren Energiequelle auch zum Ziel, dass Bauern mithilfe von Photovoltaik-Anlagen Kosten einsparen können und gar eine Einnahmequelle erhalten. «Wir versuchen die Interessenten bei der Planung ihrer Investition zu unterstützen, damit sie davon auch wirklich profitieren können», so Meyer. Denn das sei wegen der Rahmenbedingungen nicht einfach gegeben.

Ab wann etwa die Solarzellen der Familie Dubs Gewinn abwerfen werden, ist unklar. «Die Kosten für die Anlage bewegen sich etwa in der Höhe einer dritten Säule», sagt Walter Dubs. Die Familie würde den gewonnenen Strom am liebsten speichern und grösstenteils selbst verwenden. Doch da Energiespeicher noch viel zu teuer und technisch nicht weit genug entwickelt seien, müsse man den Strom ins Stromnetz einspeisen, erklärt Dubs.

Das Elektrizitätswerk Zürich (EWZ) ist per Energiegesetz dazu verpflichtet, die gesamte Energie einer Anlage, die zu Spitzenzeiten über 10 Kilowatt produzieren kann, abzukaufen. Die Familie Dubs verkauft daher ihren gesamten Strom und bezahlt auch wieder für die Energie, die sie bezieht. «Dabei bezahlen wir dem EWZ für den bezogenen Strom mehr, als sie uns für den eingespeisten», sagt Anita Dubs.

Fördermittel reichen nicht aus

Der Bund unterstützt Bauprojekte für Anlagen wie derjenigen der Familie Dubs mit einer sogenannten kostendeckenden Einspeisevergütung (siehe Kontext). Das Problem ist, dass die Nachfrage die zur Verfügung stehenden Fördermittel bei weitem übersteigt: Am 1. Dezember 2013 befanden sich über 31 000 Projekte auf der Warteliste. Bisher wurde das Projekt der Familie Dubs noch nicht berücksichtigt. War die Photovoltaik-Anlage also eine Fehlinvestition? «Uns ging es um ein philosophisches Prinzip. Ob es sich finanziell lohnt, müssen Sie mich in 20 Jahren fragen», sagt Anita Dubs und lacht.

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