Dietikon

Wenn Kunst zum Spazieren oder Velofahren motivieren will

Bis November macht die Ausstellung Wachgeküsst Rundgänge an der Kantonsgrenze besonders interessant. Auf Spaziergänger warten Kunstinstallationen, die sich mit ihrer Umgebung auseinandersetzen und Denkanstösse geben wollen.

Im Limmattal gibt es nur Beton, Baustellen und viel Verkehr: Wer kennt die abgenutzten Klischees über die Region nicht? «Gerade in dieser Zeit des schnellen Wandels sollten wir uns auf unsere Natur besinnen», sagte der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) am Freitagnachmittag an der Eröffnung der Landschaftsausstellung Wachgeküsst. Die Region bietet nicht nur an der Limmat und auf den Hügelketten beidseits des Tals viel Natur und Erholung. Auch Mitten im Tal warten idyllische Landschaften darauf, entdeckt zu werden.

Zweck der Ausstellung sei es, sich mit dem Potenzial der Landschaft auseinandersetzen und dieses auf frische Art zu inszenieren, sagte Brigitta Johner (FD). Die alt Kantonsratspräsidentin und Präsidentin des Vereins Regionale Projektschau Limmattal (kurz: Regionale 2025), der hinter der Ausstellung steht, begrüsste die zahlreich erschienen Besucher hinter der Dietiker Stadthalle. Die Ausstellung führt bis zum 3. November auf einem 8,5 Kilometer langen Weg entlang der Grenze zwischen Dietikon, Oetwil, Spreitenbach, und Würenlos an elf Kunstinstallationen vorbei.

Geschichten schreiben, statt nur zu erzählen

«Wir sollten uns mehr mit unserem Lebensraum befassen und uns um ihn kümmern», sagte Johner. Mit Bezug auf den Titel Wachgeküsst verwies sie auf das bekannte Märchen Dornröschen. «Das Limmattal muss sicher nicht aus dem Tiefschlaf geweckt werden, aber vielleicht wurde hie und da ein wenig gedöst», sagte sie. Es gehe aber jetzt nicht darum, Geschichten zu erzählen, sondern Denkanstösse zu geben und vielleicht selbst Geschichten zu schreiben. «Lassen wir uns erfreuen, überraschen, bezaubern und auch ein wenig provozieren», schloss Johner ihre Rede.

Der Spreitenbacher Gemeindeammann Valentin Schmid erinnerte in seiner kurzen Ansprache daran, dass das Limmattal zumindest wirtschaftlich keinesfalls wachgeküsst werden müsse, sondern bereits eine wache Region und ein Wirtschaftsmotor der Schweiz sei. Er verlieh seiner Freude darüber Ausdruck, dass der Ausstellungs-Rundgang beide Kantone verbinde. Laut Jurypräsident Angelus Eisinger, Direktor der Regionalplanung Zürich und Umgebung, waren nicht nur gestalterische Qualitäten bei der Auswahl wichtig: «Die Projekte sollen Impulse geben für die Zukunft des Landschaftsraums und die Bevölkerung dazu bringen, in die Landschaft rauszugehen.»

Die anwesenden Gäste waren aber nicht nur gekommen, um Reden zu lauschen. An elf Marktständen stellten die Studierenden ihre eigenen Siegerprojekte vor. Insgesamt wurden
85 Ideen eingereicht von den vier teilnehmenden Hochschulen – die Zürcher Hochschule der Künste, die Hochschule für Technik in Rapperswil, die deutsche Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung in Konstanz und die Hochschule Luzern. Die ganze Ideenvielfalt konnte an der Vernissage im Eingang der Stadthalle begutachtet werden. Und Sébastien Czaka und Finn Thiele vom nahe gelegenen Fondlihof tischten regionale Leckereien und Apfelsaft aus eigener Produktion auf. Zudem luden Kutschenfahrten und eine gemeinsame Velotour dazu ein, gleich selbst in die Landschaft loszuziehen.

Meistgesehen

Artboard 1