Spreitenbach
Wenn Insekten auf dem Teller landen: Umwelt Arena lädt zur Degustation

Eine Ausstellung in der Umwelt Arena will Insekten als Lebensmittel schmackhaft machen – eine Selbsterfahrung.

Fabienne Eisenring
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Insekten
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Fast wie Popcorn: Am Apéro der Umwelt Arena in Spreitenbach überraschen Mehlwürmer mit ihrem nussigen Geschmack.
Vielleicht snacken wir Mehlwürmer schon bald vor dem Fernseher?
Das Küchenteam kochte zum ersten Mal mit Insekten. Das Resultat kann sich sehen lassen.
Die Ziegenkäse-Häppchen werden vor dem Servieren in Pumpernickel und gemahlenen Mehlwürmern gewendet.
Apfel-Sellerie-Suppe mit Grillen-Topping: Der Apéro wartet mit knackigen Extras auf.
Die Dauerausstellung «Welt des Essens« der Umwelt Arena diskutiert Insekten als mögliche Alternative zu Fleisch auf unserem Speiseplan.

Insekten

Limmattaler Zeitung

«Das schmeckt wie Popcorn», sagt eine Frau am Stehtisch nebenan. Sie hat gerade in einen Heuschrecken-Hintern gebissen. Ich aber fühle mich wie bei einer Mutprobe aus längst vergangenen Kindertagen. Schliesslich überwinde ich mich. Und merke: So schlimm schmecken Insekten tatsächlich nicht. Ihr nussiger Geschmack ergänzt raffiniert jenen unserer herkömmlichen Schweizer Gerichte. Heugümper-Quiche, geröstete Grillen auf Apfel-Sellerie Suppe, Mehlwürmer im Schoggimantel: Aufgetischt werden diese Speisen beim «CO2-reduzierten»-Apéro der Umwelt Arena in Spreitenbach, die heute ihre Ausstellung mit dem Namen «Welt des Essens» eröffnet.

Lesen Sie hier den Kommentar der Redaktorin

«Wir wollen damit keinen bestimmten Ernährungsstil propagieren», sagt Jörg Sigrist, Leiter der Umwelt Arena. Stattdessen sollen Besucher zum bewussten Fleischkonsum angeregt werden und das Potenzial der Insekten als nachhaltige Protein- und Mineralstoffquelle aufgezeigt bekommen. Nachhaltig – das Wort hat in Bundesbern Türen geöffnet. Seit dem 1. Mai ist das neue Lebensmittelgesetz in Kraft, das Schweizer Läden und Restaurants erlaubt, Insekten als Nahrungsmittel anzubieten. Zugelassen sind vorerst drei einheimische Arten: Grillen, europäische Wanderheuschrecken und Mehlwürmer. Verglichen mit Rindfleisch, kann mit der gleichen Menge an Futter bis zu zehnmal mehr Insektenfleisch gewonnen werden. Gleichzeitig stossen Insekten nur wenige Treibhausgase aus. «Sie haben das Zeug zum Lifestyle-Produkt», sagt Sigrist. Zunächst aber brauche es jemanden, der die Tiere in Serie produziert.

Kandidaten dafür gibt es bereits: Marius Wenk, Marketingleiter des Start-Ups Essento, das als Partner der Ausstellung anwesend ist, will Insekten auf Schweizer Teller bringen. Die Firma importiert sie aus dem EU-Raum. Wenk ist überzeugt, dass die Bereitschaft Insekten zu essen kulturell bedingt ist. Über 2,5 Milliarden Menschen in Südostasien sowie Teilen Afrikas und Lateinamerikas verzehren Insekten. «Die Abneigung, die wir in westlichen Ländern dagegen verspüren, ist anerzogen.» So habe er miterlebt, wie sich Kinder von Freunden getrocknete Insekten ohne Zögern in die Münder stopften. Soll also der Nachwuchs den Insekten zur kulturellen Akzeptanz verhelfen? Nicht wirklich, lacht Wenk. Er vermutet, dass Insekten-Food zunächst in Hipster-Szenen Abnehmer finden wird. Seinem Produkt sagt er einen ähnlichen Werdegang wie der Kartoffel voraus, die im 16. Jahrhundert von Südamerika nach Europa eingeschifft wurde. Bis sie aber fest auf dem Menüplan der Europäer stand, vergingen 200 Jahre. Ob Insekten auch so lange brauchen, ist fraglich. Schon bald werden die ersten Mehlwurmburger in den Coop-Kühlregalen liegen.

Die interaktive Dauerausstellung «Welt des Essens» in der Umweltarena Schweiz in Spreitenbach öffnet ab dem 4. Mai ihre Türen. Öffnungszeiten: Do, Fr 10 – 18 Uhr, Sa, So 10 – 17 Uhr.