Dietikon

Wenn Hexen auf Politiker treffen

Der neue Gemeinderatspräsident Jörg Dätwyler (Mitte) zusammen mit dem 1. Vizepräsidenten Martin Romer und der 2. Vizepräsidentin Esther Sonderegger.

Der neue Gemeinderatspräsident Jörg Dätwyler (Mitte) zusammen mit dem 1. Vizepräsidenten Martin Romer und der 2. Vizepräsidentin Esther Sonderegger.

Bei der Konstituierung des Gemeinderats wurde Jörg Dätwyler (SVP) zum neuen Präsidenten gewählt. An der anschliessenden Feier erhielt Dätwyler einen Vorschlaghammer und liess Hexen auf seine Kollegen los.

Zum letzten Mal schlug Cécile Mounoud am Donnerstagabend die Glocke auf dem Präsidiumspult des Dietiker Gemeinderats an. Die CVP-Politikerin läutete damit die konstituierende Sitzung ein, mit der ihre Amtszeit als Präsidentin des Stadtparlaments endete.

In einer kurzen Rede liess sie das Jahr als höchste Dietikerin noch einmal Revue passieren. Sie habe das Präsidium mit grossem Respekt angetreten und das Amt als junge Politikerin als Ehre empfunden. «Es war ein bewegtes Jahr mit sehr vielen Hochs und wenigen Tiefs», fasste Mounoud ihre Amtszeit vor ihren Ratskollegen, dem Stadtrat und aussergewöhnlich vielen Zuschauern zusammen. Sie habe sich als Präsidentin stets wertgeschätzt gefühlt, habe den Ratsbetrieb von einer anderen Seite kennen lernen dürfen und ihren Blickwinkel aufs politische Geschehen dabei erweitert.

«Ich habe ein innovatives und kompromissbereites Parlament erlebt», sagte Mounoud, bevor sie zu ihrer letzten Amtshandlung überging: der Wahl ihres Nachfolgers. Traditionsgemäss wurde dafür von der Interfraktionellen Kommission (IFK) der 1. Vizepräsident des Rates, Jörg Dätwyler (SVP), vorgeschlagen. Dieser wurde vom Gemeinderat mit 34 Stimmen bei einer Enthaltung ins Amt gehoben.

Amtsantritt mit Cicero

Dätwyler verlor zu seinem Amtsantritt zunächst nicht viele Worte. «Ich wünsche mir erspriessliche Zusammenarbeit fürs kommende Jahr», sagte er und dankte seiner Vorgängerin, der er als Vize habe über die Schulter schauen dürfen. «Wir haben noch zu tun», so der neue Präsident und leitete gleich zu seiner ersten Amtshandlung über: der Wahl des 1. Vizepräsidenten. Turnusgemäss rutschte der bisherige 2. Vizepräsident Martin Romer (FDP) auf den Posten nach, er erhielt von seinen Ratskolleginnen und Ratskollegen 31 Stimmen. Als 2. Vizepräsidentin rückte schliesslich Esther Sonderegger (SP) mit 27 Stimmen ins Präsidium nach.

Die Wahl der drei Stimmenzählenden fürs kommende Gemeinderatsjahr sorgte dann in der Sitzung für etwas Erheiterung: Cécile Mounoud wurde, kaum hatte sie das Amt der Ratspräsidentin abgegeben, mit Beat Hess (Grüne) und Nadine Burtscher (EVP) mit der Aufgabe betraut. Als Stellvertreter des Ratssekretärs wurde Marco Oberli gewählt, als Ersatz des abtretenden Wahlbüro-Mitglieds Armando Filippi Stefan Schwenker.

Zum Wohl der Dietiker

Nach dem Wahlprozedere richtete der neue höchste Dietiker das Wort noch einmal an die Gemeinderäte. «Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist», zitierte Dätwyler den römischen Politiker und Philosophen Cicero. Was im antiken Rom gegolten habe, das gelte auch heute noch in Dietikon, so der SVP-Politiker. Der Gemeinderat müsse zum Wohl der Dietiker Bevölkerung handeln. Von den Entscheiden des Rates profitierten nicht alle, es gebe dabei auch Verlierer. «Es ist aber in unserer Verantwortung, die Diskrepanz zwischen Gewinnern und Verlierern so gering wie möglich zu halten», forderte Dätwyler den Rat auf. Dieser solle diese Verantwortung übernehmen und auch zu unbequemen Entscheiden stehen.

"Alles geili Sieche"

Nach der in Rekordzeit abgehaltenen Sitzung feierte der Gemeinderat sein neues Präsidium zusammen mit der Bevölkerung im Foyer des Stadthauses. Die Feier war vom lokalen  Brauch- und Vereinstum geprägt: Die Stadtmusik Dietikon und die örtlichen Trychler- und Trachtengruppen unterhielten Gemeinde- und Stadträte sowie Besucher. Wie es die Tradition wollte, beschenkten sich der neue Gemeinderatspräsident und seine Vorgängerin am Ende des Abends. Cécile Mounoud überreichte Jörg Dätwyler für künftige Veloausflüge eine wasserfeste Karte des Kantons Aargau (unter Gejohle),  Vitamine – „falls es mal bergauf geht“ - und eine Flasche Wein, falls er vom intensiven Aktenstudium eine Auszeit brauche. 

Der neue Präsident revanchierte sich mit „10 Minuten Fasnacht“, wie er ankündigte. Kurz darauf lärmten, tanzten und humpelten die Dietiker Guggi-Häxä  durch die Festbankreihen und trieben mit den Anwesenden Schabernack.  Wer nicht aufpasste oder rechtzeitig die Flucht ergriff, dem wurde eine neue Frisur, ein  Bandana oder ein schicker Papierhut verpasst. Auch Dietikons Finanzvorstand  Rolf Schaeren musste dran glauben. Er nahm es aber gelassen und liess sich von Cécile Mounoud gar ein lila Herz auf die Stirn malen. Derweil blödelte Alt-Gemeinderat Rochus Burtscher mit einem schwarzen Spitzen-BH herum.

Dätwyler verliess die Feier am Schluss mit einem Vorschlaghammer. Damit er, wenn nötig, im Gemeinderat mal richtig auf den Tisch klopfen könne, wie Pius Baggenstos, Präsident der Trychlergruppe bei der Übergabe des Geschenks sagte. Von seinen Kameraden – Dätwyler ist schon lange Mitglied der Trychlergruppe –  erhielt er ausserdem ein paar Pfähle, von denen er in seinem Amtsjahr ja auch ein paar einschlagen müsse, so Baggenstos. Was der neue Amtsträger wenig präsidial kommentierte: „Ihr seid alles geili Sieche“.

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