Sport
Wenn Frauen ohne die Blicke der Männer trainieren wollen

Zwei Frauen und ein Mann betreiben im Limmattal ein Fitnesscenter für Frauen. Nur für Frauen. Für die Notwendigkeit eines solchen Angebots gebe es viele Gründe, meinen die Betreiber.

Julia Wartmann
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Nicht alle Frauen wollen in einem gemischten Fitnesscenter trainieren, sagen die Inhaberinnen von Mrs. Sporty, Raphaela Müller-Gasche (l.) und Yvonne Gasche.

Nicht alle Frauen wollen in einem gemischten Fitnesscenter trainieren, sagen die Inhaberinnen von Mrs. Sporty, Raphaela Müller-Gasche (l.) und Yvonne Gasche.

ZVG

Fett am Bauch verlieren oder gegen die Cellulite ankämpfen: Vielen Frauen sind diese Ziele nur all zu gut bekannt. Beim Sport wollen sie die eigene Figur auf Vordermann bringen. Andere wiederum trainieren, um ihr Wohlbefinden zu steigern, Stress abzubauen und einen Ausgleich zum Alltag zu finden.

Doch nicht alle Frauen fühlen sich in konventionellen Fitnesscentern wohl, in denen sie Seite an Seite mit hantelstemmenden Männern trainieren. Aus diesem Grund haben Yvonne Gasche und Raphaela Müller-Gasche in Schlieren das Frauenfitnesscenter Mrs. Sporty eröffnet, welches sie seit mehr als drei Jahren erfolgreich betreiben. Auch in Dietikon gibt es seit 15 Jahren ein Fitnesscenter nur für Frauen: das Ladies Gym.

Keine störenden Blicke

Von herkömmlichen Fitnessstudios unterscheiden sich die beiden Trainingscenter einerseits in der Art des angebotenen Programms und andererseits in der Atmosphäre, wie die Betreiberinnen sagen. Gasche sagt über ihre Mrs.-Sporty-Filiale in Schlieren: «Viele der Frauen, die bei uns trainieren, fühlten sich anderenorts von den Männern gestört.»

Anzügliche Blicke und Sprüche würden vom Training ablenken und seien ärgerlich. Dies bestätigt Carlo Eichenberger, Gründer und Leiter des Ladies Gym in Dietikon. Bei ihm trainieren sowohl ehemalige Missen wie auch stark übergewichtige Frauen.

Die einen wie die anderen seien froh darüber, sich wenigstens beim Sport keine Gedanken über ihr Aussehen machen zu müssen, sagt er. Das Gleiche gelte auch für Frauen, deren äussere Erscheinung sich aufgrund einer Erkrankung wie zum Beispiel Brustkrebs verändert habe. Es sei wichtig, findet Eichenberger, dass sich die Besucherinnen beim Training entspannen können, ohne Furcht vor starrenden Blicken.

Vorteilhaft seien die Frauenfitness-Clubs auch für Frauen aus anderen Religionen, sagt Gasche. Einigen von ihnen sei es ein Anliegen, in einem rein weiblichen Umfeld trainieren zu können. «In einem gemischten Fitnesscenter wäre das Training für gewisse Frauen undenkbar,» sagt sie.

Frauenfreundliche Kurse

Auch die Trainingsziele unterscheiden sich laut Gasche bei Männern und Frauen: Während Männer meistens sichtbare Muskeln aufbauen möchten, stünden bei etwa 90 Prozent der Frauen das Straffen des Körpers und die Gewichtsreduktion im Vordergrund.

Deshalb wird bei Mrs. Sporty ein speziell auf die Bedürfnisse der Frauen ausgerichtetes Zirkeltraining mit hydraulischen Geräten angeboten. Während 35 Minuten wechseln die Frauen sich an den insgesamt 18 Stationen ab. Dabei werden Kraft und Ausdauer gleichzeitig trainiert.

Ausserdem entstünden keine Wartezeiten vor den Geräten, sagt Gasche. Um Fett abzubauen, müsse frau beim Training den Fettstoffwechsel anregen. Mit Rumpfbeugen allein verliere man noch kein Bauchfett.

Im Ladies Gym stehen den Frauen neben einer offenen Trainingsfläche über 40 frauenfreundliche Kurse, wie beispielsweise Pilates, «Bodyforming» und ein Bauch-Beine-Po-Training, zur Auswahl. Vor einem Personaltraining füllen die Trainerinnen mit den Besucherinnen jeweils einen Fragebogen aus.

Weil die Fragen auch recht intime Themen wie Unterleibserkrankungen umfassen, findet es Eichenberger wichtig, dass sie von Frau zu Frau besprochen werden können. Spezielle Schwangerschaftsgymnastik sowie ein gratis Kinderhort sollen junge Mütter dazu animieren, nach einer Schwangerschaft so schnell wie möglich wieder Sport zu treiben.

«Ohne den Kinderhort wäre unser Fitnesscenter nicht so erfolgreich», sagt er. Bis zu 30 Kinder werden dort täglich betreut.

Mischung kann beleben

Auf der Trainingsfläche im Ladies Gym sind keine Männer erlaubt. Trotzdem werden einige der Kurse von Eichenberger und anderen männlichen Trainern geleitet. Die Kurse seien beliebt und effektiv, sagt Eichenberger. Für Kommentare von anderen Männern, wie «Yoga und Pilates, das ist ja nur Rumsitzen und Atmen», hat er nichts übrig. «Denen geht in meinen Privatstunden schnell der Atem aus.»

Im Fitnesscenter Dynamis in Schlieren unterrichtet Elsbeth Pantaleo gemischte Gruppen. Immer mehr Männer interessierten sich für ihre Pilatesstunden, sagt sie. Aktuell besuchen vier oder fünf ihre Stunden.

Sie findet die Mischung von Männer und Frauen im Training belebend: «Männer stöhnen schon mal ein wenig lauter oder machen einen Spruch, dann lachen alle.» Der einzige Ort, wo sie Verbesserungspotenzial sieht, ist die Sauna. Bisher gibt es pro Woche nur einen reinen Frauentag. «Schön wären zwei», findet sie.