Urdorf
Wenn finnische Rufe im Wald ertönen, sind die Schlittenhunde nicht weit

Die Trainingsphase der Schlittenhunde von Sonja Trindler und Matthias Misslin beginnt. Erst jetzt, bei Temperaturen um 12°C , kann mit dem Training begonnen werden.

Tabea Wullschleger
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Schlittenhunde in Urdorf
13 Bilder
Vor zwei Jahren gabs Hundenachwuchs in Urdorf
Solche offenen Hütten sind in Finnland über das ganze Land verteilt. Trindler und Misslin bieten nämlich auch Passagierfahrten an.
Die Menschen dick eingepackt, die Hunde mit Booties an den Pfoten - unterwegs in Finnland
Schnee und Eis so weit das Auge reicht - Trindler und Misslin mit ihren Hunden unterwegs in Finnlands Wildnis
Sicht vom Passagiersitz auf dem Schlitten. Trindler und Misslin bieten nämlich auch Passagierfahrten an.
Zuvorderst geht die Leithündin (rechts im Bild)
So sieht der Musher während der Fahrt, wie schnell er unterwegs ist und welche Distanzen er zurücklegt
Die Hunde können kaum warten, bis Matthias Missling alle im Gespann hat
Ein kurzer Halt während dem Training gehört dazu
Da Hunde nicht Schwitzen können und ihre Körpertemperatur übers Hächeln regulieren, kann man nur bei tiefen Temperaturen trainieren
Alle wollen trinken
Den Kastenwagen haben Sonja Trindler und Matthias Misslin selber mit Hundeboxen ausgestattet

Schlittenhunde in Urdorf

Limmattaler Zeitung

Die Hunde bellen nicht, sie heulen. Sie können es kaum erwarten, loszusprinten und zerren an der Leine. Wäre der Wagen nicht aufgebockt und mit Seilen am Auto festgebunden, die Hunde wären längst auf und davon. Rund 15 Kilogramm Gewicht kann ein Schlittenhund ziehen. Für die Trainingsfahrt sind sieben Hunde vor den Wagen gespannt, sie schaffen also locker ein Gewicht von 100 Kilogramm.

Erst jetzt, bei Temperaturen um 12°C , kann mit dem Training begonnen werden: «Da Hunde nicht schwitzen können, sind sie beim Rennen auf tiefe Aussentemperaturen angewiesen», sagt Sonja Trindler. Zusammen mit ihrem Mann Matthias Misslin betreibt sie das doch eher ungewöhnliche Hobby des Hundeschlittenfahrens, des Mushens. Es sei ihr Mann, der dieses Hobby hauptsächlich betreibe, sagt Trindler. «Ich mache den Spagat zwischen dem Hundeschlittenfahren mit meinem Mann und dem Ballonfahren mit meinem Sohn.»

Training für die Schlittenrennen

Zwar fährt Trindler ohne Probleme selbst als Musher, doch an den grossen Rennen in Skandinavien wird sie wohl wieder als «Dog handler» mit dabei sein, als Unterstützung neben der Rennstrecke also.

Jedes Jahr verbringen die Urdorfer mehrere Wochen im hohen Norden. Das Highlight der Saison seien die mehrtägigen Touren in der Wildnis Finnlands mit Strecken bis 60 Kilometer pro Tag, bei denen die Hunde draussen und die Menschen in einfachen Hütten übernachteten. Gereist wird in einem umgebauten Transporter, in dem die Huskys Boxen und die Menschen ein Bett zum Schlafen haben. Die zehn Hunde von Misslin und Trindler sind von klein auf an die Box im Auto gewöhnt. Ohne Probleme können die Tiere so überall hin mitgenommen werden.

Den Sommer verbrachten die Hunde im grossen Auslaufgehege rund ums Haus in Urdorf. «In den warmen Monaten ist faulenzen angesagt», sagt Trindler. Ab und zu würde sie mit einem oder zwei Hunden auch in den Bergen wandern gehen. Nach dieser Ruhephase wird das Training langsam intensiviert, bis im Winter drei Mal wöchentlich 20 Kilometer gefahren werden. Beim Training wird ein vierrädriger Wagen gezogen. Wie beim richtigen Schlittenfahren werden die Kommandos der Leithündin auf Finnisch zugerufen, die Hunde folgen aufs Wort.

Eigener Zuchterfolg

So gibt es bei den Fahrten im Wald auch keine Probleme mit Spaziergängern. «Nur wenn freilaufende Hunde zu nah kommen, könnte es kritisch werden, da unsere Huskys sich als Rudel fühlen», sagt Trindler. Einen Zwischenfall habe es bis jetzt keinen gegeben, aber es sei wichtig, dass die Hunde an die Leine genommen würden.

Kontakt zu anderen Schweizer Mushern habe man fast keinen: «Unsere Hunde sind Langstreckenläufer. Hier fahren jedoch viele an Kurzstreckenrennen, wo es im Wesentlichen um Geschwindigkeit geht», sagt sie.

Seit gut 15 Jahren haben die Urdorfer nun schon Huskys, die meisten stammen direkt aus skandinavischer Zucht. Vor zwei Jahren gab es zum ersten Mal eigenen Hundenachwuchs; fünf Welpen wurden grossgezogen und stehen heute teilweise selbst vor dem Wagen.

Mit einem Ruck setzt sich dieser in Bewegung - spätestens jetzt bei der Fahrt versteht auch der Laie die Faszination des Hundeschlittenfahrens.