Birmensdorf-Aesch
Wenn es bei den Lernenden brennt, ist er zur Stelle

Zum 20-jährigen Dienstjubiläum tritt Beat Schlund als neuer Feuerwehr-Ausbildungschef an.

Gabriele Heigl
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Das Feuerwehrdepot in Aesch ist sozusagen das zweite Zuhause von Beat Schlund.

Das Feuerwehrdepot in Aesch ist sozusagen das zweite Zuhause von Beat Schlund.

Sandra Ardizzone

Als die Fotografin – kaum in Aesch angekommen – noch schnell das Licht der gerade untergehenden Sonne nützen will, rangiert Beat Schlund nach ihren Anweisungen ein Einsatzfahrzeug an die richtige Stelle. Von vornherein hat er schon mal das passende Tenue zum Fototermin angezogen. Im Grunde muss die Fotografin nicht mehr viel sagen. Die Bilder sind in weniger als 15 Minuten im Kasten. Überlegtes, effizientes Handeln muss man diesem Mann nicht mehr beibringen. Er agiert ruhig, zielorientiert und mit Übersicht. Seit 20 Jahren versieht Beat Schlund (35) seinen Dienst bei der Feuerwehr Birmensdorf-Aesch.

Als 15-Jähriger stiess er genau zu dem Zeitpunkt dazu, als der Zweckverband gegründet wurde. So ist das Jubiläum des Verbandes auch sein Dienstjubiläum (siehe Info «Die Feuerwehr zeigt, was sie kann»). Feiern kann der Aescher in diesem Jahr aber auch noch eine neue Aufgabe, die ihm von den Gemeinderäten Aesch und Birmensdorf übertragen wurde: Seit Anfang Jahr ist Schlund der Ausbildungschef des Teams.

Nach den Stationen Zugführer und Atemschutzchef ist es die dritte Führungsaufgabe in der Feuerwehr für den Oberleutnant. Als der bisherige Ausbildungschef im letzten Jahr wegzog, meldete Schlund im Kader sein Interesse an. «Es ist ein interessanter Posten, bei dem auch viele administrative Aufgaben anfallen, die mir Spass machen.» Nun ist er also der oberste Ausbildner von gut 50 Feuerwehrleuten, die in zwei Zügen mit je 20 Aeschern und 20 Birmensdorfern in der Verkehrsabteilung und bei der Sanität ihren Dienst tun. Auch 8 Frauen sind darunter.

Früh das Führen gelernt

Schlund ist Aescher von Geburt. Er absolvierte zunächst eine Schreinerlehre, bildete sich zum technischen Kaufmann weiter und arbeitet seit acht Jahren als Verkaufsleiter bei einem Chamer Unternehmen. Der Militärdienst war für Schlund ein Meilenstein in seiner Ausbildung. «Dort bekommt ein junger Mann früh die Gelegenheit, führen zu lernen. Das ist ein grosser Vorteil. Man muss unter verschärften Bedingungen handeln. Dabei funktioniert man, oder man funktioniert eben nicht. Das ist sehr lehrreich», so Schlund.

Die Feuerwehr zeigt, was sie kann

Am 1. Juli feiert die Feuerwehr Birmensdorf Aesch das zwanzigjährige Bestehen ihres Zweckverbandes mit einem Tag der offenen Tore. An diesem Tag können die Depots in Birmensdorf und Aesch besichtigt werden. Es wird ein Shuttlebus verkehren. Darüber hinaus präsentieren die Feuerwehrleute, was sie können: bei der Bekämpfung von Feuer und bei Materialdemonstrationen. Hunger und Durst kann an Verpflegungsständen bekämpft werden. (GAH)

Auch die Einsätze bei der Feuerwehr seien immer eine Herausforderung. «Man muss sich innerhalb von Sekunden entscheiden und kann erst im Nachhinein analysieren, ob die Entscheidungen die richtigen waren.» Wichtig sei, dass man jeweils sein Möglichstes gibt. Der hohe Einsatz von Beat Schlund ist auch für seine Frau und seine zwei kleinen Jungs herausfordernd. Die Dienste, die Einsätze, die Kurse, die Übungen vor Ort und in den Ausbildungszentren für Brandbekämpfung lassen nicht viel Freizeit übrig.

Bei der Frage, was ihn für diese Aufgabe auszeichnet, überlegt er erst einen Moment. Dann sagt er: «Ich bin organisiert, belastbar, loyal. Man muss schon der Typ für diese Aufgabe sein.» Wird ihm die hohe Verantwortung, die er trägt, nie zu viel? «Nein, die Verantwortung drückt mich bis jetzt noch nicht.» Aber man müsse die Stärken und Schwächen seiner Leute schon gut kennen und sie danach einsetzen. «Bei uns kennt jeder den anderen. Auch mich kennt man, etwa aus der Schulzeit, vom Knabenverein. Bei der Feuerwehr bin ich mit vielen anderen von unten nach oben mitgelaufen.» Wichtig ist es, dass man sich nach Einsätzen noch austauschen kann. Auch das soziale Leben sei sehr wichtig, etwa dass man am Abend mal etwas miteinander trinken geht oder einen Grillplausch veranstaltet.

Dort ist dann auch Gelegenheit, sich auszutauschen über beliebte und weniger beliebte Übungen. «Es gibt Dinge, die man lieber macht, als eine Leiter rumzutragen», meint er lachend. Dabei hat der Ausbildungschef in diesem Bereich keinerlei Spielraum. Die Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) gibt die Themen für die Kurse und Übungen zwingend vor. Kontrollen und Inspektionen gibt es alle zwei bis drei Jahre.

Fitnesstraining bei der Feuerwehr

Vorgaben vonseiten der GVZ gibt es auch beim sogenannten Sollbestand, also der Anzahl der Feuerwehrleute. 50 müssen es für der Verband mindestens sein. Diese Zahl wird zwar erreicht. Früher waren es aber auch schon mal 80. «Die Tagesverantwortung wird je länger, je mehr zum Problem, weil die Leute nicht mehr im Ort arbeiten», so Schlund. Deshalb müsse man sich organisieren und etwa auch auf Nachbarschaftshilfe aus Urdorf setzen. «Schliesslich ist die Vorgabe, dass innerhalb von zehn Minuten zehn Mann am Einsatzort sein müssen», erklärt Schlund. Aus diesem Grund freut sich die Feuerwehr Birmensdorf-Aesch immer über neue motivierte Leute.

Für Zugezogene sei die Integration im Ort als Mitglied bei der Feuerwehr schneller möglich, man nehme teil am Vereinsleben und könne auf den Zusammenhalt untereinander zählen, macht Schlund Werbung für die Aufgabe. «Man muss nur gewillt sein, anzupacken, körperlich schwere Arbeit zu leisten und sich die Hände schmutzig zu machen.» Der Lohn dafür sei nicht nur die Besoldung, sondern auch körperliche Fitness, so Beat Schlund.