Urdorf
Wenn ein Klotz zum Kind wird

Die Spielbühne brachte die Zuschauer bei der Premiere des Lustspiels «Bischsicher?» völlig ausser Atem

Mojan Salehipour
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Noch hat Hugo Klotz, gespielt von Stephan Strässle, das geheimnisvolle Fläschchen nicht geöffnet.
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Hugo Klotz (gespielt von Stephan Strässle) erlaubt sich einen Spass mit seiner Familie. Nur ist er der einzige, der daran Freude hat.
Premiere der Spielbühne Urdorf
Die geliebte Verwandtschaft und Belegschaft gratuliert ganz herzlich zum Geburtstag
Herbie (gespielt von Thomas Senn) gilt als liebenswerter Spinner. Hier hat ihn aber jemand zornig gemacht.
Der verhängnisvolle Schluck vom mysteriösen Elexier

Noch hat Hugo Klotz, gespielt von Stephan Strässle, das geheimnisvolle Fläschchen nicht geöffnet.

Mojan Salehipour

«Ich kann nicht mehr», sagt eine Frau und schnappt nach Luft. «Gleich fall ich vom Stuhl», hört man jemanden neben ihr keuchen. Man könnte meinen, es handle sich um einen gesundheitlichen Notfall oder einen Hilferuf. Dem ist nicht so. Im Gegenteil: Im Embri-Saal in Urdorf werden diese Äusserungen von kreischendem Gelächter begleitet. Die Spielbühne Urdorf feiert mit ihrem neuen Stück «Bisch sicher?» Premiere und der Saal ist voll. Gerade neigt sich der dritte und letzte Akt dem Ende zu – die anwesenden Gäste sind völlig ausser Atem.

Mit dem Lustspiel hat die Spielbühne Urdorf das Publikum auf eine hundertzwanzig-minütige Achterbahnfahrt geschickt. Wer meint, erst der dritte Akt wäre verantwortlich für die Kurzatmigkeit der Zuschauer, liegt falsch. Die Geschichte des taktlosen Unternehmers Hugo Klotz, der durch die Einnahme eines mysteriösen Elixiers die Welt plötzlich nicht nur mit Kinderaugen sieht, sondern sich fortan auch wie ein Fünfjähriger benimmt, unterhält von Anfang bis Ende mit witzigen Dialogen und komischen bis skurrilen Szenen.

Von bissig bis liebenswert

Die schauspielerische Leistung und authentische Art des Ensembles erlaubte es dem Zuschauer, komplett in die Welt der teils verschrobenen, teils bissigen, aber auch liebenswerten Figuren einzutauchen. Mit Stephan Strässle als Hugo Klotz und Thomas Senn als «Herbie» wurden tragende Rollen mit zwei Theater-Neulingen besetzt. Eine risikoreiche Entscheidung des Regisseurs Walter Riedle, die sich als richtig erwies: «Die Besetzung hätte nicht besser sein können. Die Schauspieler haben die Rollen gelebt. Das ist auch der Anspruch, den ich bei den Vorbereitungen vermittle», sagt er.

Strässle und Senn sind nach ihrer doppelten Premiere fast genauso ausser Atem wie das Publikum, aber auch zufrieden und dankbar: «Es war eine unglaubliche Stimmung im Saal», sagt Strässle und auf die Frage, wie es war, das erste Mal auf der Bühne vor gefüllten Rängen zu spielen, antwortet Senn: «Wenn die Leute so dabei sind, dann spornt das extrem an und man vergisst ganz, dass man spielt.»

Trotz anfänglicher Bedenken und Nervosität ist die Erleichterung nach der Premiere gross. Das Publikum ist mehr als begeistert: «Es war genial. Einfach genial und unglaublich witzig. Ohne Frage das beste Stück, das wir hier bisher gesehen haben», sagt etwa Ursula Braun. Ihr Sitznachbar Fritz Dold stimmt zu und merkt an: «Das Stück war wirklich witzig, aber auch nicht inhaltsleer. Die Dialoge sind sehr alltagsnah und die Geschichte ist gut erzählt.»

In «Bisch sicher?» geht es um Familie, Freundschaft und Loyalität, aber auch darum, wie man mit seinen Nächsten umgeht und was im Leben wirklich wichtig ist. Es geht um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht, aber auch um zweite Chancen und wichtige Entscheidungen. Nachdem sie jahrzehntelang einen mürrischen Dickkopf als Ehemann hatte und dieser plötzlich zu einem albernen, aber liebenswürdigen Kindskopf geworden ist, muss sich etwa Klotz’ Ehefrau fragen, ob sie wirklich wieder tauschen möchte: «Bisch sicher?»