Handball

«Wenn du das Ganze an die Wand fährst, nagt die Niederlage an dir»

Tom Widmer (auf dem Sitzplatz an seinem Arbeitsort in Zürich) mit der Abbildung einer Spielszene aus der Abstiegssaison 2010/11.

Tom Widmer (auf dem Sitzplatz an seinem Arbeitsort in Zürich) mit der Abbildung einer Spielszene aus der Abstiegssaison 2010/11.

Wir wussten, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen müssen. Die Effretiker waren ein Gegner, der uns eigentlich liegt. Sie mussten auch fighten, um mindestens einen Punkt zu holen, der ihnen für den Ligaerhalt reicht.

Für mich an der Seitenlinie war es brutal. Du kannst als Trainer nur beschränkt Einfluss nehmen. Du kannst ja nicht selbst die Tore schiessen.

Ich war selbst Torhüter und wusste, dass man mit Konzentration viel herausholen kann. Wir machten beruhigende Atemübungen, die wir an einem J+S-Kurs gelernt hatten. Jeder wusste, worum es geht. Für die Jungen war es sichtbar schwieriger als für die Älteren, mit dem Druck umzugehen. Die Partie war sehr ausgeglichen und bis zum Ende hart. Wir hatten in der Schlussphase einige Chancen auf den Sieg und vergaben ihn schliesslich selbst. Am Ende hiess es 23:23, nur ein Tor fehlte uns zum Ligaerhalt.

Ich hatte erst auf diese Saison hin das Traineramt übernommen. Du weisst zwar, dass du nicht viel dafür kannst. Aber wenn du das Ganze dann gegen die Wand fährst, fragst du dich schon, ob du weitermachen willst. Es nagt an dir.

Die Ernüchterung und Enttäuschung in der Mannschaft waren im ersten Moment wahnsinnig gross. Im Anschluss an die Partie gingen wir zu einem Spieler nach Hause und machten ein Abschlussfest. Da war das Ganze bald nicht mehr so schlimm. Jeder wusste, dass es weitergehen wird. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Abstieg das Richtige war. Lang wäre es sowieso nicht mehr
gut gegangen.

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