Bachlechner-Preis 2016

Wenn Dietiker Kunst karibisches Flair versprüht

Auf Kuba fand Doris Bosshard künstlerische Inspiration. Im Dietiker Atelier setzte sie sich mit den erlebten Eindrücken ihrer Kuba-Reisen auseinander – jetzt erhält sie den Bachlechner-Preis 2016.

Über 1000 Fotos hat die Dietiker Künstlerin Doris Bosshard im Januar auf ihrer zweiwöchigen Reise durch Kuba gemacht. Schon vor 13 Jahren war sie für zwei Wochen dort. «Kuba fasziniert mich. Ich wollte schauen, ob sich etwas in dieser Zeit verändert hat», sagt die 63-Jährige.

Die Hauptstadt Havanna habe sich kaum geändert, wobei vielleicht doch: Etwas mehr Autos als früher gäbe es in den kubanischen Strassen. Was gleich geblieben ist, seien die abblätternden Fassaden kolonialer Bauten, die amerikanischen Autos aus den 1950er-Jahren, alte Telefone, überholte Ladenkassen, Schallplatten, mechanische Waagen und andere Relikte vergangener Zeiten, die wie selbstverständlich ihren Nutzen im zeitgenössischen Alltag der Kubaner entfalten.

Zurück in ihrem Dietiker Atelier setzt sich Bosshard mit den erlebten Eindrücken auseinander. Reisefotos und Notizen helfen ihr dabei. Die gelernte Innendekorateurin, die sich seit 20 Jahren intensiv der Kunst widmet und sich mit Kursen an Kunstakademien weiterbildet, hat sich der abstrakten Malerei verschrieben. «Meine Vorbilder sind Jean-Michel Basquiat, Mark Rothko und Cy Twombly», sagt Bosshard.

Für ihre aktuelle Bilderserie «Kuba» verwendet sie verschiedenste Techniken: Acryl, weisse Tusche, Kohle, Pigmente, Drucktechniken, Collagen und Fotos.

Doris Bosshard gibt ihrem Bild San Cristobal noch den letzten Schriftzug

Doris Bosshard gibt ihrem Bild San Cristobal noch den letzten Schriftzug

Als Hintergrund für ihr Bild «San Cristóbal» malt sie eine pastellfarbene, zerfallende Fassade ab, die sie in Kuba fotografiert hat. Bereits diese Grundierung bildet einen wichtigen Aspekt dieses sozialistischen Inselstaats ab: Die abbröckelnde Hausfront widerspiegelt die kubanische Gesellschaft.

Über die Jahre wurde diese Fassade immer wieder übermalt, doch Geld für richtige Renovationen ist keines vorhanden. Auf diesen Hintergrund klebt die Künstlerin Ausschnitte ihrer Reisefotos. Wahlweise übermalt sie diese auch. «Mit den vielfältigen Maltechniken gewinne ich Zeit, mich in die Welt meines Bildes einzuarbeiten, bis es für mich stimmig wird», sagt Bosshard. In den Farbschichten offenbart sich die Vielschichtigkeit ihrer Kunst.

Ruhe, die nachdenklich stimmt

Ihr Bild «La Guardina» sei nach einem Restaurant in Havanna benannt. Das Restaurant wurde bekannt durch den Film «Erdbeeren und Schokolade» des kubanischen Regisseurs Tomás Gutiérrez Alea aus dem Jahr 1993. «Im Innenhof stützen Holzgerüste das imposante Gebäude und im ersten Stock werden Tischtücher zum Trocknen aufgehängt. Erst im zweiten Stock wird man mit einem Blick über die Stadt und der kubanischen Gastronomie belohnt», erzählt Bosshard.

Trotz der ärmlichen Verhältnisse hätten die Kubaner einen fröhlichen Eindruck bei ihr hinterlassen. «Die Relikte aus alten Zeiten, die immer noch in Gebrauch sind, zeigen, wie die Kubaner in ihrem Alltag improvisieren, der geprägt ist von einem schwierigen politischen und wirtschaftlichen Vermächtnis», so die Malerin. Ihre rund 30 Bilder zu Kuba strahlen denn auch eine Leichtigkeit und Gemütlichkeit aus, die zum Nachdenken anregen.

Für diese künstlerische Leistung wird Bosshard am kommenden Samstag an der Vernissage ihrer Kuba-Bilder in der Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon mit dem «Hanns und Béatrice Bachlechner Preis» ausgezeichnet. «Wir arbeiten seit acht Jahren mit Doris Bosshard zusammen und beobachten mit Freude ihre Entwicklung als Malerin. Ihre Bilder begeistern uns und trotzdem ist sie als Person bescheiden geblieben», sagt Kunstgalerist Hanns Bachlechner.

Zusammen mit den Bildern der Malerin Claire Hoerdt werden auch die Werke zu Kuba von Doris Bosshard ausgestellt. Die Vernissage und die Preisverleihung finden in der Kunstgalerie Bachlechner in Bergdietikon am Samstag 12. November um 18 Uhr statt.

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