Der Champagner hat es in sich: Statt sich ans Drehbuch zu halten und unauffällig aus der Flasche zu ploppen, löst sich der Korken mit einem Knall und fliegt in hohem Bogen ins Publikum. Der Champagner ergiesst sich über den teuren Ledersessel. «Wir brauchen einen Lappen!», ruft Maximilian Odermatt und hechtet zu besagtem Möbelstück. Das Publikum lacht schallend.

An diesem Abend ist nur die erste Reihe des Zuschauerraums besetzt. Gäste sind aktive Mitglieder der Spielbühne Urdorf, die die Schauspieler hinter den Kulissen unterstützen.

Bis zur Hauptprobe am 22. März gibt es nämlich noch einiges zu tun: Die Türklingel läutet noch nicht nach Plan und der Tontechnik fehlt die Aufnahme einer Horde johlender junger Männer. Auch an die Kostüme müssen sich die Schauspieler erst noch gewöhnen. Nicht, dass sich Archi Odermatts Bademantel im falschen Moment öffnet und der Bühnenvorhang dafür nicht rechtzeitig zugeht.

Wie jedes Jahr führt die Spielbühne Urdorf ein Lustspiel auf, dieses Mal das Stück «Ladysitter» von Bernd Spehling. In drei Akten entwickelt sich Maximilian Odermatts letzter Abend als unverheirateter Mann zu einem Durcheinander aus greisen Bankräubern, Gartenzwergen und nymphomanischen Nachbarinnen. Der in Strömen fliessende Alkohol komplettiert das Chaos.

«Wir führen volksnahe Stücke auf, aber keine ‹Bauernschwänke›. Die Zuschauer sollen sich in den Charakteren wiedererkennen», sagt Beat Riedle, der die Hauptrolle des Maximilian Odermatt verkörpert. Das Theater liegt ihm am Herzen. Mit sieben Jahren hat er in den Spielpausen leere Fläschli eingeräumt, mit 13 Jahren hat er Parkdienst geleistet und mit 21 Jahren fand er dann: «Warum nicht?» und wurde aktives Mitglied der Spielbühne Urdorf. Der Verein lebt vom freiwilligen Engagement seiner rund 900 Passiv- und 24 Aktiv-Mitglieder.

Die Kulisse ist selbst gebaut, die Möbel eine Leihgabe. Die Schauspieler sind ausschliesslich Laien, trotzdem wirkt die Aufführung professionell. Schon seit September wird geprobt. Das Spiel an sich sieht locker aus, ist aber harte Arbeit.

«Eine Betrunkene zu spielen ist eine Herausforderung», sagt Sünje Sönnichsen, die Maximilians beste Freundin Betty darstellt. Bei der ersten Probe habe sie einen Einsatz verpasst. Und Coiffeuse Linda, dargestellt von Sabrina Haller, ruft herüber: «Hast du gesehen? Ich bin total cool geblieben, obwohl ich voll in die Dose mit dem Haargel gefasst habe!»

Von solchen Ausrutschern werden die etwa 3 000 Zuschauer, die die 13 Aufführungen besuchen, nichts mitbekommen. «Wir lassen uns nicht ablenken», sagt Walter Riedle beziehungsweise Bankräuber Archie Odermatt, den er im Stück spielt.