Weiningen
Wenn die Buchshecke und die Taglilien nicht nur die Besitzer entzücken

Der Garten von Evelyne und Bernhard Bürgisser ist einer von rund 30'000 Bijous in der Schweiz. Diesen Traumgarten zu erhalten fordert Leidenschaft und viel Pflege.

Carla Stampfli
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Historische Gärten 2
8 Bilder
Schnecken haben sich auf den Taglilien gemütlich gemacht
Glyzinien im Garten des Ehepaars
Rosarote Rosen erstrahlen auch bei Regenwetter
Eine Buchsbaumhecke umgarnt die Glyzinien
Das Ehepaar Bürgisser hegt und pflegt ihren Garten seit 19 Jahren
Die Aussicht auf das saftige Grün
Die präzis geschnittene Buchshecke

Historische Gärten 2

Carla Stampfli

«Sapperlot. Was machst Du denn da?», sagt Evelyne Bürgisser lachend und blickt auf die Taglilie in ihrem Garten in Weiningen: Auf einem Stiel der gelbroten Pflanze hat es sich eine Kellerschnecke gemütlich gemacht. Kein Wunder gefällt es dem Weichtier; der Garten von Evelyne und Bernhard Bürgisser ist ein kleines Bijou. Von Rosen, Dahlien, Akeleien bis hin zu Schwertlilien, Glyzinien, Thujabäumen oder Buchshecken, auf 1450 Quadratmetern blüht und grünt es, so weit das Auge reicht. Erst kürzlich wurde der Garten des Ehepaars in die Liste der historischen Gärten und Anlagen der Schweiz aufgenommen.

«Jedes Mal, wenn ich aus dem Fenster schaue, denke ich mir: ‹Wow, ist das schön›», sagt Evelyne Bürgisser. In der Tat ist der Ausblick auf die präzise geschnittenen Buchshecken, den Kiesweg, die Rosenbögen und den saftigen Rasen ein Augenschmaus. «Es ist so erholsam, draussen zu sitzen und die verschiedenen Tonalitäten des Grüns zu sehen», sagt die 60-Jährige. Hinter dieser Farbenpracht steckt aber auch viel Arbeit: Seit sie und ihr Ehemann das alte Riegelhaus in Weiningen vor 19 Jahren gekauft haben, sind sie daran, das Grundstück zu hegen und zu pflegen. «Der Garten war damals völlig verwildert», erinnert sich Bernhard Bürgisser. Die ehemaligen Besitzer seien zu alt gewesen, um sich um das Grün zu kümmern. Also haben die Bürgissers den Garten in den Jahren mit viel Liebe aufpoliert; neue Pflanzen, Hecken und Blumen gesetzt. Dass er heute zu den rund 30 000 schutzwürdigen historischen Gärten der Schweiz zählt, war für das Ehepaar eine Überraschung.

Der Traum hat sich verwirklicht

«Wir lieben unser Zuhause», sagt Evelyne Bürgisser, die sich im Garten vor allem um die Blumen kümmert. Für die anderen Arbeiten wie beispielsweise Mähen oder Zurückschneiden dafür ist ihr Ehemann zuständig. Bereits als Kind war Bernhard Bürgisser vom alten Riegelhaus mitsamt Garten fasziniert: Der 68-Jährige ist im Haus auf dem Grundstück nebenan aufgewachsen. Als der Weininger und die Stadt-Zürcherin im Jahr 1978 geheiratet haben, hat Bernhard Bürgisser sein Interesse kundgetan — knapp 20 Jahre später hat sich sein Kindheitstraum verwirklicht. «Für mich bedeutet der Garten gleichzeitig Erholung und Fitness», sagt der Forstingenieur, der ein Importgeschäft für fair produzierte und gehandelte Blumen führt. «Wir sind selten vor dem Fernsehen, weil wir abends gerne noch im Garten verweilen», sagt er lachend. Während des Winters, so Bernhard Bürgisser, gebe es nicht viel zu tun; von März bis Oktober hingegen schon. Rasen mähen, Pflanzen zurechtschneiden, Triebe stutzen oder Unkraut jäten. «Wir sind immer dran», sagt er und trennt ein vergilbter Zweig von der Hecke ab: Der Buchsbaum entlang des Kieswegs ist von einer Pilzkrankheit befallen. «Wir sind am Kämpfen und hoffen, dass er überlebt», sagt Bernhard Bürgisser. Vom gefürchteten Buchsbaumzünsler hingegen, davon sind die Pflanzen in diesem Jahr verschont worden.

Im Tessin gibt es auch Gemüse

Was immer mit der Hecke geschehen wird, auf dem Sitzplatz vor dem Riegelhaus stehen mehrere Töpfe mit Buchsbäumen bereit. «Die Stecklinge haben wir gesetzt, als wir frisch eingezogen sind», sagt Evelyne Bürgisser und fügt lachend an: «Wir haben vorgedacht.» Dass die beiden geübte Gärtner sind, hat nicht nur mit dem Beruf und mit Leidenschaft zu tun; die Bürgissers besitzen im Tessin ein zweites Haus — mit Garten. «Im Tessin pflanzen wir zusätzlich auch Gemüse an», sagt die 60-Jährige. Ob der Garten in der Sonnenstube denn auch auf der kürzlich veröffentlichten Liste figuriere? «Nein, nein. Nur der Garten hier in Weiningen», sagt sie lachend.