Urdorf
Wenn die Bagger kommen, ist die Liegenschaft leer

Die Siedlung «Im Heidenkeller» wird zurzeit zwischengenutzt — dies habe für den Hausbesitzer viele Vorteile. Die Verantwortlichen von «Projekt interim» erklären warum.

Alex Rudolf
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Die Siedlung «Im Heidenkeller» in Urdorf soll dereinst neu erstellt werden. Zurzeit ist jedoch noch ein Rekurs hängig.

Die Siedlung «Im Heidenkeller» in Urdorf soll dereinst neu erstellt werden. Zurzeit ist jedoch noch ein Rekurs hängig.

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Dass Zwischennutzungen in der Stadt Zürich boomen, ist weithin bekannt. Zu billigen Konditionen können dort meist Kreative in Fabrikarealen, Wohn- oder Bürohäusern Räumlichkeiten beziehen. Lukas Amacher gründete mit zwei Kollegen die Firma «Projekt Interim» und spezialisiert sich auf genau solche Nutzungen. Die Zürcher Firma bietet Liegenschaftsbesitzern Hilfe bei der Suche nach einem Gebrauchsleihverhältnis, so der rechtliche Terminus. «Es gibt keine Liegenschaft, die nicht zwischengenutzt werden kann», so Amacher über die Erfolgsaussichten seines Unternehmens.

An «Projekt interim» treten vor allem Besitzer eines Gebäudes, das kurz vor dem Um- oder Neubau steht und für eine gewisse Zeit unbewohnt bleibt. «Ein Nebeneffekt von Zwischennutzungen ist die Verhinderung einer möglichen Besetzung», so Amacher. Wie man an Beispielen aus der Stadt Zürich sieht, können Besetzer den Start eines Projekts verzögern. Die Besetzer stellen sich auf die Position, dass nicht auf Vorrat abgebrochen werden soll. Beim Modell, das Amacher anbietet, ist dies nicht möglich. «Das Gebrauchsleihverhältnis endet nach der vertraglich festgesetzten Frist», sagt er und verweist darauf, dass so für den Liegenschaftsbesitzer eine Planungssicherheit bestehe. «An dem Tag, an welchem die Bagger auffahren sollen, ist die Liegenschaft leer, sagt er.

50 preisgünstige Wohnungen

Das «Projekt Interim» betreut auch eine Liegenschaft in Urdorf. Die gemeinnützige Baugenossenschaft Limmattal plant für die Siedlung «Im Heidenkeller» Ersatzneubauten. Geht es nach der Genossenschaft, sollen dort 54 Wohnungen abgerissen werden und deren 61 neu entstehen — es soll eine leichte Verdichtung stattfinden. Dem dazugehörigen privaten Gestaltungsplan wurde von der Gemeindeversammlung Urdorf zugestimmt und er wurde vom Kanton genehmigt. Gegen die Baubewilligung, die im vergangenen September unter Auflagen und Bedingungen erteilt wurde, ist rekurriert worden und das Rechtsmittelverfahren zurzeit hängig, wie Rebecca Bauder von der Urdorfer Bauabteilung sagt.

Aufgrund der Blockierung des Projektes trat die Baugenossenschaft an «Projekt interim» heran. Seit vergangenem April vergibt diese die 50 Wohnungen in den 4 Mehrfamilienhäusern für wenig Geld. «Der Gebrauchsleihbeitrag beträgt ein Bruchteil eines in der Region üblichen Mietzinses», sagt Amacher und verweist darauf, dass bereits sämtliche Wohnungen vergeben sind — Nutzstart war im vergangenen April. Demografisch gesehen ist der Zwischennutzermix sehr variabel. Von jungen Singles über Familien bis hin zu älteren Menschen. Die Bewohner können voraussichtlich bis im Juni 2015 bleiben. Die Aussicht in knapp einem Jahr erneut auf Wohnungssuche zu gehen, bereite den Bewohnern keine Probleme, sagt Amacher. «Manche Leute suchen eine temporäre Bleibe, um sich im Leben neu zu orientieren», sagt er. Die Baugenossenschaft hofft also, dass bis in gut einem Jahr eine Lösung mit dem Rekurrenten gefunden wird.

Für weitere Projekte offen

Auch wenn die Vermieterpraxis einer Zwischennutzung nicht gewinnorientiert ist, so ist es das «Projekt interim». Die drei Inhaber finanzieren ihr Jungunternehmen damit, dass ihnen der Liegenschaftsbesitzer eine Verwaltungspauschale entrichtet. Im Bezirk Dietikon ist aktuell kein weiteres Projekt geplant, wie Amacher sagt. Man sei jedoch offen für Angebote.