Der Abend fängt mit einem Lacher an. Das katholische Pfarreizentrum St. Agatha ist gut gefüllt, als Urs Schelbert vom Kolping-Theater Dietikon vor das Publikum tritt. Er begrüsst die Anwesenden und meint: «Wir sind nicht sicher ob die Lüftung funktioniert, falls sie etwas heiss bekommen, melden sie sich einfach.» Nach dieser humoristischen Szene sind die Zuschauerinnen und Zuschauer auf das Stück des Abends bereits gut eingestimmt. Das Kolping-Theater Dietikon führt nämlich Emil Stürmers Schwank «Viktor in Nööte» auf.

Erbtante als Alibi

Im Zentrum der Geschichte steht die Bauernfamilie Luginbüel. Bauer Viktor ist mit der rigiden Seline, die mit viel Elan von Lucia Stich gespielt wird, verheiratet. Weil sie ihm kaum Freiheiten lässt, erfindet Viktor eine Erbtante in der Stadt. So kann er einmal im Monat das Nest verlassen, um angeblich die Tante Emmi zu besuchen – in Wirklichkeit geht er mit den Kollegen einen trinken. So weit, so gut. Bis zu dem Tag, als Seline diese Tante unbedingt kennenlernen möchte, da sie vermutet Viktor treffe sich mit einer jüngeren Frau. Es muss also sofort eine Tante her, koste es, was es wolle.

Fantastisch gespielt wird die Figur der lauten, dauer-schimpfenden Seline Luginbüel und die des trotteligen Nachbarn Fritz Hungerbüeler, gespielt von Daniel Stillhart. Letzterer bringt Sprüche und Pointen, die die Zuschauer laut loslachen lassen. So zum Beispiel, als er sich auf der Bühne bis auf die Unterhose auszieht und sich vom Bauer Viktor in Frauenkleider stecken lässt: «Weisch du wie me es Korsett aleit?» Oder, als er verkleidet als Tante Emmi auf seine Ehefrau trifft und laut ruft: «Was isch dänn das für en vertröchnete Zwätschgebaum!».

Ein «Buh» ertönt im Publikum

An diesem Samstagabend lacht das Publikum oft und kommentiert gar das Schauspiel. Als die Frau des Nachbarn Hungerbüeler mit einer ausladenden Armbewegung in die Zuschauer ruft: «Ihr Manne sind doch alli glich», ertönt ein tiefstimmiges «Buh» aus den Reihen. Und dies, obwohl es klar die Frauen-Figuren sind, die im Stück ihr Fett wegbekommen. Bezeichnungen wie, «Drachen», und «Alte» fallen oft.

Die Zuschauerinnen scheinen es dem Autor des Stücks nicht allzu übel zu nehmen, auch sie sind dem Stück gegenüber positiv gestimmt. Eine Besucherin meint: «Das ist ein wirklich gutes Theater», ihre Kollegin bestätigt: «Ich finde die Sprüche gut, so direkt aus dem Leben.» Und ein Herr in der ersten Reihe spricht wohl vielen aus dem Herzen, als er sagt: «Für Laienschauspieler, spielen die richtig gut.»

«Viktor in Nööte» wird noch am 30. und 31. Januar im katholischen Pfarreizentrum St. Agatha in Dietikon aufgeführt.