Kann man den berühmten spanischen Flamenco mit traditioneller Appenzeller Volksmusik vereinen? Nein, müsste man eigentlich meinen. Doch wer im ausverkauften Stürmeierhuus-Saal in Schlieren die Tänzerin Bettina Castãno und die Appenzeller Adler Buebe erlebte, sah, wie perfekt sich diese Künste eben doch kombinieren lassen.

Erste Versuche vor 20 Jahren

Dass diese ungewöhnliche Kombination in Schlieren gastieren durfte, freute auch Handörgeler Willi Valotti. «Wir möchten uns bei der Kulturkommission Schlieren bedanken, dass sie den Mut hatten, unser Projekt zu engagieren», sagte er am Ende der Premiere zur neuen Spielsaison. Zusammen mit Walter Alder (Hackbrett), Michael Bösch (Geige) und Köbi Schiess (Bass) begleitete er Bettina Castãnos energiegeladene Flamencotänze. Castãno ist übrigens keine Spanierin, auch wenn man es meinen könnte. Die gebürtige Teufenerin lebt aber seit mehr als 20 Jahren in der Hochburg des Flamencos, im spanischen Sevilla.

Nachdem Castãno einst einen Kulturpreis gewonnen hatte, hatte sie nur einen Wunsch: «Ich will zu Appenzeller Streichmusik Flamenco tanzen.» So fanden die urchige Ländlerkapelle, die heute in der vierten Generation spielt, und die Tänzerin in Urnäsch bereits vor 20 Jahren erstmals zusammen. Was damals noch ein Wagnis war, hat sich heute längst bewährt. Wie gut es ankommt, wenn zwei grundverschiedene Musik- und Tanztraditionen in Einklang gebracht werden, zeigte der kaum enden wollende Applaus.

Der Auftakt war traditionell, mit der Musik der Alder Buebe, wie man sie seit über 125 Jahren eben kennt. Als Bettina Castãno in einem schneeweissen Kleid die Bühne betrat, ergänzten einzig die schnellen Steppschritte und die Kastagnetten von Castãno die Appenzeller Klänge. Der Flamenco wirkte nie als Störung sondern vielmehr als Optimierung. «Diese zwei Kunstrichtungen miteinander zu vereinen ist absolut kein Widerspruch», erklärte Walter Alder.

Appenzell, Spanien, Ungarn, Irland

Tatsächlich: Einmal schien das Hackbrett und die Geige die Tänzerin zu führen, einmal schienen ihre Füsse den Takt vorzugeben. Während sich Castãno elegant über die Bühne bewegte, entlockte Walter Alder seinem Hackbrett auch spanische, ungarische oder gar irische Rhythmen. Wenn die gebürtige Appenzellerin auf die Alder Buebe zutanzte, belohnten diese ihre Kunst mit einem Lächeln – oder gar mit einem Jodel.