Männerschuhe knarren auf den Dielen. Klackernde Pantoletten gesellen sich dazu. Röcke rascheln, ein Räuspern. Wenige Minuten vor Konzertbeginn haben sich alle 13 Sänger und Sängerinnen des Heimetchors Limmiggruess hinter der Bühne eingefunden. Die Männer gekleidet im traditionellen Bündnerkutteli, die Frauen in der Limmattaler Werktagstracht.

Am Wochenende lud der Heimetchor zum alljährlichen Chränzli in der Gemeindeschüür in Oetwil. Der Geroldswiler Albert Räss ist vorab etwas nervös. Seit 40 Jahren sei er dabei, mit dem Verein «beinahe verheiratet». Umso mehr weh tue es, zu sehen, wie schwierig die Suche nach Neumitgliedern sei. So appelliert man vor dem Konzert ans Publikum: «Kommt doch zu einer Probe vorbei.»

Und wie man Noten lese bringe einem Dirigent Stanislav Zalar schon bei. Wohl auch, so zeigt sich bald, wie man einen Saal mit vereinten Stimmen aufheizt. Mit dem Vorhang fällt auch die Anspannung. Das Programm reiht Perle an Perle. Nach vier Variationen der «Forelle» stimmt der Chor das wehmütige «Bayazzo» an.

Dann verlocken Polo Hofers «Alperose», das Chanson «Vieni sulla barchetta» und «Sierra madre del sur» zum Mitschunkeln. Weiter geht es mit Evergreen «S’Träumli», bei dem das Publikum mitsingt: «S’isch ja nur es chlises Träumli gsi, Träumli sind so schnell verbi». Den Abschluss macht «I bin en Italiano» – den das Publikum nochmals als Zugabe wünscht. «Sie werden immer besser», bilanziert Zuhörer Roland Suter und bestellt sich einen Kaffee.

Chränzli des Heimetchors Limmiggruess

Chränzli des Heimetchors Limmiggruess

Zusammenschnitt aus den Liedern «Vieni sulla Barchetta», «Sierra Madre del sur», «Die Hände zum Himmel», «Ticino e Vino» und «s'Träumli» gesungen vom Heimetchors Limmiggruess.

So kommt das Dorf zusammen

Nach der Pause teilt sich der Vorhang erneut, für das Theater, gespielt von Aktivmitgliedern und Freunden des Chors. «Eine aberwitzige Verwechslungskomödie» verspricht das Programmheft. Gespannt darauf, wie sie ankommt, ist Sänger Erwin Hugi. Schon das zweite Mal spiele er mit, weil es «einfach Spass macht», sagt er, bevor er in die Maske verschwindet.

Auf der Bühne taucht er alsbald als Benni auf und rauft sich die blonde Perücke. Zwei Ex-Freundinnen stünden auf der Matte. Das komme ungelegen, wollte er sich doch gerade ein Schäferstündchen gönnen mit einem Call-Girl (wunderbar aufmüpfig gespielt von Sängerin Hanni Spahn).

Er bringt die Dame kurzerhand in der Wohnung seines Nachbarn, des Junggesellen Sandro, unter. Dieser erwartet in Kürze Besuch von seinen Eltern. Und er weiss: Damit er im Testament berücksichtigt wird, muss er eine standesgemässe Freundin vorweisen. In seiner Not engagiert er eine Schauspielerin. Als sich aber auch das Call-Girl den Eltern als Sandros Freundin vorstellt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.

Von Pointe zu Pointe hangelt sich das Bühnenstück, schlank, frech und zugänglich. Das Publikum goutiert es mit Gelächter und Applaus. Zuschauerin Erika Domeisen aus Oetwil ist glücklich: «Solche Anlässe bringen das Dorf zusammen.» Kurz vor Mitternacht steht man wieder auf der Strasse, die Tür fällt ins Schloss. Das Gelächter verklingt. Es scheint fast so, als wäre dieser Abend nur ein Träumli gewesen.