Weihnachten

Wenn das beliebte Fondue an den Festtagen für lange Gesichter sorgt - so feiern die Deutschen

Hubert Baumgartners Oma stammt aus Ostdeutschland. Er leitet den Swiss German Club in den Regionen Zürich und Bodensee.

Hubert Baumgartners Oma stammt aus Ostdeutschland. Er leitet den Swiss German Club in den Regionen Zürich und Bodensee.

An Heilig Abend setzt man in Deutschland auf Kartoffelsalat und Wienerli, sagt Hubert Baumgartner. Er leitet den Swiss German Club der Regionen Zürich und Bodensee.

Viele Ausländerinnen und Ausländer im Limmattal besitzt einen deutschen Pass. Man könnte meinen, dass die Mitbürger aus dem Nachbarland die Festtage in selber Manier feiern wie wir Schweizer. Doch ein paar Unterschiede gibt es schon: kulinarisch und auch kulturell. «In Deutschland ist der Stephanstag ein zweiter Weihnachtstag. Während in der Schweiz an diesem Tag nicht mehr gross gefeiert wird und man die Festtage etwas ausklingen lässt, stehen bei den Deutschen noch Familienfeste an», sagt Hubert Baumgartner. Er ist Leiter des Swiss German Clubs der Regionen Zürich und Bodensee und veranstaltet regelmässig Anlässe für die rund 50 Mitglieder. «Bei uns treffen sich Personen, die in irgendeiner Art einen Bezug zu Deutschland haben. Man tauscht sich aus, vernetzt sich und hilft einander gegenseitig.»

Baumgartner ist Schweizer, hat aber deutsche Wurzeln. «Meine Oma stammt aus Ostdeutschland und pflegte die deutschen Bräuche vor allem während der Weihnachtszeit», erzählt Baumgartner. Am Heilig Abend zum Beispiel sei traditionell stets Kartoffelsalat mit Wienerli auf dem Menüplan gestanden. «Dieses Gericht ist typisch für den Heilig Abend und verbindet die Nation. Die Deutschen sagen natürlich Frankfurter.»

Wienerli und Kartoffelsalat gibt es am Heilig Abend.

Wienerli und Kartoffelsalat gibt es am Heilig Abend.

Das Essen an Heilig Abend sei eher spartanisch, man feiere im engen Familienkreis. Am ersten und zweiten Weihnachtstag besuche man die eigene oder die Familie des Partners oder der Partnerin, sagt Baumgartner. Dann falle das Menü auch festlicher aus. Weihnachtsgans oder Weihnachtskarpfen stünden immer noch hoch im Kurs. Und auch Süsses gebe es in Hülle und Fülle. Guetzli und Kuchen mit viel Schlagsahne. «Meine Oma hat immer Streuselkuchen gebacken.»

«Der Deutsche sitzt permanent am Esstisch»

Essen nimmt in diesen drei Tagen die Hauptrolle ein. «Der Deutsche isst dann wahnsinnig viel und sitzt eigentlich permanent am Esstisch», sagt Baumgartner und lacht. «Mehr und mehr setzt man auch auf Fleischfondue.» Das Gericht berge bei schweizerisch-deutschen Weihnachtsfesten das grösste Konfliktpotenzial. «Wenn der Deutsche von Fondue spricht, meint er Fondue chinoise. Der Schweizer versteht unter Fondue die Variante mit Käse. Das sorgt oft für lange Gesichter an der Weihnachtstafel», sagt Baumgartner.

Üblich sei bei den Deutschen nach dem Mahl und der Bescherung das gemeinsame Fernsehen. «Vor allem ältere Deutsche schauen Weihnachtsmessen oder Weihnachtsformate mit bekannten Moderatorinnen und Moderatoren wie etwa Carmen Nebel.» Die Jüngeren würden das Weihnachtsfest individueller gestalten. «Gewisse feiern Partys mit Musik oder gehen nach dem Essen in den Ausgang.» Baumgartner wird Weihnachten bei Freunden in Wiesbaden verbringen. «Ich habe lange in Frankfurt gelebt. Ich liebe Deutschland und kann das Fest kaum erwarten.» 

Autor

Sibylle Egloff

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