Die Gesprächsreihe «Mis Dietike» fand gestern nicht nur erstmals im Ortsmuseum und nicht mehr im «Raum One» des Theaters Dietikon statt, sondern hat auch einen neuen Namen. «Es ist unser Dietikon und deshalb wird die Veranstaltungsreihe fortan mit der Erweiterung ‹Öises Dietike› geführt», sagte die Journalistin und Historikerin Helene Arnet, die auch in dieser Ausgabe das Gespräch leitete. Dieses Mal gewährte Hedy Kegele-Wiederkehr Einblick in ihr Leben. Sie wurde 1924 in Dietikon geboren und wuchs im heutigen Bezirkshauptort auf. Viele Besucher konnten dabei in eigenen Erinnerungen schwelgen.

Im Gespräch ging es weniger um die grossen politischen Ereignisse. Denn wie das Publikum erfuhr, interessierte sich Hedy Kegele-Wiederkehr schlicht nicht sonderlich dafür. Weder den damaligen Besuch von General Guisan, noch die Diskussion über das Frauenstimmrecht habe sie aktiv mitverfolgt. «Das interessierte mich alles nicht. Wir hatten unseren Frieden hier», sagte sie. Wie sie als Mädchen aber einem Offizier aus dem Welschland ihr Zimmer geopfert habe und anschliessend noch ihre Puppe als Geschenk für sein Kind mitgab, das wisse sie noch genau. Fünf Franken habe sie dafür erhalten, was damals sehr viel Geld gewesen sei.

Rezept für zufriedenes Leben

Ihren Ehemann habe sie im Kirchenchor kennen gelernt. «Ich wurde zu Hause sehr streng gehalten und mein Vater dachte, dass im Kirchenchor nichts passieren kann.» Auf die Frage, ob sie eine gute Ehe geführt habe, lächelte Hedy Kegele-Wiederkehr: «Ich glaube schon, wir hatten es sehr schön. Manchmal haben wir gestritten, wie die anderen eben auch.» Und auch ihr Rezept für ihre Freude am Leben verriet sie: «Wenn andere jammern, dann höre ich einfach nichts.»

Im Anschluss an das Gespräch, das durch das Trio Trello musikalisch begleitet wurde, gab es einen kleinen Einblick zur Entstehung eines speziellen Exponats des Ortsmuseums. Es handelte sich um eine Schweizerkarte eines englischen Historikers namens William Coxe, der die Schweiz im 18. Jahrhundert bereiste: «Wir sammeln Geschichten und nicht nur Objekte», sagte Hansheinrich Bachofen, Mitglied der Kommission für Heimatkunde, der den kurzen Vortrag hielt.

Die Besucher waren mit dem neuen Veranstaltungsort zufrieden. Der Anlass passe zum Ortsmuseum. Aber das nächste Mal müsse er auf Grossleinwand in den Garten übertragen werden, sagte Simone Neff, Präsidentin des Vereins Theater Dietikon. In der Tat wurden die Organisatoren etwas vom Grossandrang überrascht. Innert kürzester Zeit war der Raum besetzt. Schätzungsweise fünfzig Personen fanden den Weg ins Ortsmuseum, sodass eine Tür ausgehängt werden und im Gang sowie auf der Treppe weitere interessierte Zuhörer Platz nehmen mussten. «Wir sind überwältigt», bedankte sich auch Sonja Laugthon.

Auch Annemarie Müdespacher, die die Matinée das erste Mal besuchte, gefiel es: «Es war sehr schön und erfrischend.» Und Peter Müdespacher lobte Helene Arnets Arbeit: «Die gute Recherche und Bilder haben beim Erinnern geholfen. Der Anlass zeugt davon, wie Menschen im hohen Alter noch frisch und spontan reagieren und agieren können.»