Schlieren

Wende beim Chilbiplatz: Das Tram soll zukünftig unter dem Haus durchfahren

So könnte der Chilbiplatz dereinst aussehen: Mit einem Wohnhaus (in hellrot), das sich von der Mitte der Tramwendeschlaufe bis auf das hintere Grundstück der Kohler AG erstreckt. Die Badenerstrasse (vorne im Bild) wird verschoben.

So könnte der Chilbiplatz dereinst aussehen: Mit einem Wohnhaus (in hellrot), das sich von der Mitte der Tramwendeschlaufe bis auf das hintere Grundstück der Kohler AG erstreckt. Die Badenerstrasse (vorne im Bild) wird verschoben.

Die Liberale Baugenossenschaft macht einen Vorschlag, wie man den Chilbiplatz bebauen könnte

So schnell kann es gehen: Es gibt bereits einen konkreten Vorschlag für ein Gebäude, das auf dem heutigen Chilbiplatz in Schlieren zu stehen kommen könnte. Erst am Montagabend hat das Parlament die Vorlage des Stadtrats für den Platz zurückgewiesen, der in ein paar Jahren als Haltestelle der Limmattalbahn und Wendeplatz des 2er-Trams dienen wird. 

Diese hätte vorgesehen, dass aus dem Platz, der offiziell Geissweidplatz heisst, mithilfe von 80 einheimischen Bäumen eine grüne Oase wird. Das Parlament wollte davon aber nichts wissen und bestand darauf, dass auf dem Platz ein Hochbau geplant wird, der Rendite abwirft.

Für den Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP), der die Ablehnung seiner Vorlage nicht ohne Irritation zur Kenntnis nahm, heisst das: Zurück auf Feld eins. Er werde den Auftrag annehmen und abklären, welche Möglichkeiten bestehen, sagte er am Tag nach der Parlamentssitzung zur Limmattaler Zeitung. Bärtschiger verwies jedoch darauf, dass es ausgesprochen schwierig sei, auf dem Platz, der in Zukunft von den beiden Trams dominiert werde, ein Gebäude zu planen.

Problematisch sei beispielsweise die Zufahrt zum Gebäude, das sich in der Mitte der Tramschlaufe befinden müsste. Zudem stelle die Grundwassersituation wie auch ein geschützter Baum eine Herausforderung dar. So oder so würden alle Rahmenbedingungen dazu führen, dass allfällige Wohnungen sehr teuer würden.


«Gesunde, günstige Wohnungen»


Dem widerspricht Beat Friedrich. Er ist seit rund 30 Jahren Vorstandsmitglied der Liberalen Baugenossenschaft Schlieren. Diese wurde 1968 von bürgerlich gesinnten Schlieremern gegründet, ist aber politisch unabhängig.

Ihr Zweck ist es, im Raum Schlieren den Wohnungsbau im Allgemeinen und die «Schaffung gesunder und zinsgünstiger Wohnungen im Besonderen» zu fördern, wie es im Handelsregistereintrag heisst. 126 Wohnungen an der Rohrstrasse, Freiestrasse und Lättenstrasse gehören ihr. Doch die Genossenschaft hat ein Problem, wie Friedrich sagt: Weil sie lange Wartelisten für ihre Wohnungen, jedoch kaum Mieterwechsel hat, möchte sie gerne weitere Wohnungen bauen. Aber: «Das ist nicht so einfach. Wir suchen immer wieder Gelegenheiten, um in Schlieren günstig an Land zu kommen», so Friedrich.

Als man im Juni erfahren habe, was der Stadtrat mit dem Chilbiplatz vorhabe, habe man eine Chance gesehen, sagt er. Sowohl für die Baugenossenschaft wie auch für den Stadtrat: «Statt dass die Stadt jährlich Geld für den Unterhalt der Bäume ausgeben muss, würde sie so Baurechtszinsen bekommen.» Anfang November schickte die Genossenschaft dem Stadtrat einen Brief und eine Machbarkeitsstudie, die sie selber in Auftrag gegeben hatte.

Der Clou am Projekt: Die Liberale Baugenossenschaft hat die Hans Kohler AG, die das Nachbargrundstück besitzt, ins Boot geholt. Das vorgeschlagene, sechsgeschossige Gebäude würde auf beiden Grundstücken zu stehen kommen und je zur Hälfte der Baugenossenschaft und der Kohler AG gehören. Das 2er-Tram würde auf seiner Wendeschlaufe unter dem Haus durchfahren.


Probleme sind keine


Friedrich betont, dass die vom Stadtrat angesprochenen Probleme allesamt keine seien: nicht das Grundwasser, nicht der Bach, nicht die Zufahrt, die über das Kohler-Grundstück geführt würde und nicht der Preis. «Unser Ziel ist es, günstige Wohnungen zu bauen und wir sind überzeugt, dass dies auch hier möglich wäre.» Zudem hätte, so Friedrich, vor dem Gebäude auch ein kleiner, öffentlicher Park Platz.

Von der Stadt hat die Baugenossenschaft bisher erst einen knappen Brief bekommen, in dem festgehalten wird, dass der Stadtrat «nicht von einer Überbauung der Fläche mit Hochbauten» ausgehe. Wenn die Stadt sich nun nicht von sich aus melde, werde man so bald wie möglich nochmals das Gespräch suchen, sagt Friedrich. «Es muss doch im Interesse der Stadt sein, günstigen Wohnraum bereitzustellen.»

Autorin

Bettina Hamilton-Irvine

Bettina Hamilton-Irvine

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