Oberengstringen
Welcome! Bienvenido! Mirë se vini! Jetzt legen die Kulturvermittler los

Migranten werden neu von Kulturvermittlern willkommen geheissen. Das Ziel ist es, Neuzuzüger zu helfen, sich möglichst schnell in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Sandro Zimmerli
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Kulturvermittler sollen Neuzuzüger auch auf Angebote wie die Deutschkurse aufmerksam machen.

Kulturvermittler sollen Neuzuzüger auch auf Angebote wie die Deutschkurse aufmerksam machen.

BH

Wie schafft es die Gemeinde, dass Neuzuzüger aus dem Ausland ausreichend über die Integrationsangebote, ihre Rechte und Pflichten sowie ganz generell über das Leben in der Schweiz informiert sind?

In Oberengstringen heisst die Antwort Kulturvermittler. Gemeint sind damit Personen aus dem jeweiligen Kulturkreis der Neuzuzüger, die ihnen helfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Nachdem die Gemeinde dieses Ziel, die Etablierung einer sogenannten Willkommenskultur, in ihrem im Herbst 2013 verabschiedeten Integrationsprogramm definiert hat, folgt nun der nächste Schritt.
«Uns ist es gelungen, sieben Kulturvermittler zu finden und sie für ihre neue Aufgabe zu schulen. Sie werden ab sofort zur Verfügung stehen», sagt Lukas Vogt, Jugend- und Integrationsbeauftragter in Oberengstringen.

Es handle sich dabei um Leute, die eine oder mehrere der sechs am häufigsten von Neuzuzügern gesprochenen Sprachen beherrschten: Englisch, Spanisch, Albanisch, Türkisch, Portugiesisch, Französisch.

Konkret werden Neuzuzüger nun darüber informiert, dass sie etwa zwei Wochen nach ihrer Anmeldung auf der Gemeinde telefonisch durch einen Kulturvermittler kontaktiert werden. Dieser bietet der neu zugezogenen Person ein Willkommensgespräch an. «Ein solches Gespräch kann zu Hause oder auch in einem Café stattfinden. Es aber auf jeden Fall freiwillig, niemand muss vom Angebot gebrauch machen», so Vogt.

Es wird nachgehakt

Der Inhalt eines solchen Gesprächs ist abhängig von den individuellen Präferenzen des Neuzuzügers. «Dabei kann über ganz alltägliche Dinge gesprochen werden, etwa wie die Abfallentsorgung in der Gemeinde funktioniert», sagt Vogt. Falls jemand keinen Gebrauch von einem Willkommensgespräch mache, werde nach einer gewissen Zeit nachgehakt und gefragt, ob inzwischen doch Fragen aufgetaucht seien. «Wir haben für das erste Jahr rund 50 Gespräche kalkuliert», so Vogt.

Ziel des neuen Angebots ist es, den Migranten einerseits alle wichtigen Informationen zu vermitteln und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein in der Gemeinde. Andererseits erhofft man sich auch, dass die Kulturvermittler künftig stärker ins Gemeindeleben integriert werden. «Schön wäre es beispielsweise, wenn sie dereinst bei Anlässen mitwirken», sagt Vogt.

Aus Sicht des Integrationsbeauftragten bieten solche Willkommensgesprächs verschiedene Vorteile. «Erfolgt eine Erstinformation in der Muttersprache, trägt dies sicher zum Abbau von Hemmschwellen bei. Die Neuzuzüger erhalten eine Anlaufstelle für Fragen und werden zudem ausreichend informiert.» Denn genau in diesem Bereich haperte es bislang in Oberengstringen hinsichtlich der Integrationsbemühungen. Bereits 2010 setzte der Gemeinderat eine Begleitgruppe Integration ein. Sie besteht unter anderem aus Vertretern der Behörde, der Schule, der Bevölkerung und der Vereine. Die Begleitgruppe erarbeitete in Zusammenarbeit mit der kantonalen Fachstelle für Integrationsfragen ein Integrationsprogramm. Ziel war es, das bereits bestehende Angebot zu systematisieren und dem Bedarf anzupassen. Ziel war es, das bereits bestehende Angebot zu systematisieren und dem Bedarf anzupassen.

Willkommenskultur als Herzstück

Es zeigte sich, dass die Gemeinde, unter anderem mit ihren Deutschkursen oder der Spielgruppe Plus, und insbesondere durch die Schule über ein breites Angebot der Integrationsförderung verfügt. Allerdings wurde auch deutlich, dass hinsichtlich der Information über diese Angebote noch Nachholbedarf bestand. «Zwar informieren wir über unsere Homepage, über Flyer oder Broschüren, diese gehen jedoch in der täglichen Informationsflut unter», so Vogt. Die Gemeinde entschloss sich deshalb Ende 2013, am kantonalen Integrationsprogramm (KIP) teilzunehmen (siehe Box). Dieses sieht vor, dass Gemeinden mindestens 45 Prozent der Integrationsleistungen selber bezahlen. In Oberengstringen sind das rund 50 000 Franken pro Jahr. Der Kanton übernimmt die restlichen 55 Prozent. In einer Leistungsvereinbarung sind die Anforderungen an die von den Gemeinde zu erbringenden Leistungen geregelt. Im Fall von Oberengstringen ist die Umsetzung des Projekts «Willkommenskultur» das Herzstück der Vereinbarung.