Geroldswil
Weisse oder grüne Spargeln? Bald gibts im Limmattal solche in Violett!

Die gängigen Spargeln sind normalerweise Weiss oder Grün. Nun plant der Spargelbauer Andreas Tschanz in Geroldswil eine neue Sorte aus: die Violetten.

Julia Wartmann
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Auftakt zur Spargelsaison: Andreas Tschanz kontrolliert, ob hie und da schon einzelne weisse Spargelköpfe aus der Erde schauen. Bis jetzt war der Boden noch zu kalt für die Spargeln. Doch bis Ende dieser Woche erwartet er, die ersten zu ernten.jwa

Auftakt zur Spargelsaison: Andreas Tschanz kontrolliert, ob hie und da schon einzelne weisse Spargelköpfe aus der Erde schauen. Bis jetzt war der Boden noch zu kalt für die Spargeln. Doch bis Ende dieser Woche erwartet er, die ersten zu ernten.jwa

Julia Wartmann

In Geroldswil steht die Spargelzeit vor der Tür. Noch Ende dieser Woche hofft Bauer Andreas Tschanz, die ersten Spargeln auf seinem Feld zu stechen. Der Grund, dass es nicht schon früher losging, sind die starken Temperaturschwankungen vor allem über das Osterwochenende. Damit die Spargeln wachsen, braucht es eine Bodentemperatur von mindestens 13 Grad, erklärt er. Danach dauere es ungefähr 14 Tage, bis mit der Ernte begonnen werden kann. Dafür beschäftigt er seit Jahren denselben Erntehelfer.

Dieses Jahr findet man auf Tschanz’ Feld noch zwei Sorten Spargeln – grüne und weisse. Doch bereits im nächsten Jahr will er etwas Neues anpflanzen: sogenannte Violetta-Spargeln. Wie der Name bereits verrät, weisen diese eine violette Färbung auf und wachsen, wie die grüne Spargel, ans Licht. Im Gegensatz zur weissen Spargel, die gestochen wird, schneidet man violette Spargeln oberirdisch.

Im Frühling 2017 kann Tschanz die Sorte, die als Rarität gilt, voraussichtlich zum ersten Mal ernten. Da diese Spargel keinen Bitterstoff enthält, ist sie auch roh geniessbar – beispielsweise in einem Spargelsalat. Tschanz bietet den Kunden auf seinem Hofladen gerne immer mal wieder etwas Neues. Mit dieser Spezialität im Sortiment hätten Spargelliebhaber «etwas fürs Auge», sagt er, «schade ist nur, dass die Farbe sich beim Kochen verändert.» Wenn man die violetten Spargeln nämlich aus dem Kochtopf nehme, sähen sie bräunlich aus. Geschmacklich ähneln sie ihrem nahen Verwandten, der grünen Spargel.

Dies hat einen simplen Grund. Was nämlich nicht jeder weiss: Der geschmackliche Unterschied zwischen grünen und weissen Spargeln besteht einzig und allein darin, dass die weissen nie das Tageslicht erblicken. Die Grünspargel wächst in der Sonne und bildet deshalb diejenigen Stoffe, die sie zur Fotosynthese benötigt. Diese sind es, die ihm seine Farbe verleihen. Das Praktische daran findet Tschanz, dass er noch während der Ernte entscheiden kann, ob er mehr grüne oder mehr weisse Spargeln produzieren will. Als die Nachfrage nach weissen Spargeln im vergangenen Jahr sehr gross war, entschied er sich dafür, die Spargeln zu stechen, noch bevor diese an der Sonne ihre Farbe wechselten. Da das Spargelstechen weit mehr Zeit beanspruche, als wenn man sie abschneide, mache er das jedoch nur selten, sagt er.

Gut für die Gesundheit

Eine gute Nachricht für alle Spargelfans hat Claudio Lorenzet, Hausarzt aus Bergdietikon: «Spargel ist ausgesprochen gesund», sagt er. Mit nur 150 Kalorien pro Kilogramm könne er bedenkenlos genossen werden. Plus: Die bekannte harntreibende Wirkung des Spargels reinige das Blut und unterstütze die Nieren- und Leberfunktionen.

Dabei lässt sich nicht eindeutig sagen, ob die grüne oder die weisse Spargel die gesündere ist, sagt er. Wie viele verschiedene Mineralien und Vitamine, in den beiden Spargelsorten enthalten sind, hänge davon ab, ob sie Licht sehen, bevor sie geerntet werden. Die Unterschiede seien aber nicht erheblich. Doch aufgepasst: Nicht allen Menschen bekommt das Frühlingsgemüse. Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten im Blut sollten, auf die Gefahr hin, einen Gichtschube zu erleiden, auf das edle Gemüse verzichten. Auch wer zu Nierensteinen neigt, sollte Spargeln besser von seiner persönlichen Speisekarte streichen, sagt er.

Was vielen Leuten ebenfalls missfällt: Der eigenartige Geruch des Urins nach dem Genuss von Spargeln. «Dieser stammt vermutlich von verschiedenen schwefelhaltigen Verbindungen», erklärt Lorenzet. Ganz sicher sei sich die Wissenschaft aber bis heute nicht. Klar ist: Es gibt leider nichts, was man gegen den Geruch unternehmen könne, so der Arzt.

Erweckt Frühlingsgefühle

In der traditionellen indischen Medizin werden der Spargel aphrodisierende Kräfte zugesprochen. Es heisst dort, der Verzehr kurble die Durchblutung des Urogenitaltraktes an. Tatsächlich fördert der hohe Vitamin-E-Gehalt der Pflanze die Produktion und Ausschüttung von Sexualhormonen, erklärt Lorenzet. Wer also einen romantischen Frühling erleben will, sollte am besten jeden Tag Spargeln essen. Die Saison dauert noch bis zum Johannistag am 24. Juni, wenn europaweit die letzten Spargeln gestochen werden.